Historische Tonaufnahmen initiieren eine Kooperation zwischen Rabat und Berlin, die 2026 durch ein umfassendes Abkommen über Bildung und Konservierung besiegelt werden soll.
Rabat – Die kulturelle Brücke zwischen Nordafrika und Europa soll gefestigt werden. In der marokkanischen Hauptstadt Rabat haben sich Vertreter der marokkanischen Stiftung Nationales Museum (FNM) und der deutschen Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) zu Gesprächen getroffen. Ziel der Zusammenkunft, die am vergangenen Mittwoch und Donnerstag stattfand, war die Ausarbeitung einer strategischen Partnerschaft, die beide Institutionen langfristig verbinden soll. Initiiert wurde dieser diplomatische Vorstoß im Kulturbereich durch das Goethe-Institut Marokko, das ebenfalls seinen Sitz in Rabat hat.
Historisches Erbe als Fundament für moderne Zusammenarbeit
Der Ursprung dieser Annäherung liegt in den Archiven Berlins. Historische Tonaufnahmen marokkanischen Ursprungs, die auf Wachszylindern im Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums Berlin lagern, bildeten den thematischen Ausgangspunkt für den Dialog. Bereits im Mai und Juni dieses Jahres fanden erste Austauschrunden in Rabat und Berlin statt.
Laut einer gemeinsamen Erklärung der beteiligten Institutionen, die über die marokkanische – staatliche Nachrichtenagentur MAP verbreitet wurde, sind die ersten Ergebnisse dieser historischen Aufarbeitung bereits greifbar. So wurde im Mai eine Hörsession mit einem marokkanischen Musikexperten durchgeführt. Diese Rückbesinnung auf das gemeinsame, wenn auch physisch getrennte kulturelle Erbe, fungiert nun als Katalysator für zukunftsgerichtete Projekte.
Drei Säulen definieren den künftigen Wissens- und Ausstellungsaustausch
Die geplante Kooperation geht weit über die bloße Verwaltung von Archivalien hinaus. Im Zentrum der aktuellen Arbeitssitzung stand die Finalisierung einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding), die auf drei wesentlichen Säulen basiert:
- Bildung und Ausbildung: Ein bereits durchgeführter Workshop mit Museumsvermittlern aus beiden Ländern markierte den Startschuss für diesen Bereich. Der Fokus liegt auf dem Austausch von Methoden in der Museumspädagogik.
- Wissenschaftlicher Austausch: Hierbei steht insbesondere die Konservierung von Exponaten im Mittelpunkt, um den Erhalt von Kulturgütern durch geteiltes Fachwissen zu sichern.
- Kuratierte Ausstellungen: Beide Stiftungen planen, künftig Ausstellungen gemeinsam zu entwickeln und zu präsentieren.
Dieser strukturierte Austausch soll die Museumslandschaften beider Länder stärker vernetzen und „konkrete Wege der Zusammenarbeit“ eröffnen, wie es in der Mitteilung heißt.
Offizielle Besiegelung der Partnerschaft für Anfang 2026 geplant
Der jüngste Besuch der SPK-Delegation diente maßgeblich der Vorbereitung eines hochrangigen Treffens im kommenden Jahr. Vom 14. bis 17. Januar 2026 wird Marion Ackermann, die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu einem offiziellen Besuch in Marokko erwartet. In diesem Rahmen soll die Absichtserklärung unterzeichnet werden.
Die Verantwortlichen betonen den Wunsch, eine „nachhaltige und innovative Partnerschaft“ zu etablieren. Das bevorstehende Abkommen soll den Weg für ambitionierte Projekte ebnen, die in den kommenden Jahren die kulturelle Dynamik zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Marokko prägen dürften. Die Kooperation verdeutlicht, wie historische Artefakte – in diesem Fall alte Tonaufnahmen – nicht nur Geschichte konservieren, sondern auch neue diplomatische und kulturelle Beziehungen im 21. Jahrhundert stiften können.

