StartMarokkoMarokko – Arbeitsmarkt Q2/2025: Leichte Entspannung bei anhaltend hoher struktureller Arbeitslosigkeit

Marokko – Arbeitsmarkt Q2/2025: Leichte Entspannung bei anhaltend hoher struktureller Arbeitslosigkeit

Nationale Arbeitslosenquote sinkt leicht auf 12,8 Prozent – doch regionale und soziale Ungleichgewichte bleiben gravierend.

Rabat – Laut der Hohen Kommission für Planung (HCP) lag die Arbeitslosenquote in Marokko im zweiten Quartal 2025 bei 12,8 %, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch 13,1 % betragen hatte. In städtischen Gebieten sank sie von 16,7 % auf 16,4 %, in ländlichen Regionen von 6,7 % auf 6,2 %.

Besonders betroffen bleiben junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren mit einer Arbeitslosenquote von 35,8 %, Hochschulabsolventen (19 %)
und Frauen (19,9 %) – deutlich über dem nationalen Durchschnitt.

Regionale Unterschiede bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

Die landesweite Zahl der Erwerbstätigen ab 15 Jahren konzentriert sich stark auf fünf Regionen, die zusammen 72,3 % der Beschäftigten stellen. Führend ist die Region Casablanca-Settat mit 22,2 %, gefolgt von Rabat-Salé-Kénitra (13,6 %), Marrakech-Safi (13,0 %), Fés-Meknès (11,8 %) und Tanger-Tétouan-Al Hoceima (11,7 %).

Auch bei der Arbeitslosigkeit ist die Konzentration hoch: 72,3 % der Arbeitslosen leben ebenfalls in diesen fünf Regionen. Casablanca-Settat führt mit 25,5 % aller Arbeitslosen, vor Fés-Meknès (14,8 %) und Rabat-Salé-Kénitra (13,1 %). Regional besonders hoch sind die Arbeitslosenquoten im Süden (25,7 %) und im Osten (21,1 %) – beides deutlich über dem Landesdurchschnitt.

Stadtgewinne trotz Belastung im Agrarsektor

Zwischen dem zweiten Quartal 2024 und Q2/2025 wurden laut HCP landesweit netto rund 6.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Diese Zahl ergibt sich aus einem Plus von 113.000 Stellen in städtischen Gebieten und einem Minus von 107.000 Stellen auf dem Land.

Hauptverantwortlich für den Rückgang auf dem Land ist der Sektor Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei, der 108.000 Arbeitsplätze einbüßte – ein Rückgang, der auf die anhaltende Dürre zurückgeführt sein soll.

Gleichzeitig konnten andere Sektoren neue Arbeitsplätze generieren:

  • Baugewerbe: +74.000
  • Dienstleistungssektor: +35.000
  • Industrie: +2.000

Die Nettobilanz von 132.000 bezahlten neuen Arbeitsplätzen wurde jedoch durch den Verlust von 126.000 unbezahlten Arbeitsverhältnissen geschmälert.

Unterbeschäftigung nimmt weiter zu

Neben der offiziellen Arbeitslosigkeit stieg auch die sog. Unterbeschäftigung: Die Zahl der unterbeschäftigten Personen erhöhte sich landesweit von 1.042.000 auf 1.147.000. Besonders in städtischen Gebieten war ein Anstieg von 552.000 auf 635.000 zu verzeichnen.

Damit liegt die Unterbeschäftigungsquote nun bei 10,6 % landesweit (Vorjahr: 9,6 %), in ländlichen Gebieten bei 12,4 %, in städtischen Regionen bei 9,4 %. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass viele Menschen zwar einer Tätigkeit nachgehen, diese aber entweder zu wenig Arbeitsstunden umfasst oder nicht ihrer Qualifikation entspricht.

Stabilisierung mit klaren Schwachstellen

Die leichte Entspannung am Arbeitsmarkt darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich strukturelle Probleme weiter verschärfen. Während urbane Regionen neue Jobs generieren, kämpfen ländliche Räume mit dem Verlust von Arbeitsplätzen, insbesondere im Agrarsektor. Auch bleibt die Situation für junge Menschen, Frauen und Akademiker angespannt.

Die regionalen Disparitäten in Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten zeigen, dass es gezielter Maßnahmen bedarf – sowohl für wirtschaftlich schwache Regionen als auch für besonders belastete Bevölkerungsgruppen. Eine nachhaltige Stabilisierung des marokkanischen Arbeitsmarkts wird ohne strukturelle Reformen kaum zu erreichen sein.

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