StartMarokkoMarokko – Weltbank wirbt in Rabat für mehr Frauenbeteiligung als Wachstumstreiber

Marokko – Weltbank wirbt in Rabat für mehr Frauenbeteiligung als Wachstumstreiber

Wirtschaftliche Teilhabe von Frauen als Wachstumshebel

Regionalbericht für den Nahen Osten, Nordafrika, Afghanistan und Pakistan betont ökonomische Chancen durch Gleichstellung – Marokko will Rolle von Frauen in Wirtschaftspolitik stärken

Rabat – In Rabat hat die Weltbank am 11. November 2025 ihren jüngsten Wirtschaftsbericht für die MENAAP-Region vorgestellt. Unter dem Titel „Jobs and Women: Untapped Talent, Unrealized Growth“ (Oktober 2025) analysiert das Dokument die wirtschaftlichen Aussichten der Region und richtet besonderes Augenmerk auf die geringe Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt.

Laut dem Bericht, der auf offizieller Weltbank-Webseite veröffentlicht wurde (openknowledge.worldbank.org), bleibt das Beschäftigungspotenzial von Frauen in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas „eine der am wenigsten genutzten Wachstumsquellen weltweit“.

Wirtschaftliche Teilhabe von Frauen als Wachstumshebel

Die Weltbank nennt strukturelle, soziale und rechtliche Barrieren als Hauptursachen für die niedrige Erwerbsbeteiligung. Mit durchschnittlich 25 Prozent weiblicher Beschäftigten liegt die MENAAP-Region deutlich unter dem globalen Durchschnitt vergleichbarer Länder (etwa 40 Prozent).

Der Bericht betont, dass das Schließen dieser Lücke das Wirtschaftswachstum erheblich beschleunigen könnte: Simulationen zufolge würde die Beseitigung von geschlechtsspezifischen Verzerrungen das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um bis zu 28 Prozent in Ägypten und 25 Prozent in Pakistan steigern.

Diese Zahlen, so die Weltbank, verdeutlichen, dass die Förderung der Frauenbeschäftigung nicht nur eine Frage sozialer Gerechtigkeit, sondern eine strategische wirtschaftliche Entscheidung ist.

Marokkos Ministerin Fettah – Gleichstellung als wirtschaftliche Priorität

Bei der Präsentation in Rabat erklärte Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Fettah, die Beschäftigung von Frauen müsse „im Zentrum der nationalen Wirtschafts- und Finanzpolitik“ stehen. Sie verband diese Forderung mit den vier Säulen des Finanzgesetzes 2025, das ein Wachstum von 4,8 Prozent in diesem Jahr und eine Prognose von 4,6 Prozent für 2026 vorsieht.

Fettah hob hervor, dass ein nachhaltiges „Marokko des gleichmäßigen Fortschritts“ nur mit einer aktiveren Rolle von Frauen in allen Wirtschaftssektoren erreichbar sei. Zu den bisherigen Fortschritten zählen laut Ministerium geschlechtersensible Haushaltsplanung, Programme zur finanziellen Inklusion sowie Initiativen im Vorschul- und Bildungsbereich.

Empfehlungen – Von Rechtsreformen bis zu Infrastruktur

Die Weltbank empfiehlt in ihrem Bericht einen integrierten Ansatz, um die Rahmenbedingungen für Frauen im Berufsleben zu verbessern. Dazu zählen laut dem offiziellen Dokument:

  • Reform von Gesetzen und Normen, die Frauen den Zugang zu Beschäftigung erschweren,
  • Kinderbetreuungseinrichtungen und sichere Verkehrsanbindungen,
  • Schutz vor Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz,
  • gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit,
  • sowie die Förderung weiblichen Unternehmertums und flexible Arbeitsmodelle.

Laut Roberta Gatti, Chefökonomin der Weltbank für die MENAAP-Region, bleibt die Einbeziehung von Frauen „eine notwendige Bedingung, um die Region demografisch und ökonomisch zukunftsfähig zu machen“. Bis 2050 werde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in der Region um 40 Prozent steigen, während die Geburtenrate sinke – ein Trend, der soziale Systeme zusätzlich belasten könne.

Reformen brauchen Zeit und politischen Willen

Dr. Mary Kawar, Regionaldirektorin des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP), unterstrich die Bedeutung langfristiger Strategien. Am Beispiel Jordaniens erläuterte sie, dass die Einführung eines modernen Elternzeit- und Betreuungssystems ein Jahrzehnt intensiver Zusammenarbeit zwischen Regierung, Parlament und Zivilgesellschaft erforderte.

Kawar betonte laut der marokanisch-staatlichen Nachreichtenagentur MAP, dass Entwicklung „kohärente, über Jahre hinweg verfolgte Maßnahmen“ verlange, um strukturelle Barrieren in Familienpolitik, Arbeitsrecht und öffentlicher Infrastruktur abzubauen.

Rabat als Plattform für regionale Debatte

Die Veranstaltung markierte das erste Mal, dass die Weltbank ihren MENAAP-Flaggschiffbericht in Marokko präsentierte – ein Zeichen für die wachsende Bedeutung des Landes in der wirtschaftspolitischen Diskussion der Region.

Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten Wege, wie das Humankapital von Frauen gezielt mobilisiert werden kann, um Innovation und Produktivität zu stärken.

Die Botschaft der Weltbank ist eindeutig: Mehr Gleichstellung bedeutet mehr Wachstum. Die Herausforderung für die Länder der Region – darunter auch Marokko – besteht nun darin, die Empfehlungen des Berichts in konkrete nationale Strategien zu überführen.

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