StartMarokkoMarokko – Außenminister Bourita fordert grundlegende Erneuerung der Europa-Mittelmeer-Partnerschaft

Marokko – Außenminister Bourita fordert grundlegende Erneuerung der Europa-Mittelmeer-Partnerschaft

Vier Säulen einer neuen Zusammenarbeit

Marokkos Außenminister skizziert in Rabat eine Vision für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Norden und Süden – mit Fokus auf Sicherheit, Mobilität und gemeinsamer Entwicklung.

Rabat – Bei einem hochrangigen Treffen in Rabat zur Zukunft der euro-mediterranen Beziehungen hat Marokkos Außenminister Nasser Bourita am 11. September 2025 eine „tiefgreifende Überarbeitung“ der Europa-Mittelmeer-Partnerschaft gefordert. Ziel sei es, den Rahmen zwischen den Staaten des Nordens und Südens des Mittelmeers so auszurichten, dass er „konkrete Ergebnisse“ erbringe, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur MAP.

Bourita kritisierte, dass die Union für den Mittelmeerraum (UfM) und der euro-mediterrane Prozess derzeit an „Unentschlossenheit hinsichtlich ihrer Identität“ litten. Zudem bestünden ungleiche Erwartungen: Während die Länder des Nordens vor allem Stabilität und Sicherheit priorisierten, setze der Süden stärker auf Entwicklung und Mobilität.

Marokkos Rolle und Selbstverständnis

Der Minister verwies auf die besondere Stellung seines Landes innerhalb der Partnerschaft. Marokko habe als erstes Land einen „fortgeschrittenen Status“ erreicht, einen Menschenrechtsunterausschuss eingerichtet sowie früh von Mobilitäts- und Umweltprogrammen profitiert. Zudem habe Rabat durch Kooperationen mit Spanien, Frankreich und Deutschland konkrete politische Verpflichtungen in die Praxis umgesetzt.

Nach Herrn Bourita solle der Süden künftig nicht länger als „Entwurf eines Programms“ verstanden werden, sondern als gleichwertige Hälfte eines gemeinsam aufzubauenden Raums.

Vier Säulen einer neuen Zusammenarbeit

In seiner Rede legte Außenminister Bourita die Eckpunkte einer neuen strategischen Vision vor, die auf vier Säulen beruht:

  1. Sicherung strategischer Lieferungen – insbesondere im Energie- und Nahrungsmittelbereich.
  2. Verbindung der Volkswirtschaften – durch gemeinsame Produktionsplattformen und Korridore zwischen Mittelmeer, Afrika und Atlantik.
  3. Mobilisierung von Talenten – durch neue Ansätze für Migration, Ausbildung und Anerkennung von Qualifikationen.
  4. Wiederaufbau des politischen Dialogs – mit einem „Politischen Forum für das Mittelmeer“, das unter dem Dach der UfM Blockaden überwinden soll.

Neue Instrumente für mehr Flexibilität

Zur Umsetzung schlug der marokkanische Außenminister die Bildung „freiwilliger Koalitionen“ aus mindestens einem nördlichen und einem südlichen Land vor. Diese könnten Projekte flexibel vorantreiben, ohne durch Nichtteilnehmer blockiert zu werden. Ergänzend sei ein Euro-Mittelmeer-Kohäsionsfonds vorgesehen, finanziert über einen hybriden Garantiemechanismus.

Ein weiteres Ziel sei es, die „gesellschaftliche Sichtbarkeit“ der Partnerschaft zu erhöhen. Nasser Bourita betonte, dass die Bürger den Mehrwert stärker spüren müssten, um dem Projekt wieder Legitimität zu verleihen.

Bedeutung für die Region

Das Treffen in Rabat brachte Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Es soll als Ausgangspunkt für eine offenere Diskussion über die Zukunft der euro-mediterranen Beziehungen dienen. Marokko positioniert sich dabei als aktiver Gastgeber und Impulsgeber für eine Reform, die über reine Stabilitäts- und Sicherheitsfragen hinausgeht und Entwicklungschancen für beide Seiten betont.

Mit seinem Vorstoß verdeutlicht Außenminister Bourita den Anspruch Rabats, den Europa-Mittelmeer-Raum zu einem echten geopolitischen Partnerraum auszubauen – und nicht nur zu einem Forum für Verwaltung und Krisenmanagement.

Mein Konto

Casablanca
Überwiegend bewölkt
16.2 ° C
16.2 °
15.1 °
67 %
2.1kmh
75 %
Mi
16 °
Do
17 °
Fr
16 °
Sa
22 °
So
23 °