StartMarokkoMarokko – Gesetz soll Schutz streunender Tiere und öffentliche Sicherheit verbinden

Marokko – Gesetz soll Schutz streunender Tiere und öffentliche Sicherheit verbinden

Regierung versucht mit umfassender Tierschutzreform auf gesundheitliche Risiken und internationale Erwartungen zu reagieren – auch im Kontext der WM 2030

Rabat – Die marokkanische Regierung hat am 10. Juli 2025 einen Gesetzentwurf verabschiedet, der den Umgang mit streunenden Tieren – insbesondere Hunden – grundlegend regeln soll. Wie die staatliche Nachrichtenagentur MAP berichtet, wurde das Gesetzesvorhaben mit der Nummer 19.25 im Regierungsrat unter der Leitung von Landwirtschaftsminister Ahmed El Bouari vorgestellt. Ziel des Entwurfs ist es, sowohl die öffentliche Gesundheit und Sicherheit als auch den Schutz streunender Tiere zu gewährleisten.

Hintergrund ist ein landesweit beobachtetes Wiederaufleben des Phänomens streunender Tiere, das laut Regierungssprecher Mustapha Baitas zu einem ernstzunehmenden Problem geworden ist. Während einer Pressekonferenz im Anschluss an die Kabinettssitzung betonte Baitas, dass die unkontrollierte Verbreitung solcher Tiere nicht nur zur Verbreitung schwerer Infektionskrankheiten beitrage, sondern auch Verkehrsunfälle verursache und Menschen direkt angreife. Das Thema sei daher nicht nur ein Tierschutzanliegen, sondern eine Frage der kollektiven Sicherheit.

Ein Gesetz mit doppeltem Ansatz – Schutz der Bevölkerung und der Tiere

Der Gesetzentwurf versucht einen ausgewogenen Ansatz zu verfolgen. Neben der Gefahrenprävention für die Bevölkerung betont der Text ausdrücklich auch den Schutz der Tiere selbst, etwa durch den Aufbau geeigneter Strukturen zur Pflege, Versorgung und Kontrolle vor allem streunender Hunde. Dazu zählen unter anderem regionale Aufnahmezentren, in denen Tiere sterilisiert, medizinisch versorgt und vor Gefahren geschützt werden sollen.

Regierungssprecher Baitas erklärte laut MAP, dass das neue Gesetz einen „rechtlichen Rahmen schaffen wird, der die Sicherheit der Bürger mit dem Schutz streunender Tiere in Einklang bringt“. Grundlage seien internationale Erfahrungen sowie Empfehlungen der Weltorganisation für Tiergesundheit (WHO), auf die sich der Text ausdrücklich berufe.

Diese Herangehensweise steht in starkem Kontrast zu früheren, teils repressiv kritisierten Methoden im Umgang mit streunenden Hunden, etwa systematische Tötungen. Verschiedene Tierschutzverbände hatten in den vergangenen Jahren vehement ethisch vertretbare Lösungen gefordert – darunter Sterilisation, Aufklärungskampagnen und medizinische Versorgung. Der aktuelle Entwurf scheint diesen Forderungen nun erstmals institutionell Rechnung zu tragen.

Marokko – Strategiewechsel beim Umgang mit streunenden Hunden

Was ist geplant?

Nach marokkanischen Medienberichten, sollen mehrere regionale Zentren geschaffen werden, die sich unter anderem um die Aufnahme und Sterilisation der Tiere kümmern. Diese Maßnahmen sollen mit Hilfe eines neuen Systems unter dem Organgesetz für lokale Behörden umgesetzt werden.

Obwohl es laut Bericht noch keine offizielle Budgetzusage gibt, sprechen übereinstimmende Quellen von der möglichen Bereitstellung hoher Millionensummen, um das Problem nachhaltig und strukturiert anzugehen. Die genaue Finanzierung und operative Umsetzung stehen jedoch noch aus und dürften in den kommenden Monaten im Parlament sowie auf kommunaler Ebene weiterverhandelt werden.

Marokko im Vorfeld der Fußball-WM 2030

Der Zeitpunkt der Gesetzesinitiative ist auch im internationalen Kontext von Bedeutung. Marokko wird 2030 gemeinsam mit Spanien und Portugal die FIFA-Weltmeisterschaft ausrichten. Das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum – auch mit Blick auf streunende Tiere – erhält damit zusätzliche Dringlichkeit.

Die Maßnahme steht auch im Zeichen eines strategischen Images, das Marokko gegenüber internationalen Partnern wahren möchte: als modernes, verlässliches und sich an internationalen Standards orientierendes Land. Die geplanten Reformen könnten somit auch als Teil einer öffentlichen Diplomatie gewertet werden, die über den konkreten Tierschutz hinausreicht.

Zwischen Gesetz und Praxis

Der vom Regierungsrat verabschiedete Entwurf wird nun dem Parlament zur weiteren Beratung und Verabschiedung vorgelegt. Ob und in welchem Umfang die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, wird nicht zuletzt von der Finanzierung, der regionalen Verwaltungskapazität sowie der Zusammenarbeit mit lokalen zivilgesellschaftlichen Akteuren abhängen.

Das Gesetz könnte – bei konsequenter Umsetzung – einen Wendepunkt markieren im marokkanischen Umgang mit einem lang vernachlässigten Thema, das sowohl ethische, gesundheitliche als auch politische Dimensionen berührt.

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