StartMarokkoMauretanien – Trump sichert sich in Washington afrikanische Rohstoffpartnerschaften

Mauretanien – Trump sichert sich in Washington afrikanische Rohstoffpartnerschaften

Rohstoffe, Migration, Drogen: Ein breites Verhandlungsfeld

Washington versammelt fünf afrikanische Staatschefs – USA wollen mit neuer Afrika-Initiative China und Russland zurückdrängen – mögliche Konkurrenz zu Marokkos regionaler Atlantik-Strategie

Washington – US-Präsident Donald Trump hat am 9. Juli 2025 die Präsidenten von Mauretanien, Senegal, Liberia, Gabun und Guinea-Bissau im Weißen Haus empfangen. Wie die mauretanische Nachrichtenagentur AMI berichtet, diente das Treffen dem Aufbau engerer Handelsbeziehungen, insbesondere im Rohstoffsektor. Weitere Themen seien Migration, Sicherheitsfragen und regionale Zusammenarbeit gewesen, darunter die Bekämpfung des Drogenhandels. Ziel der US-Regierung sei es, die wirtschaftlichen Beziehungen zu ausgewählten afrikanischen Staaten neu auszurichten – mit einem klaren Fokus auf strategische Ressourcen.

Trump habe die Bedeutung Afrikas „für die globale Versorgung mit kritischen Rohstoffen“ betont und erklärte, die USA wollten zuverlässige Partnerschaften schaffen, die „auf gegenseitigem Interesse“ beruhen.

Fokus auf Mineralien statt klassischer Entwicklungshilfe

Die USA setzen mit dieser Initiative auf ein Modell wirtschaftlicher Kooperation, das klassische Entwicklungshilfe zunehmend ablöst. Im Zentrum stehen Rohstoffe wie Seltene Erden, Bauxit, Gold, Lithium und andere Mineralien, die für industrielle Anwendungen und die Energiewende unverzichtbar sind.

In einem Bericht den marokkanischen Nachrichtenportals Le360.ma wir angesprochen, dass das Treffen auch als Gegengewicht zu Chinas langjährigem Engagement in Afrika zu verstehen sei. Dort investiert Peking seit Jahren in Bergbauprojekte und Infrastruktur. Russland hingegen arbeitet zunehmend mit autoritären Regimen zusammen, häufig unter dem Deckmantel „sicherheitspolitischer Unterstützung“. Die USA versuchen nun, sich als wirtschaftlich berechenbare Alternative zu positionieren – insbesondere in rohstoffreichen, und politisch stabileren Staaten.

Mauretanien als strategischer Partner im Umbruch

Mauretanien nimmt dabei eine Schlüsselstellung ein. Präsident Mohamed Ould Ghazouani betonte laut AMI, dass sein Land offen für neue Investitionen sei, insbesondere in die Rohstoffverarbeitung, Infrastruktur und Technologie. Auch mauretanische Medien berichten über positive Gespräche zu Transportkorridoren, Energiekooperation und modernisierten Hafenanlagen.

Für Mauretanien ergibt sich damit eine Möglichkeit, sich als stabiler Rohstofflieferant neu zu positionieren – sowohl gegenüber den USA als auch im regionalen Kontext.

Konkurrenz oder Ergänzung zur marokkanischen Atlantik-Initiative?

Ein besonders heikler Punkt ergibt sich aus der möglichen Konkurrenz zur marokkanischen Atlantik-Initiative. Marokko, ein enger Verbündeter der USA, verfolgt seit Jahren unter König Mohammed VI. eine umfassende „Süd-Süd“-Strategie, bei der wirtschaftliche Kooperation mit afrikanischen Staaten im Mittelpunkt steht. Die neue Atlantik-Initiative sieht vor, dass rohstoffreiche Binnenstaaten wie Niger, Mali oder Tschad künftig über marokkanische Häfen am Atlantik – insbesondere in der Westsahara / marokkanische Sahara – ihre Exporte abwickeln.

Mauretanien spielt hierbei eine zentrale Rolle als Transitland. Mehrere marokkanische Unternehmen, insbesondere aus dem Bergbau, sind in Mauretanien aktiv. Sollte Washington nun parallel eine eigene Rohstoff-Infrastruktur mit vergleichbaren oder gar den gleichen Ländern fördern, könnten Konkurrenzsituationen um Investitionen, Lieferketten und Einflusszonen entstehen.

In Marokko wird nach Medienberichten das US-Treffen auch als potenziell konkurrierend wahrgenommen. Offen bleibt, ob es Abstimmungen zwischen Washington und Rabat gibt – oder ob beide Projekte künftig um dieselben Partnerländer und Ressourcen werben.

Rohstoffe, Migration, Drogen: Ein breites Verhandlungsfeld

Neben Rohstofffragen sprachen die Teilnehmer laut auch über Migration und organisierte Kriminalität – insbesondere den wachsenden Drogenschmuggel aus Lateinamerika über Westafrika nach Europa. Die USA sehen die Kooperation mit verlässlichen afrikanischen Staaten als Teil einer präventiven Sicherheitsstrategie. Auch dies könnte Mauretanien, das an wichtigen Transitrouten liegt, weiter ins Zentrum rücken.

Afrika wird zum geopolitischen Spielfeld

Das Gipfeltreffen in Washington zeigt, dass Afrika – und insbesondere Westafrika – erneut in den Fokus der Großmächte rückt. Präsident Trump signalisiert mit seiner Initiative nicht nur wirtschaftliches Interesse, sondern auch eine klare strategische Neuausrichtung der US-Außenpolitik, weg von Hilfszahlungen, hin zu marktorientierter Rohstoffsicherung.

Für Mauretanien bietet sich eine neue Chance, sich zwischen den Interessen der USA, Chinas, Russlands – und Marokkos – als stabiler Partner zu behaupten und das Beste für sich herauszuholen. Ob daraus eine echte strategische Unabhängigkeit oder neue Abhängigkeiten entstehen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

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