Paraguay erkennt Marokkos Anspruch auf die Westsahara / marokkanische Sahara offiziell an – Asunción plant ein Konsulat in den sog. südlichen Provinzen und signalisiert Annäherung an Rabat.
New York – Paraguay hat offiziell die Souveränität Marokkos über die Westsahara anerkannt. Außenminister Rubén Darío Ramírez Lezcano erklärte am Rande der 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York, dass Asunción die „Souveränität Marokkos über die Sahara“ unterstützt und die Eröffnung eines paraguayischen Konsulats in den südlichen Provinzen des Königreichs vorbereitet. Das Treffen mit Marokkos Außenminister Nasser Bourita bot zudem Gelegenheit, eine engere bilaterale Zusammenarbeit zu erörtern.
Ramírez Lezcano kündigte auch einen Besuch von Präsident Santiago Peña Palacios in Marokko an, während er selbst noch vor Jahresende nach Rabat reisen will.
Bezug auf Marokkos Autonomieplan von 2007
Die Anerkennung knüpft ausdrücklich an die Autonomieinitiative an, die Marokko 2007 den Vereinten Nationen vorgelegt hatte. Diese sieht eine weitreichende Selbstverwaltung der Region unter marokkanischer Souveränität vor. Lezcano betonte, die Entscheidung Paraguays entspreche „den Grundsätzen des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen“ und solle die Bemühungen des UN-Generalsekretärs um eine Lösung des Konflikts unterstützen.
Damit reiht sich Paraguay in die Gruppe von über 100 Staaten ein, die die Initiative nach Angaben der marokkanischen Seite als realistische Lösung betrachten. Mehr als 20 EU-Mitgliedstaaten zählen zu den Unterstützern.
Parlamentarische Vorarbeit in Asunción
Die Anerkennung kommt nicht überraschend. Bereits im Dezember 2024 verabschiedete das Unterhaus des paraguayischen Parlaments eine Resolution, in der es seine „unerschütterliche Unterstützung“ für Marokkos Souveränität bekräftigte. Einen Monat zuvor hatte der Senat die Autonomieinitiative als Grundlage für eine „friedliche, faire und dauerhafte Lösung“ bezeichnet.
Seit der Eröffnung der marokkanischen Botschaft in Asunción im Jahr 2016 haben beide Kammern insgesamt sieben Resolutionen verabschiedet, von denen fünf explizit Marokkos Position zur Sahara unterstützen.
Die aktuelle Entscheidung der Regierung gilt daher als Umsetzung dieser zuvor formulierten politischen Linie.
Lateinamerika rückt von früheren Positionen ab
Paraguays Schritt steht zugleich für eine breitere Entwicklung in Lateinamerika. In den 1970er Jahren hatten zahlreiche Länder die Polisario-Front und die von ihr ausgerufene „Demokratische Arabische Republik Sahara“ (SADR) unterstützt. Inzwischen zeichnet sich jedoch ein pragmatischerer Kurs ab.
So setzte Peru 2023 seine Beziehungen zur SADR aus, Ecuador fror 2024 die Anerkennung ein, und der chilenische Senat sprach sich offen für den marokkanischen Autonomieplan aus. Brasilien, das regionale Schwergewicht, hat die SADR nie anerkannt, obwohl es innerstaatlich immer wieder Debatten dazu gab.
Handel, Energiekooperationen und atlantische Partnerschaften werden zunehmend höher gewichtet als ideologische Positionierungen. Beobachter sprechen von einem De-facto-Konsens: Die meisten lateinamerikanischen Hauptstädte sehen den Autonomieplan als praktikablen Ansatz, während die Anerkennung der SADR in den Hintergrund tritt.
Symbolische und praktische Folgen für Rabat
Für Marokko bedeutet die angekündigte Konsulatseröffnung eine doppelte Stärkung: Zum einen belegt sie die wachsende internationale Unterstützung für den Autonomieplan, zum anderen vertieft sie die bilateralen Beziehungen zu einem Land außerhalb des traditionellen europäischen Partnerspektrums.
Gleichzeitig zeigt die Entscheidung, dass Marokkos diplomatische Strategie in den Vereinten Nationen greift. Während des Treffens in New York führte Marokkos Außenminister Bourita Gespräche mit Staffan De Mistura, dem persönlichen Gesandten des UN-Generalsekretärs für die Westsahara. Dabei bekräftigte die marokkanische Delegation laut Morocco World News, dass Rabat ausschließlich auf eine Lösung auf Grundlage der Autonomieinitiative unter Wahrung der territorialen Integrität setze.

