StartMarokkoMarokko - Milliardeninvestition in die soziale Absicherung

Marokko – Milliardeninvestition in die soziale Absicherung

Das Risiko der Inflation für die Kaufkraft

Die Regierung zieht eine erste Bilanz für 2025, während der Inflationsdruck die Wirksamkeit der Direkthilfen auf die Probe stellt.

Seit dem Start des Programms für direkte Sozialhilfe im Dezember 2023 hat der marokkanische Staat erhebliche finanzielle Mittel mobilisiert, um einkommensschwache Haushalte systematisch zu unterstützen. Wie die Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Fettah laut der staatlichen Nachrichtenagentur MAP am 31. Dezember 2025 in Rabat mitteilte, beläuft sich das Gesamtbudget für diesen Zeitraum auf insgesamt 49 Milliarden marokkanische Dirham MAD bzw. aktuell 4,57 Mrd. Euro.

Fokus auf Kinderschutz und administrative Modernisierung

Ein signifikanter Teil der Mittel floss in den Schutz vor Risiken im Kindesalter. Laut Ministerin Fettah wurden hierfür 31 Milliarden MAD bereitgestellt. Die monatlichen Leistungen für schulpflichtige Kinder unter sechs Jahren stiegen auf 250 Dirham, während Waisen nun 375 Dirham erhalten. Gestützt wird dieser Prozess durch das Einheitliche Sozialregister (RSU), das eine zielgenaue Identifizierung der Bedürftigen ermöglicht. Um die Bürgernähe zu erhöhen, startete diesen Monat zudem ein Pilotprojekt für regionale Vertretungen der Nationalen Agentur für Soziale Unterstützung (ANSS).

Das Risiko der Inflation für die Kaufkraft

Trotz dieser massiven Mittelbereitstellung steht die Wirksamkeit der Programme unter dem Druck der Inflation. In der gesamten Maghreb-Region bedrohen steigende Preise für Energie und Nahrungsmittel die reale Kaufkraft der unterstützten Haushalte. Kritiker und Ökonomen weisen darauf hin, dass die Erhöhungen der Beihilfen – wie das Plus von 50 Dirham bei Kleinkindern – durch die Teuerung teilweise aufgezehrt werden könnten.

Während Marokko bereits mit der Reduzierung von Subventionen bei Butangas begonnen hat, um die Direktzahlungen zu finanzieren, bleiben andere Stützen wie bei Mehl oder in der Tierzucht bestehen, um soziale Härten abzufedern. Auch politische Taktiken gefährden die langfristige Strategie. So hätte bereits die nächste Reduzierung der Subvention von Butangas stattfinden müssen. Aber angesichts der Kaufkraftverluste und den anstehenden Parlamentswahlen im kommenden September 2026 hat die Regierung den eigentlich vorgestellt Zeitplan nicht umgesetzt.

Regionaler Kontext: Unterschiedliche Strategien

Im Vergleich zu den Nachbarstaaten wird deutlich, wie divers die Ansätze sind:

  • Algerien setzt weiterhin auf massive, aber wenig zielgerichtete Preissubventionen für Brot und Energie, was den Staatshaushalt bei hohen Weltmarktpreisen extrem belastet.
  • Tunesien kämpft im Rahmen des Programms Amen Social mit begrenzten Spielräumen, da die hohe Inflation die Wirkung der staatlichen Festbeträge drastisch mindert.

Der Erfolg der marokkanischen Reform wird im Jahr 2026 maßgeblich davon abhängen, ob die geschaffene administrative Infrastruktur flexibel genug auf weitere Preissprünge reagieren kann, um das Ziel der Armutslinderung nicht zu gefährden. Die Prognosen der marokkanischen Zentralbank für das gerade begonnene Fiskaljahr 2026 sind aber relativ positiv und gehen von einer Inflation unter 2% aus.

Mein Konto

Casablanca
Leichter Regen
16 ° C
16.2 °
15.7 °
72 %
2.1kmh
75 %
Di
16 °
Mi
16 °
Do
16 °
Fr
15 °
Sa
14 °