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Marokko – Straßenhunde und die WM 2030: Aufbau von 20 Auffangzentren soll internationale Standards sichern

Drei Zentren bereits operativ und massive Investitionen in die Infrastruktur

Zwischen massiver Tierschutz-Kritik und dem Prestigeprojekt der Fußball-Weltmeisterschaft forciert das Innenministerium ein neues Management-Modell für streunende Tiere, um die öffentliche Sicherheit und das Ansehen des Landes zu wahren.

Rabat – In der marokkanischen Politik gewinnt der Umgang mit herrenlosen Tieren zunehmend an strategischer Bedeutung. Wie Innenminister Abdelouafi Laftit kürzlich bekannt gab, forciert die Regierung den Aufbau einer landesweiten Infrastruktur zur Kontrolle vor allem der streunenden Hundepopulation. Insgesamt 20 spezialisierte Zentren sollen entstehen, um das bisherige Krisenmanagement durch eine strukturierte veterinärmedizinische Strategie zu ersetzen.

Der Tourismus und die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 als Katalysator für gesellschaftliche Standards

Dieser Kurswechsel steht in einem engen Zusammenhang mit der Rolle Marokkos als Co-Gastgeber der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2030 sowie des Ausbaus des Tourismus. In Westeuropa wird der Umgang mit streunenden Tieren oft als Gradmesser für die gesellschaftliche Entwicklung und die Einhaltung ethischer Standards betrachtet. In der Vergangenheit führten Berichte und Vorwürfe über mutmaßliche Massentötungen von Hunden zu heftiger Kritik in internationalen Medien und bei Tierschutzorganisationen, was das Image des Königreichs belastete. Die Professionalisierung des Sektors gilt daher auch als diplomatisches Signal, um westliche Standards in den Bereichen Tierwohl und Hygiene zu erfüllen.

Drei Zentren bereits operativ und massive Investitionen in die Infrastruktur

Der Fortschritt des Programms ist in den urbanen Ballungszentren bereits quantifizierbar. Laut Informationen von TelQuel sind drei Einrichtungen in den Präfekturen Casablanca, Salé und Agadir bereits voll funktionsfähig. Ergänzend dazu wurde in Kénitra ein Pilotprojekt für eine mobile Veterinäreinheit initiiert. In der Provinz Béni Mellal befindet sich zudem ein weiteres Zentrum in Kasbat Tadla im Bau, dessen Fertigstellungsgrad derzeit mit etwa 55 % angegeben wird. Für diese Maßnahmen wurden über die letzten fünf Jahre rund 280 Millionen marokkanische Dirham MAD, ca. 25,82 Mio. €*, bereitgestellt.

Öffentliche Gesundheit und rechtlicher Rahmen im Fokus

Hinter der Initiative steht neben der Imagepflege ein dringender Bedarf im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Die Statistiken verdeutlichen die Problematik: Laut Minister Laftit wurden im Jahr 2024 landesweit über 100.000 Vorfälle registriert, bei denen Menschen durch Tierbisse oder Kratzer verletzt wurden. Besonders besorgniserregend bleibt die Tollwutgefahr, die im selben Jahr 33 Todesopfer in Marokko forderte.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt die Regierung verstärkt auf das TNR-Prinzip (Einfangen, Sterilisieren, Freilassen), das bereits in einem Rahmenabkommen von 2019 verankert wurde. Unterstützt wird dieser Wandel durch das Gesetz Nr. 19.25, das im Juli 2025 verabschiedet wurde. Es soll den rechtlichen Rahmen schaffen, um das Tierwohl und die Sicherheit der Bürger im Hinblick auf das internationale Großereignis 2030 dauerhaft in Einklang zu bringen.

Marokko – Maßnahmen gegen streunende Hunde unter Wahrung des Tierschutzes

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