StartMarokkoMarokko - Südafrikas Ex-Präsident Zuma befürwortet marokkanischen Westsahara-Autonomieplan

Marokko – Südafrikas Ex-Präsident Zuma befürwortet marokkanischen Westsahara-Autonomieplan

Südafrikas offizielle Haltung zur Westsahara belibt unverändert.

Marokkos Außenminister Nasser Bourita empfängt Jacob Zuma, dessen gegründete Partei eine neue Haltung zur Westsahara-Frage einnimmt und damit die traditionelle südafrikanische Linie herausfordert.

Rabat/Pretoria – Ein jüngstes Treffen in Rabat hat die Aufmerksamkeit auf die komplexen Beziehungen zwischen Marokko und Südafrika sowie auf die langjährige Westsahara-Frage / marokkanische Sahara gelenkt. Am gestrigen 15. Juli 2025 empfing der marokkanische Außenminister Nasser Bourita den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, der nun Vorsitzender der Partei Umkhonto weSizwe (MK) ist. Im Anschluss an die Gespräche äußerte Zuma Positionen, die eine deutliche Abkehr von der traditionellen Haltung Südafrikas in der Westsahara-Frage darstellen und für Diskussionen sorgen.

Zumas neue Position und die MK-Partei

Laut einer Presseerklärung, die von der marokkanisch-staatlichen Nachrichtenagentur MAP veröffentlicht wurde, beschrieb Jacob Zuma, dass seine MK-Partei den marokkanischen Autonomievorschlag als „sinnvolle lokale Regierungsführung durch die Bevölkerung der Sahara-Region“ betrachte, die gleichzeitig „die Souveränität Marokkos über die Sahara garantieren wird.“ Zuma fügte hinzu, die MK-Partei erkenne den „historischen und rechtlichen Kontext“ an, der Marokkos Anspruch auf die Sahara untermauere, und glaube, dass Marokkos Bemühungen zur Wiedererlangung seiner territorialen Integrität mit dem Engagement der MK-Partei zur Wahrung der Souveränität und Einheit afrikanischer Staaten im Einklang stünden.

Er anerkannte die „wachsende internationale und kontinentale Unterstützung“ für den marokkanischen Autonomievorschlag und rief die internationale Gemeinschaft auf, diesen als „wirksames Mittel zur Gewährleistung von Frieden, Stabilität und Wohlstand für das Volk der Sahara“ zu unterstützen. Diese Haltung ist Teil der politischen Position der MK-Partei, die in einem kürzlich veröffentlichten Dokument mit dem Titel „Eine strategische Partnerschaft für afrikanische Einheit, wirtschaftliche Emanzipation und territoriale Integrität: Marokko“ dargelegt wurde. Dieses Dokument bekräftigt, dass die Sahara „vor der spanischen Kolonialisierung Ende des 19. Jahrhunderts Teil Marokkos war“ und erinnert an den Grünen Marsch als „Akt der Entkolonialisierung“.

Jacob Zuma – Eine umstrittene Figur

Jacob Zuma, der von 2009 bis 2018 Präsident Südafrikas war, ist eine in seinem Heimatland umstrittene Persönlichkeit. Er war lange Zeit ein führendes Mitglied des regierenden African National Congress (ANC), wurde jedoch im Juli 2024 aus der Partei ausgeschlossen, nachdem er sich öffentlich für die von ihm geführte uMkhonto weSizwe (MK) Partei eingesetzt hatte. Die MK-Partei, die er im Dezember 2023 ins Leben rief, gilt als politisches Vehikel für Zumas Unzufriedenheit mit dem ANC und hat sich als neue Kraft in der südafrikanischen Politik etabliert. Seine Amtszeit als Präsident war von zahlreichen Korruptionsvorwürfen und Skandalen geprägt, die letztlich zu seinem Rücktritt führten.

Südafrikas offizielle Haltung zur Westsahara bleibt unverändert.

Die Äußerungen Zumas stehen in scharfem Kontrast zur langjährigen offiziellen Außenpolitik Südafrikas, auch unter seiner Führung. Südafrika hat traditionell die Selbstbestimmung des saharauischen Volkes unterstützt und die Sahrawi Arabische Demokratische Republik (SADR), die von der Frente Polisario ausgerufen wurde, anerkannt. Diese Position wurde zuletzt im Oktober 2022 von Präsident Cyril Ramaphosa bekräftigt und auch im Juli 2024 vom neuen Außenminister Südafrikas bestätigt. Während seiner eigenen Amtszeit als Präsident hatte Jacob Zuma diese grundsätzliche Haltung Südafrikas zur Westsahara-Frage nicht verändert, wie er es jetzt augenscheinlich getan haben will.

Der offizielle Empfang Zumas durch den marokkanischen Außenminister Nasser Bourita könnte daher als Versuch Marokkos interpretiert werden, den Eindruck zu vermitteln, Südafrika könnte von seiner traditionellen Unterstützung für die Frente Polisario und seiner Verbundenheit zu Algerien abrücken. Es ist jedoch festzuhalten, dass sich die grundsätzlich ablehnende Haltung Südafrikas gegenüber dem marokkanischen Hoheitsanspruch auf die Westsahara / marokkanische Sahara auf offizieller Ebene bisher nicht geändert hat.

Anlass, Sinn und Zweck der Äußerungen

Der Anlass für Zumas Äußerungen ist sein Treffen mit dem marokkanischen Außenminister, das Marokko nutzte, um die Position der MK-Partei zu verbreiten. Der Sinn und Zweck aus marokkanischer Sicht ist es, die wachsende internationale Unterstützung für seinen Autonomieplan hervorzuheben und die Legitimität seines Anspruchs auf die Westsahara 7 marokkanische Sahara zu stärken. Für die MK-Partei könnte die Positionierung in dieser Frage auch eine Möglichkeit sein, sich auf der afrikanischen Bühne zu profilieren und eine von der ANC-Linie abweichende Außenpolitik zu signalisieren. Die Aussagen sind besonders relevant, da Südafrika als einflussreicher Akteur auf dem afrikanischen Kontinent und innerhalb der Afrikanischen Union gilt, wo die Westsahara-Frage seit Jahrzehnten ein strittiges Thema ist.

Die jüngsten Erklärungen von Jacob Zuma und der MK-Partei zur Westsahara / marokkanischen Sahara stellen eine bemerkenswerte Entwicklung dar, die das Potenzial hat, die Dynamik in der regionalen Auseinandersetzung zu beeinflussen. Während die offizielle südafrikanische Regierungslinie unverändert bleibt, könnten die Äußerungen eines ehemaligen Präsidenten und einer aufstrebenden Partei neue diplomatische Kanäle eröffnen oder zumindest die Debatte innerhalb Südafrikas und auf dem afrikanischen Kontinent neu beleben. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Auswirkungen diese Positionierung auf die Beziehungen zwischen Marokko und Südafrika sowie auf die zukünftige Entwicklung der Westsahara-Frage haben wird.

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