StartMarokkoMarokko – Moulay Hicham fordert Bruch mit Netanjahu

Marokko – Moulay Hicham fordert Bruch mit Netanjahu

Eskalation in Gaza, Westjordanland und darüber hinaus verstärkt innenpolitischen Druck

Cousin von König Mohammed VI. sieht Eskalation im Nahen Osten als Gefahr für Marokkos Stabilität. Moulay Hicham fordert Kurswechsel in der Israel-Politik

Prinz Moulay Hicham El Alaoui, Cousin von König Mohammed VI. und bekannt für seine im Königshaus kontroversen Thesen, hat im Interview mit der spanischsprachigen Zeitung El Confidencial (09.09.2025), zu einem Kurswechsel in der marokkanischen Außenpolitik aufgerufen. Marokko solle die Beziehungen zur Regierung von Benjamin Netanjahu abbrechen, die seiner Ansicht nach den Konflikt im Nahen Osten immer weiter eskaliere.
Gleichzeitig betonte er, dass dies nicht als Abkehr vom israelischen Volk verstanden werden dürfe: „Die Menschen wollen nicht als Feinde des israelischen Volkes verstanden werden, sondern als Gegner einer aggressiven Regierung“, erklärte der Prinz.

Abraham-Abkommen: Kooperation mit Israel als strategischer Pfeiler

Seit der Unterzeichnung des Abraham-Abkommens 2020 pflegt Marokko enge wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu Israel. Besonders im Bereich moderner Technologien, bei Meerwasserentsalzung und der Bekämpfung von Wassermangel gilt Israel als wichtiger Partner. Auch sicherheitspolitisch ist die Zusammenarbeit für Rabat von hoher Bedeutung – nicht zuletzt im Kontext der angespannten Beziehungen zu Algerien.

Doch diese pragmatische Zusammenarbeit steht im Kontrast zur traditionellen Rolle Marokkos als Unterstützer der Palästinenser. König Mohammed VI. ist Vorsitzender des Al-Quds-Komitees der Organisation der Islamischen Staaten, das den Zugang zu den heiligen Stätten Jerusalems für Angehörige aller drei monotheistischen Religionen sichern soll.

Eskalation in Gaza, Westjordanland und darüber hinaus verstärkt innenpolitischen Druck

Die jüngsten israelischen Angriffe auf Ziele in Damaskus, Beirut und zuletzt in Doha haben den innenpolitischen Druck auf die marokkanische Regierung verstärkt. Der Angriff auf Doha, der in der vergangenen Nacht von UN-Sicherheitsrat verurteilt wurde, aber ohne Israel auch nur ein einziges Mal namentlich zu benennen, könnte sogar ein Wendepunkt für die arabische Sicherheitsordnung werden. In Marokko wächst der Widerstand in der Bevölkerung gegen die engen Beziehungen zu Israel, je stärker die Gewalt im Nahen Osten eskaliert.

Prinz Hichams Intervention macht deutlich, dass die wachsende Kluft zwischen der staatlichen Außenpolitik und der gesellschaftlichen Stimmung zu einem politischen Problem für Rabat werden könnte.

Washingtons Einfluss: Trump setzt auf Fortführung der Normalisierung

Unter Präsident Donald Trump, der seit Januar 2025 wieder im Amt ist, rücken die Beziehungen zwischen den USA, Israel und Marokko erneut in den Fokus. Washington unterstützt Rabat mit Investitionen, militärischer Zusammenarbeit und diplomatischer Rückendeckung.
Diese Unterstützung hängt jedoch eng mit der Fortführung der Normalisierung der Beziehungen zu Israel zusammen – ein Umstand, der die außenpolitische Handlungsfreiheit Marokkos einschränkt. Dies betrifft vor allem die sog. Westsahara-Frage. In Kürze wird der UN-Sicherheit wieder über eine Westsahara Resolution abstimmen und Marokko hofft nun mit Rückendeckung der USA, Frankreich und Großbritannien, dass eine neue Resolution die eigene Position weiter stärkt und den von Rabat bereits 2007 vorgeschlagenen Autonomieplan als einzige realistische Lösung für diesen Konflikt aufwertet. Die Rückendeckung der USA ist dabei entscheidend, das die USA den Resolutionsentwurf formulieren werden.

Maghreb – Israels Angriff auf Doha – ein möglicher Wendepunkt für die arabische Sicherheitsordnung

Dilemma zwischen Prinzipien und Interessen

Marokko steht damit vor einem schwierigen Balanceakt: Einerseits sind Investitionen, Technologiepartnerschaften und sicherheitspolitische Kooperationen für das Königreich von hoher Bedeutung. Andererseits fordert die Bevölkerung mehr Distanz zu Israel, während König Mohammed VI. als Vorsitzender des Al-Quds-Komitees auch eine religiös-politische Verantwortung für die Palästinenser trägt.

Prinz Hicham bringt dieses Spannungsfeld auf den Punkt: Er plädiert für einen klaren Bruch mit der Regierung Netanjahus, ohne die zivilgesellschaftlichen Brücken nach Israel zu zerstören. Ob Rabat diesen Kurs einschlagen kann, bleibt offen. Sicher ist nur, dass die jüngsten Eskalationen und die Intervention des Prinzen die Debatte in Marokko verschärfen könnten.

Maghreb-Post
Folgen Sie MAGHREB-POST auf Google News

Mein Konto

Casablanca
Klarer Himmel
23 ° C
23.2 °
23 °
56 %
3.6kmh
0 %
Mi
23 °
Do
31 °
Fr
31 °
Sa
29 °
So
31 °