Royal Air Maroc baut ihr Streckennetz zwischen Nordmarokko und Deutschland weiter aus. Während neue Direktflüge vor allem die Mobilität der marokkanischen Diaspora verbessern sollen, sorgt die fehlende Verbindung zur Hauptstadt Rabat weiterhin für Diskussionen.
Casablanca – Die nationale Fluggesellschaft Royal Air Maroc (RAM) hat für den Sommer 2026 eine Erweiterung ihrer Europa-Verbindungen angekündigt, mit neuen Verbindungen auch zu Deutschland. Im Zentrum stehen neue Direktflüge zwischen Nador und den deutschen Städten Frankfurt am Main sowie Düsseldorf. Die Maßnahme ist Teil einer strategischen Neuausrichtung, die stärker auf direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen regionalen Zentren abzielt.
Neue Direktverbindungen ab Nador verbessern Anbindung nach Deutschland
Ab dem 2. Juli 2026 soll die Strecke Nador–Frankfurt dreimal wöchentlich (dienstags, donnerstags und samstags) bedient werden. Wenige Tage später, ab dem 11. Juli 2026, folgt die Verbindung Nador–Düsseldorf mit ebenfalls drei wöchentlichen Flügen (mittwochs, donnerstags und samstags). Ziel sei es laut RAM-CEO Hamid Addou, den „anhaltenden Bedarf an Konnektivität“ zu bedienen und wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Beziehungen zwischen Marokko und Europa zu stärken.
Für die marokkanische Diaspora (MRE) in Deutschland, insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Hessen, könnten die neuen Direktflüge kürzere Reisezeiten und eine vereinfachte Planung bedeuten. Gleichzeitig ermöglichen sie eine stärkere Einbindung regionaler Flughäfen in das internationale Netzwerk der Airline.
Teil einer breiteren Netzwerkstrategie mit Casablanca als Drehkreuz
Die Erweiterung steht im Kontext einer Punkt-zu-Punkt-Strategie, die direkte Verbindungen zwischen europäischen Städten und marokkanischen Regionen ausbauen soll. Parallel bleibt Casablanca das zentrale Drehkreuz für Anschlussflüge nach Afrika und auf interkontinentale Strecken.
Insgesamt verbindet Royal Air Maroc damit drei deutsche Städte – Frankfurt, Düsseldorf und München – mit marokkanischen Destinationen wie Casablanca, Nador und Oujda. Nach Unternehmensangaben umfasst das Angebot mehr als 35 wöchentliche Flüge zwischen beiden Ländern.
Fehlende Direktverbindung zur Hauptstadt Rabat bleibt Diskussionsthema
Trotz des Ausbaus bleibt ein wiederkehrender Kritikpunkt bestehen: Rabat verfügt weiterhin über keine direkte Linienverbindung zu deutschen Großstädten wie Frankfurt, Düsseldorf oder Köln. Beobachter verweisen darauf, dass sowohl marokkanische als auch deutsche Fluggesellschaften seit Jahren kaum Interesse an solchen Strecken signalisiert haben.
Während die aktuelle Strategie offensichtlich stark auf Regionen mit hoher Diaspora-Nachfrage ausgerichtet ist, steht die politische und administrative Bedeutung Rabats im Kontrast zu seiner bislang begrenzten direkten Anbindung an Deutschland. Ob sich dies künftig ändert, dürfte auch von wirtschaftlicher Nachfrage und strategischen Prioritäten der Airlines abhängen. Welche Rolle Rabat aber in Marokko hat, zeigte der im Dezember 2025 und Januar 2026 abgehaltene Afrika-Cup.

