Umfassende Reformen zur Regionalisierung und eine positive Bilanz der Wasserwirtschaft prägen die jüngste Sitzung des Ministerrats im Königspalast von Rabat unter Leitung von König Mohammed VI.
Rabat – Am Donnerstag, den 9. April 2026, leitete König Mohammed VI. im Palast von Rabat eine Sitzung des Ministerrats. Im Zentrum der Beratungen mit der Regierung von Premierminister Aziz Akhannouch standen laut einer Erklärung des königlichen Kabinetts weitreichende Reformen der territorialen Verwaltung, die Genehmigung internationaler Abkommen sowie ein Sachstandsbericht zur aktuellen landwirtschaftlichen Saison. Das Treffen verdeutlicht die strategische Ausrichtung des Königreichs, wirtschaftliches Wachstum verstärkt auf regionaler Ebene zu verankern.
Günstige Witterung sorgt für Rekordergebnisse in der Landwirtschaft
Zu Beginn der Sitzung informierte der Minister für Landwirtschaft über den Fortschritt der laufenden Anbausaison. Nach einer Phase der Trockenheit verzeichnete das Land ergiebige Regenfälle, die mit einem Jahresdurchschnitt von 520 Millimetern etwa 54 % über dem Mittelwert der letzten dreißig Jahre lagen.
Diese klimatische Entwicklung wirkte sich unmittelbar auf die Wasserreserven aus. Die Stauseen des Landes fassen aktuell rund 12,8 Milliarden Kubikmeter Wasser, was einem Füllstand von 75 % entspricht. Laut dem Ministerium ist damit die Bewässerung für die kommende Saison sowie für Frühjahrs- und Sommerkulturen gesichert. Die Produktionszahlen unterstreichen diesen Trend:
- Oliven: 2 Millionen Tonnen (+111 % zum Vorjahr)
- Zitrusfrüchte: 1,9 Millionen Tonnen (+25 %)
- Datteln: 160.000 Tonnen (+55 %)
Milliardenprogramm für die integrierte territoriale Entwicklung
Ein zentraler Punkt der Tagesordnung war die Vorstellung einer neuen Generation territorialer Entwicklungsprogramme durch den Innenminister. Dieses Großprojekt soll mit einem geschätzten Gesamtbudget von knapp 210 Milliarden marokkanische Dirham MAD (ca. 19,5 Milliarden Euro) über einen Zeitraum von acht Jahren umgesetzt werden.
Der Fokus liegt hierbei auf einem „Bottom-up“-Ansatz. Prioritäten werden auf Basis lokaler Diagnosen in den jeweiligen Präfekturen und Provinzen festgelegt, um den Zugang zu Bildung, Gesundheit und Beschäftigung gezielt zu verbessern. Zur Umsetzung werden die bisherigen regionalen Projektdurchführungsagenturen in Aktiengesellschaften umgewandelt. Ziel ist es, die Flexibilität des Privatsektors mit staatlicher Kontrolle zu verbinden, um die Effizienz der Projektrealisierung zu steigern.
Stärkung der regionalen Autonomie durch institutionelle Reformen
Flankierend zu den Investitionsprogrammen verabschiedete der Rat einen Entwurf zur Änderung des Organgesetzes über die Regionen. Diese Reform zielt darauf ab, die finanzielle Autonomie der Regionen zu stärken, indem die Obergrenze für staatliche Finanztransfers angehoben wird. Damit sollen die Regionen als Hauptmotoren der wirtschaftlichen Entwicklung agieren können.
Zudem unterliegt die Durchführung der Programme einer strengen Rechenschaftspflicht. Jährliche Prüfungen durch die Generalinspektionen für Finanzen und Territorialverwaltung sollen die Transparenz sicherstellen. Eine neu geschaffene digitale Plattform wird zudem Bürgern den Einblick in den Fortschritt der Projekte ermöglichen.
Ausbau des internationalen Netzwerks und strategische Ernennungen
Im Bereich der Außenpolitik billigte der Ministerrat 15 internationale Übereinkommen, darunter elf bilaterale und vier multilaterale Verträge. Diese betreffen unter anderem die Zusammenarbeit mit der Welthandelsorganisation (WTO) sowie Abkommen zur Cybersicherheit und zum Luftverkehr. Auch die militärische Kooperation durch Ausbildung und technischen Austausch wurde durch neue rechtliche Rahmenbedingungen gestärkt.
Abschließend wurden auf Vorschlag des Regierungschefs und Initiative des Gesundheitsministers mehrere strategische Führungspositionen neu besetzt. Hierbei wurden Generaldirektoren für die territorialen Gesundheitsgruppen in Schlüsselregionen wie Casablanca-Settat, Rabat-Salé-Kénitra und Fes-Meknes ernannt, um die Dezentralisierung des Gesundheitswesens weiter voranzutreiben.

