Neue Vereinbarungen zur grünen Stromproduktion und eine anstehende Wasserstoffstrategie sollen Marokkos Industrie und Energiesektor zukunftsfähig machen. Zusätzlich 5 Gigawatt grüner Strom sollen her.
Rabat – In Rabat hat Premierminister Aziz Akhannouch am Anfang des Monats die Unterzeichnung eines neuen Abkommens zur Förderung erneuerbarer Energien geleitet. Ziel ist es, die Bereitstellung von fünf (5) Gigawatt (GW) grüner Elektrizität für die marokkanische Industrie bis 2030 sicherzustellen.
Wie das Magazin TelQuel berichtet, soll die Initiative die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette senken und zugleich eine gerechte Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen dem Nationalen Amt für Elektrizität und Trinkwasser (ONEE) sowie der marokkanischen Agentur für nachhaltige Energie (MASEN) gewährleisten.
Das Abkommen steht im Rahmen des Nationalen Programms für Erneuerbare Energien (PNER) und verfolgt das Ziel, der Energiewende im Land neuen Schwung zu verleihen. Regierungschef Akhannouch bezeichnete die Vereinbarung als Ausdruck einer engeren Kooperation zwischen Regierung, öffentlichen Institutionen und Unternehmen, um eine „souveräne, effiziente und nachhaltige Energiewende“ zu ermöglichen.
52 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 – ein strategisches Ziel
Aktuell machen erneuerbare Energien rund 46 Prozent der installierten Stromkapazität Marokkos aus. Bis 2030 soll dieser Anteil auf mehr als 52 Prozent steigen – ein Ziel, das sich an der Vision von König Mohammed VI. orientiert.
Mit der neuen Vereinbarung verpflichtet sich die Regierung, die Energieversorgung stärker zu diversifizieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter zu verringern.
Die Unterzeichnung erfolgte durch mehrere Minister und leitende Vertreter öffentlicher Einrichtungen, darunter die Finanzministerin, die Ministerin für Energiewende und nachhaltige Entwicklung, der Ministerbeauftragte für den Haushalt sowie die Direktoren von ONEE, MASEN und der Agentur für Strategisches Management staatlicher Beteiligungen (ANGSPE).
Durch diese institutionelle Zusammenarbeit soll die wirtschaftliche Stabilität zukünftiger Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien sichergestellt werden.
Grüner Wasserstoff als nächster Schritt der Energiestrategie
Parallel zur Strominitiative verfolgt die Regierung ehrgeizige Pläne für den Aufbau einer nationalen Wasserstoffwirtschaft. Laut einem Bericht der Maghreb Post kündigte Energieministerin Leila Benali an, dass bis 2026 eine umfassende Strategie für grünen Wasserstoff vorliegen soll.
Das Vorhaben sieht die Entwicklung einer industriellen Infrastruktur vor, um Wasserstoff sowohl für den heimischen Bedarf als auch für den Export nutzbar zu machen. Benali betonte, dass Marokko aufgrund seiner geographischen Lage, seiner Sonneneinstrahlung und Windverhältnisse besonders gute Voraussetzungen habe, um sich als internationaler Produzent nachhaltiger Energieträger zu positionieren.
Die geplante Strategie ergänzt die laufenden Initiativen im Bereich Solar- und Windenergie. Gemeinsam könnten sie Marokkos Rolle als Energiepartner Europas und Afrikas langfristig stärken.
Ökologische Ziele im Spannungsfeld wirtschaftlicher Realitäten
Während die ambitionierten Pläne breite Zustimmung finden, bleibt die Frage der Umsetzung entscheidend. Die Umstellung auf eine grüne Industrie erfordert erhebliche Investitionen und stabile Rahmenbedingungen für private wie staatliche Akteure.
Nach Angaben aus dem TelQuel-Bericht will die Regierung die „vertragliche und wirtschaftliche Stabilität“ neuer Projekte sichern, um Vertrauen bei Investoren zu schaffen. Gleichzeitig gilt es, bestehende Strukturen so zu reformieren, dass Energiepreise wettbewerbsfähig bleiben und industrielle Entwicklung nicht gebremst wird.
Internationale Beobachter verweisen zudem darauf, dass die geplante Ausweitung erneuerbarer Energien auch soziale und infrastrukturelle Anpassungen erfordert. Dazu gehören verbesserte Netzkapazitäten, Schulungen in technischen Berufen und die Integration regionaler Entwicklungsprogramme.
Ein langfristiger Umbau mit regionaler Bedeutung
Marokkos Energiepolitik hat in den vergangenen Jahren Modellcharakter für den Maghreb und Teile Afrikas entwickelt. Die Kombination aus großflächigen Solarparks, Windkraftanlagen und dem geplanten Einstieg in die Wasserstoffproduktion macht das Land zu einem zentralen Akteur der regionalen Energiewende.
Sollten die neuen Vereinbarungen und Strategien planmäßig umgesetzt werden, könnte Marokko nicht nur seine Abhängigkeit von Energieimporten weiter reduzieren, sondern auch eine exportfähige grüne Industrie aufbauen.
Mit Blick auf die kommenden Jahre bleibt entscheidend, wie schnell die Projekte konkretisiert werden und ob die anvisierten fünf Gigawatt grüner Strom bis 2030 tatsächlich zur Verfügung stehen. Der politische Wille scheint vorhanden – die Umsetzung wird zeigen, inwieweit Marokko seine Rolle als Vorreiter einer nachhaltigen Energiepolitik im Maghreb festigen kann.

