StartGesellschaftMarokko – Winterliche Niederschläge lassen nationale Wasserreserven deutlich steigen

Marokko – Winterliche Niederschläge lassen nationale Wasserreserven deutlich steigen

Landwirtschaft im Osten schöpft neue Hoffnung

Regen und Schnee entspannen die Wasserlage nach Jahren der Dürre und wirken sich positiv auf Landwirtschaft und Tourismus aus.

Rabat – Nach einer langen Phase ausgeprägter Wasserknappheit erlebt Marokko zu Beginn des Jahres 2026 eine spürbare Entlastung seiner Wasserressourcen. Intensive Regen- und Schneefälle in mehreren Landesteilen haben die Stauseen deutlich gefüllt und die hydrologische Lage in vielen Regionen stabilisiert. Die Entwicklung gilt als wichtiger Wendepunkt – nicht nur für die Trinkwasserversorgung, sondern auch für zentrale Wirtschaftsbereiche wie Landwirtschaft und Tourismus.

Zehn Staudämme melden vollständige Auslastung

Nach Angaben des marokkanischen Ministeriums für Ausrüstung und Wasser vom 11. Januar 2026 haben mindestens zehn Staudämme ihre maximale Kapazität erreicht. In mehreren Flussbecken liegen die Füllstände bei 100 Prozent – ein Niveau, das seit Jahren nicht mehr verzeichnet wurde.

Besonders hervorzuheben ist das Bouregreg-Becken: Der Staudamm Sidi-Mohammed-Ben-Abdellah, mit einem Speichervolumen von über 974 Millionen Kubikmetern einer der größten des Landes, ist vollständig gefüllt. Um Überläufe zu vermeiden, wurde überschüssiges Wasser in benachbarte Speicher umgeleitet. Auch im Norden des Landes zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Im Loukkos-Becken hat der Oued-El-Makhazine-Staudamm mit mehr als 672 Millionen Kubikmetern seine Kapazitätsgrenze erreicht, nachdem der Füllstand im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch bei rund 73 Prozent gelegen hatte. Im Süden verzeichnete der Aoulouz-Staudamm im Souss-Massa-Becken einen Anstieg von 35 Prozent auf vollständige Auslastung.

Landwirtschaft im Osten schöpft neue Hoffnung

Die positiven Effekte der Niederschläge zeigen sich auch in der Landwirtschaft, insbesondere in der Präfektur Oujda-Angad im Osten Marokkos. Dort haben Regen und Schneefälle zu einem entscheidenden Zeitpunkt der Anbausaison eingesetzt. Neben dem Regen spielt vor allem der Schnee eine wichtige Rolle, da er den Boden über einen längeren Zeitraum mit Feuchtigkeit versorgt.

Saïd Laknani, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer der Region Oriental, erklärte laut Le360, dass diese Wetterlage für die überwiegend regenabhängige Landwirtschaft von zentraler Bedeutung sei. Kulturen wie Gerste, Weizen und Hafer könnten nach mehreren Dürrejahren wieder unter besseren Bedingungen ausgesät werden. Auch Olivenbäume profitierten deutlich: Landwirte berichten von einer höheren Ölausbeute in der aktuellen Saison, was auf die verbesserte Wasserversorgung zurückgeführt wird. Nach sieben aufeinanderfolgenden Trockenjahren herrscht in den ländlichen Gebieten vorsichtiger Optimismus – verbunden mit der Hoffnung auf anhaltende Niederschläge.

Wiederbelebte Wasserfälle fördern den Tourismus

Neben der Landwirtschaft profitiert auch der Tourismussektor von der Rückkehr des Wassers. Im Hinterland von Agadir sind die Wasserfälle von Imouzzer Ida-Outanane nach rund vier Jahren Trockenheit wieder aktiv. Die wiedererwachten Landschaften ziehen verstärkt in- und ausländische Besucher an und sorgen für zusätzliche Einnahmen in der Region Souss-Massa.

Gleichzeitig verweisen Besucher auf bestehende infrastrukturelle Schwächen, etwa schmale und durch Regen beanspruchte Zufahrtsstraßen. Dennoch gilt die aktuelle Entwicklung als Beleg dafür, wie eng ökologische Bedingungen und wirtschaftliche Stabilität miteinander verknüpft sind. Die jüngsten Niederschläge verschaffen Marokko kurzfristig Luft – langfristig bleibt ein nachhaltiges Wassermanagement ein zentrales politisches und ökonomisches Thema.

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