Anlässlich des Fastenbrechens und des 70. Unabhängigkeitstages setzt das tunesische Staatsoberhaupt ein Zeichen der Amnestie.
Tunis – Zum Ende des Ramadan 2026 hat der tunesische Präsident Kais Saïed eine umfassende Begnadigungswelle eingeleitet. Wie die staatliche Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf ein Kommuniqué des Präsidialamtes in Karthago am 17. März mitteilte, profitieren insgesamt mehr als 2.700 Personen von dieser Entscheidung. Der Anlass ist in diesem Jahr zweifach bedeutend: Neben dem religiösen Fest Eid Al-Fitr begeht Tunesien am 20. März den 70. Jahrestag seiner Unabhängigkeit.
Sofortige Freilassungen und Strafmilderungen
Die präsidiale Maßnahme gliedert sich in verschiedene Stufen der Haftentlastung. Laut TAP-Bericht wurde für 1.473 Inhaftierte die sofortige Freilassung angeordnet. Weitere 835 Personen erhielten einen spürbaren Nachlass ihrer verbleibenden Haftzeit. Parallel dazu gab das Staatsoberhaupt Anweisung, 416 weiteren Häftlingen den Übergang in die bedingte Haftentlassung zu ermöglichen, um deren soziale Reintegration zu fördern.
Gesellschaftlicher Kontext und Tradition
Im Vergleich zu den Nachbarstaaten Marokko und Algerien fällt die Zahl der Begnadigten in Tunesien in diesem Jahr besonders hoch aus. Die Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund einer anhaltenden Debatte über die Überfüllung tunesischer Haftanstalten und die angespannte sozioökonomische Lage im Land.
Mit diesem Akt der Gnade knüpft Präsident Saïed an die staatliche Tradition an, bedeutende nationale und religiöse Meilensteine für Justizkorrekturen zu nutzen. Während die Amnestie vielen Familien eine Zusammenführung zum Fest ermöglicht, bleibt die tunesische Führung bei der Auswahl der Delikte – ähnlich wie die Nachbarländer – auf den Bereich des Gemeinrechts fokussiert, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.

