Washington begründet den Schritt mit Engpässen bei der Düngemittelversorgung. Marokkos OCP könnte nach Jahren der Handelsbeschränkungen wieder leichter auf den US-Markt zurückkehren.
Washinton – Die Vereinigten Staaten (USA) haben bestimmte Antidumping- und Ausgleichszölle auf Phosphatdünger aus Marokko vorübergehend ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump begründete die am 29. Juni verkündete Entscheidung mit einer Notlage bei der Versorgung der amerikanischen Landwirtschaft. Die Aussetzung gilt für zunächst acht Monate oder bis zur Aufhebung des erklärten Ausnahmezustands.
Nach Angaben des Weißen Hauses haben Konflikte in wichtigen Produktionsregionen sowie Handelsbeschränkungen die weltweiten Lieferketten für Phosphatdünger und deren Vorprodukte erheblich beeinträchtigt. Gleichzeitig reiche die heimische Produktion in den USA derzeit nicht aus, um den Bedarf der Landwirtschaft vollständig zu decken. Deshalb solle der Zugang zu Importen aus verlässlichen Lieferländern erleichtert werden.
Von der Entscheidung profitiert insbesondere der marokkanische Phosphatkonzern OCP. Gegen dessen Düngemittelexporte hatten die USA seit 2021 Ausgleichs- und Antidumpingzölle erhoben, nachdem der amerikanische Hersteller Mosaic Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Subventionen geltend gemacht hatte. Die nun beschlossene Aussetzung ermöglicht OCP vorübergehend die Rückkehr auf einen der weltweit wichtigsten Absatzmärkte für Phosphatdünger.
Nach Angaben des marokkanischen Nachrichtenmagazins TelQuel begrüßt OCP die Entscheidung als Anerkennung der Bedeutung marokkanischer Phosphatdünger für die globale Ernährungssicherheit. Auch der marokkanische Botschafter in Washington, Youssef Amrani, verwies in sozialen Netzwerken auf die Mitteilung des Weißen Hauses.
Versorgungssicherheit steht im Mittelpunkt
Die US-Regierung betont, dass die Maßnahme vor allem der Stabilisierung der Lebensmittelproduktion dienen soll. Landwirte benötigten einen verlässlichen Zugang zu Düngemitteln, um Ernteausfälle und steigende Produktionskosten zu vermeiden. Parallel arbeite Washington daran, die heimische Düngemittelproduktion auszubauen. Bis diese Kapazitäten verfügbar seien, bleibe das Land jedoch auf zusätzliche Importe angewiesen.
Die Entscheidung unterstreicht zugleich die wachsende Bedeutung Marokkos als internationaler Lieferant von Phosphat und Phosphatdüngern. Das Königreich verfügt über die größten bekannten Phosphatreserven der Welt und zählt zu den wichtigsten Exporteuren dieses für die Landwirtschaft unverzichtbaren Rohstoffs. Ob die nun gewährte Zollaussetzung über den zunächst vorgesehenen Zeitraum hinaus verlängert wird, hängt nach Angaben der US-Regierung von der weiteren Entwicklung der Versorgungslage ab.

