StartAlgerienAlgerien – Euro klettert am Schwarzmarkt auf historischen Höchststand von 280 Dinar

Algerien – Euro klettert am Schwarzmarkt auf historischen Höchststand von 280 Dinar

Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage treibt die Kurse

Die Schere zwischen dem offiziellen Bankenkurs und dem realen Handelswert am „Square Port-Saïd“ weitet sich massiv aus – Hintergründe zur Dynamik der Parallelwährung und dem Kaufkraftverlust.

Algier – In Algerien hat sich die Währungssituation in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. Wie algerische Medien unter Berufung auf Marktbeobachter berichten, erreichte der Euro am Samstag, dem 22. November 2025, auf dem informellen Devisenmarkt / Schwarzmarkt einen neuen historischen Höchstwert. Dieser Anstieg verdeutlicht nicht nur die Volatilität des algerischen Dinars (DZD), sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die strukturellen Diskrepanzen zwischen der staatlich regulierten Geldpolitik und der ökonomischen Realität auf der Straße.

Rapider Wertverlust binnen weniger Wochen

Am zentralen Umschlagplatz für den Devisenhandel in Algier, dem sogenannten „Square Port-Saïd“, wurde die europäische Gemeinschaftswährung zuletzt für 280 Dinar pro Euro gehandelt. Für den Erwerb einer 100-Euro-Note müssen Bürger demnach 28.000 Dinar aufbringen. Um die Dimension dieses Wechselkurses einzuordnen, lohnt ein Blick auf die Einkommensstrukturen: Der garantierte monatliche Mindestlohn in Algerien liegt bei 20.000 Dinar. Damit übersteigt der Gegenwert von 100 Euro bereits ein komplettes monatliches Mindesteinkommen.

Die Geschwindigkeit des Wertverfalls ist dabei bemerkenswert. Laut Berichten von TSA Algérie und Algérie360 notierte der Euro noch am 9. Dezember 2024 bei 262 Dinar. Seit Ende Oktober, als der Kurs noch bei rund 269,7 Dinar lag, legte der Euro innerhalb weniger Wochen um mehr als 10 Dinar zu. Sollte diese Dynamik anhalten, prognostizieren Analysten, dass die Marke von 290 Dinar noch vor dem Jahreswechsel durchbrochen werden könnte.

Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage treibt die Kurse

Die Ursachen für diesen Preisanstieg sind vielschichtig, lassen sich jedoch primär auf ein klassisches Marktungleichgewicht zurückführen. Während das Angebot an Devisen auf dem Schwarzmarkt stagniert oder Marktteilnehmer ihre Bestände in Erwartung weiter steigender Kurse zurückhalten, wächst die Nachfrage kontinuierlich.

Zu den Hauptakteuren auf der Käuferseite zählen Importeure, die aufgrund bürokratischer Hürden oder fehlender Zuteilungen durch die Zentralbank auf den Parallelmarkt ausweichen müssen, um Waren aus dem Ausland zu bezahlen. Hinzu kommen algerische Bürger, die Devisen für Auslandsreisen, medizinische Behandlungen oder den Kauf von Fahrzeugen benötigen. Da die staatliche „Allocation Touristique“ (Reisedevisenzuteilung) für die meisten Bürger nicht ausreicht, bleibt der „Square“ oft die einzige Alternative. Auch saisonale Effekte, wie bevorstehende Feiertage, verstärken den Druck auf die Nachfrage.

Staatliche Stabilität steht gegen Marktrealität

Ein Blick auf die offiziellen Zahlen der algerischen Zentralbank offenbart die Zweiteilung des Finanzsystems. Während auf dem Schwarzmarkt Rekorde gebrochen werden, blieben die Kurse im formellen Bankensektor stabil. Am Freitag vor dem Rekordwochenende notierte der Euro offiziell bei 150,67 Dinar und der US-Dollar bei 130,48 Dinar.

Diese enorme Diskrepanz von fast 130 Dinar pro Euro zwischen offiziellem und inoffiziellem Kurs resultiert aus der fehlenden freien Konvertibilität des Dinars und strengen Kapitalkontrollen. Der Staat hält den offiziellen Kurs stabil, um die Kosten für subventionierte Importgüter wie Grundnahrungsmittel nicht explodieren zu lassen. Der Schwarzmarktkurs hingegen fungiert als unregulierter Indikator für die tatsächliche Kaufkraft und das Inflationsvertrauen der Bevölkerung in die eigene Währung. Dass Medien wie TSA regelmäßig und offen über diese illegalen, aber geduldeten Kurse berichten, unterstreicht deren Bedeutung für den realen Wirtschaftsalltag der Menschen.

Auch der US-Dollar nähert sich historischen Marken

Der Abwertungsdruck beschränkt sich nicht allein auf den Euro. Auch der US-Dollar verzeichnete signifikante Zugewinne auf dem Parallelmarkt. Am 22. November stieg der „Greenback“ auf 242 Dinar, was einem Zuwachs von drei Dinar innerhalb von nur zwei Tagen entspricht. Händler am Square Port-Saïd quotierten den Ankauf von 100 US-Dollar zwischen 23.400 und 23.700 Dinar. Damit nähert sich die US-Währung ihrem bisherigen Allzeithoch von 248 Dinar, das im Dezember des Vorjahres markiert wurde.

Die aktuelle Entwicklung am Devisenmarkt dient als Barometer für die wirtschaftliche Stimmung im Land. Die Flucht in „harte Währungen“ wie Euro und Dollar wird von vielen Algeriern als notwendige Maßnahme zur Wertsicherung ihrer Ersparnisse betrachtet, da das Vertrauen in die Stabilität der lokalen Währung angesichts der anhaltenden Diskrepanzen weiter erodiert.

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