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Marokko – Anhaltende Unwetter führen zu weiteren Überschwemmungen und schweren Infrastrukturschäden im Norden

Ksar El Kébir teilweise von Hochwasser umschlossen.

Steigende Pegel am Loukkos, eingestürzte Häuser in Chefchaouen und mehr als 900 Einsätze in Taounate: Behörden, Wasserwirtschaft und Finanzsektor reagieren mit Notmaßnahmen und Unterstützungsprogrammen.

Tanger – Anhaltende Starkregenfälle haben in mehreren Regionen Nordmarokkos zu erheblichen Überschwemmungen und Schäden an Verkehrswegen, Wohnhäusern und Versorgungsnetzen geführt. Besonders betroffen sind Ksar El Kébir im Einzugsgebiet des Loukkos, ländliche Gebiete der Provinz Chefchaouen sowie die Provinz Taounate. Während Einsatzkräfte vor Ort Straßen sichern und Evakuierungen organisieren, setzen Behörden auf koordiniertes Wassermanagement und präventive Maßnahmen.

Steigende Abflüsse am Staudamm erhöhen Pegel im Loukkos-Becken

Im Mittelpunkt der Lage steht das Einzugsgebiet des Loukkos-Flusses. Nach Angaben der Loukkos Hydraulic Basin Agency (ABHL) erhielt der Stausee des Oued-El-Makhazine-Staudamms innerhalb von 24 Stunden – von Montag 7 Uhr bis Dienstag 7 Uhr – rund 109 Millionen Kubikmeter Wasser.

Der automatische Überlauf überschritt am Dienstagmorgen 787 Kubikmeter pro Sekunde. Yassine Wahby von der ABHL erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur MAP, der Damm befinde sich „in einem sehr guten Zustand“, die Steuerung des Wasseranstiegs verlaufe ordnungsgemäß und regelmäßige Sicherheitskontrollen hätten positive Ergebnisse erbracht. Durch die schrittweise Ableitung soll der Pegel im Stausee kontrolliert gesenkt werden.

Gleichzeitig gehen die erhöhten Abflussmengen mit steigenden Wasserständen flussabwärts einher – insbesondere in Ksar El Kébir.

Ksar El Kébir teilweise von Hochwasser umschlossen.

In Ksar El Kébir verschärfte sich die Lage mit Stand 10. Februar 2026 deutlich. Der Wasserstand des Loukkos stieg erneut an und überflutete weitere Stadtviertel, darunter Al Marina und Al-Andalous. Auch zentrale Verkehrsachsen wie die Straße nach Larache sowie Zufahrten im Süden und Westen der Stadt waren zeitweise beeinträchtigt.

In einem neu erschlossenen Wohngebiet entlang der Larache-Straße wurde ein Wasserstand von über 2,5 Metern gemeldet. Mehrere Viertel wurden abgesperrt, Metallbarrieren errichtet und Pumparbeiten eingeleitet. Einsatzkräfte reinigen verstopfte Abwasserleitungen, um den Abfluss zu verbessern.

Familien aus besonders gefährdeten Zonen entlang des Flussbetts wurden in Aufnahmeeinrichtungen in Larache untergebracht. Ein lokaler Überwachungsausschuss tagt regelmäßig, um die Entwicklung zu bewerten und Bedingungen für eine schrittweise Rückkehr festzulegen. Die Behörden rufen die Bevölkerung weiterhin zur Vorsicht auf und raten von einer vorzeitigen Rückkehr in überflutete Gebiete ab.

Mehr als 40 Häuser in Chefchaouen eingestürzt

In der Provinz Chefchaouen führten die anhaltenden Regenfälle in den Dörfern Achouken und Oulasen (Gemeinde Ounan) zum Einsturz von mehr als 40 Wohnhäusern. Zudem wurden mehrere Straßen beschädigt, was Hilfsmaßnahmen und Erreichbarkeit erschwerte.

Ein lokaler Aktivist forderte gegenüber Medien eine rasche Unterstützung der betroffenen Bevölkerung sowie eine Stärkung der Präventionsmaßnahmen, um künftigen Überschwemmungen besser begegnen zu können. Die Schäden verdeutlichen die Anfälligkeit ländlicher Bausubstanz gegenüber langanhaltenden Niederschlägen.

Über 900 Einsätze zur Sicherung von Straßen und Versorgung

In der Provinz Taounate wurden seit Beginn der Unwetter mehr als 900 Interventionen registriert, darunter 485 Einsätze im Straßennetz. Betroffen waren Abschnitte der Nationalstraße Nr. 8 sowie zahlreiche Regional- und Provinzstraßen.

Die Maßnahmen umfassten die Räumung von Schlamm und Geröll, die Sicherung beschädigter Fahrbahnen sowie Arbeiten zur Ableitung von Regenwasser. Laut Provinzverwaltung erhielten 308 Familien mit insgesamt 1.161 Personen Unterstützung, nachdem ihre Häuser teilweise oder vollständig eingestürzt waren oder durch steigende Pegel gefährdet wurden.

Zusätzlich wurden rund 115 Einsätze zur Reparatur von Trinkwasser-, Strom- und Abwassernetzen durchgeführt. Die Behörden betonen die enge Koordination zwischen lokalen Verwaltungen, technischen Diensten und Sicherheitskräften, um Verkehrsverbindungen und Grundversorgung aufrechtzuerhalten.

Behörden weisen Falschmeldungen zurück

Neben den operativen Herausforderungen sah sich die Verwaltung der Region Tanger-Tétouan-Al Hoceima mit in sozialen Medien verbreiteten Falschinformationen konfrontiert. Dort war von einer angeblichen Registrierung evakuierter Personen aus Ksar El Kébir in Tanger die Rede.

Die zuständige Wilaya stellte klar, dass ein solches Verfahren nicht existiere, und rief Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ausschließlich offizielle Informationsquellen zu nutzen. Ziel sei es, zusätzliche Verunsicherung in der angespannten Situation zu vermeiden.

Banken setzen Unterstützungsprogramme um

Auch der Finanzsektor reagiert auf die Folgen der Unwetter. Die Al Barid Bank Group kündigte ein außergewöhnliches Maßnahmenpaket an. Dazu zählen mobile Filialen in betroffenen Gebieten sowie gebührenfreie Bargeldabhebungen für Geschädigte in Filialen und über das Barid-Cash-Netzwerk.

Zudem können Privat- und Geschäftskunden unter bestimmten Voraussetzungen eine Stundung von Hypotheken- und Konsumkrediten um bis zu zwei Monate beantragen. Ziel ist es, die kurzfristige finanzielle Belastung betroffener Haushalte und Unternehmen zu mindern und den Zugang zu Bankdienstleistungen auch in schwer erreichbaren Regionen sicherzustellen.

Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von den Wetterbedingungen der kommenden Tage ab. Während sich der Pegel im Stausee Oued El Makhazine nach Behördenangaben allmählich stabilisiert, bleibt das Risiko lokaler Überflutungen in tiefer gelegenen Gebieten bestehen. Die Ereignisse unterstreichen die Bedeutung eines koordinierten Katastrophenschutzes, belastbarer Infrastruktur und transparenter Kommunikation in Zeiten extremer Wetterlagen.

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