Wieder fordern schwere Reisebusunglücke zahlreiche Opfer. Die jüngsten Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die anhaltenden Mängel in der Verkehrssicherheit und die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen.
Algier – Ein Wochenende voller Trauer hat den nordafrikanischen Staat Algerien erschüttert. Innerhalb von nur 24 Stunden ereigneten sich zwei schwere Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Reisebussen, die eine hohe Zahl an Toten und Verletzten forderten. Die Ereignisse offenbaren erneut die gravierenden Sicherheitsmängel im öffentlichen Personenverkehr des Landes und rufen berechtigte Fragen zur Nachhaltigkeit der staatlichen Bemühungen um mehr Verkehrssicherheit auf.
Tragische Vorfälle in Béni Abbès und Skikda
Der erste und verheerendste Zwischenfall ereignete sich am Samstag, dem 6. Dezember, auf der Nationalstraße 50 (RN 50) in der Gemeinde Tabelbella, Wilaya Béni Abbès. Ein Reisebus kam dort auf der Strecke Bechar-Tindouf ins Schleudern und kippte um. Laut Angaben der Nationalgendarmerie, auf die sich die staatliche Nachrichtenagentur APS beruft, forderte dieses Unglück 14 Menschenleben und verletzte 35 Personen.
Die Trauer über die Katastrophe war noch nicht abgeklungen, als sich am Sonntag, dem 7. Dezember, ein weiterer schwerer Unfall ereignete. Auf der Ost-West-Autobahn in der Provinz Skikda, nahe El Harrouch, kollidierte ein Reisebus mit einem Personenkraftwagen. Der Zivilschutz meldete, dass dabei eine 77-jährige Frau ums Leben kam und 16 weitere Insassen verletzt wurden. Insgesamt verzeichnete Algerien somit an einem einzigen Wochenende 15 Verkehrstote und über 50 Verletzte im Reisebusverkehr.
Kritik an Fahrverhalten und Geschwindigkeitsüberschreitungen
Im Zentrum der Aufarbeitung steht das Fehlverhalten der Fahrer. Minister für Inneres und Verkehr, Saïd Sayoud, lieferte laut Berichten erschreckende Details zum Unfall in Béni Abbès. Er teilte mit, der verunglückte Reisebus sei mit über 140 km/h unterwegs gewesen, bevor er ins Schleudern geriet. Auf algerischen Nationalstraßen gilt für diese Fahrzeugklasse jedoch eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Diese eklatante Missachtung der Verkehrsregeln, die auf überlasteten Straßen eine ständige Gefahr darstellt, wird als zentrale Ursache für die Tragödie betrachtet. Sayoud betonte die Notwendigkeit einer gründlichen Untersuchung und appellierte an die Fahrer, „Vorsicht walten zu lassen, überhöhte Geschwindigkeit zu vermeiden und nicht rücksichtslos zu fahren“, um das Leben der Bürger zu schützen. Solche Appelle stehen jedoch im Kontrast zur offensichtlichen und andauernden Krise der Verkehrssicherheit.
Offizielle Reaktionen und militärische Unterstützung
Die Schwere der Vorfälle veranlasste Staatspräsident Abdelmadjid Tebboune zu umgehenden Anweisungen. Die Regierungsdelegation, bestehend aus Minister Saïd Sayoud und Gesundheitsminister Mohamed Seddik Aït Messaoudene, reiste in die betroffene Region, um sich vor Ort über die Maßnahmen zu informieren und den Hinterbliebenen Beileid auszusprechen. Die Minister besuchten Verletzte in den Krankenhäusern von Bechar und Tabelbella und nahmen an der Beisetzung von sechs Opfern teil.
Das algerische Verteidigungsministerium reagierte ebenfalls schnell. Da sich unter den Opfern in Béni Abbès zwei Militärangehörige befanden, wurden auf Anweisung von General Saïd Chanegriha zehn Schwerverletzte – sechs Soldaten und vier Zivilisten – zur spezialisierten medizinischen Versorgung in das Zentrale Armeekrankenhaus Aïn Naadja in Algier evakuiert. Diese logistische Unterstützung unterstreicht die Dringlichkeit der Lage. Trotz des schnellen Eingreifens des Staates in der Akutphase bleiben die strukturellen Probleme im algerischen Reisebusverkehr, die regelmäßig zu solchen Massenunglücken führen, weiterhin ungelöst.
Algerien – Busunglück in Oued El Harrach offenbart gravierende Sicherheitsmängel

