Das marokkanische Statistikamt HCP hat seine Erhebungsmethode grundlegend modernisiert und an internationale Standards angepasst. Die ersten Ergebnisse für das erste Quartal 2026 zeigen eine offizielle Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent – legen aber auch eine hohe Unterauslastung offen.
Rabat – Das marokkanische Statistikamt Haut-Commissariat au Plan (HCP) hat im ersten Quartal 2026 die neue Arbeitskräfteerhebung „EMO2026“ eingeführt. Die Erhebung ersetzt die bisherige nationale Beschäftigungsumfrage und basiert erstmals vollständig auf den modernisierten Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Durch eine Ausweitung der Stichprobe auf 135.000 Haushalte und eine Aktualisierung auf Basis des Zensus von 2024 soll die Datenqualität, insbesondere auf regionaler Ebene, signifikant erhöht werden.
Anzahl der erwerbstätigen bevolkerung sindk auf 11,6 Millionen
Mit der Umstellung geht eine deutliche Verschärfung der Definitionen einher. Als erwerbstätig gelten fortan nur noch Personen, die eine Arbeit gegen Entgelt oder mit direkter Gewinnerzielungsabsicht ausüben; die reine Eigenversorgung wurde herausgerechnet. Demnach zählten im ersten Quartal von den 27,8 Millionen Marokkanern im erwerbstätigen Alter lediglich 11,6 Millionen zur aktiven Erwerbsbevölkerung. Unter den verschärften Kriterien der strikten Arbeitslosigkeit (keine Beschäftigung, aktive Suche, sofortige Verfügbarkeit) lag die nationale Quote bei 10,8 Prozent, was rund 1,25 Millionen Betroffenen entspricht. Während in den Städten eine Quote von 13,5 Prozent registriert wurde, lag sie im ländlichen Raum bei 6,1 Prozent.
Erstmals erfasst das HCP zudem systematisch die sogenannte Unterauslastung der Arbeitskräfte, die neben der strikten Arbeitslosigkeit auch Unterbeschäftigung und potenzielle Arbeitskräfte umfasst. Dieser zusammengesetzte Indikator liegt landesweit bei besorgniserregenden 22,5 Prozent und erreicht in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen sogar 45,3 Prozent. Nahezu jeder zweite junge Marokkaner befindet sich damit in einer Form der Unterauslastung auf dem Arbeitsmarkt.
Mehr zu den politischen Hintergründen, den regionalen Unterschieden und den Folgen für die anstehenden Parlamentswahlen lesen Sie in unserer ausführlichen Analyse:
Marokko – Warum der neue Arbeitsmarktbericht ein tiefsitzendes Strukturproblem offenlegt

