König Mohammed VI. gibt persönlich den Startschuss für milliardenschwere Schieneninvestitionen. Während ehrgeizige Ziele und moderne Infrastruktur im Vordergrund stehen, stellen sich angesichts enger Zeitpläne und zahlreicher paralleler Großprojekte Fragen zur Umsetzung.
Am 24. September 2025 eröffnete König Mohammed VI. in Casablanca offiziell ein großangelegtes Eisenbahnprogramm. Wie die staatliche Nachrichtenagentur MAP berichtet, umfasst die erste Phase Investitionen von 20 Milliarden Dirham (rund 1,8 Milliarden Euro). Bis 2030 soll der Gesamtumfang bei 96 Milliarden Dirham liegen.
Bemerkenswert ist nicht nur die Größe des Vorhabens, sondern auch der politische Kontext: Erst wenige Tage zuvor hatte der Monarch milliardenschwere Hafenprojekte in Casablanca eingeweiht (Maghreb Post). Damit markiert der aktuelle Auftritt innerhalb kürzester Zeit den zweiten Startschuss für ein Großprojekt in der Wirtschaftsmetropole.
Neue Bahnhöfe und städtische Verbindungen
Das Eisenbahnprogramm setzt auf drei Bahnhöfe der neuen Generation: Casablanca-Sud, das Grand Stade Hassan II in Benslimane sowie der internationale Flughafen Mohammed V. Diese Stationen sollen innerhalb von 24 Monaten fertiggestellt werden und jeweils mehrere Millionen Passagiere jährlich abfertigen können.
Der Bahnhof „Casablanca-Sud“ wird mit sechs Bahnsteigen, zehn Gleisen und direkter Anbindung an Hochgeschwindigkeitszüge, Regionalverkehr und Aero-Express zum Flughafen ausgestattet. Ziel ist, bis zu zwölf Millionen Fahrgäste jährlich zu bedienen und gleichzeitig ein neues Geschäftsviertel im Süden der Stadt zu entwickeln.
Metropolitan Local Trains für die Region
Ein Kernstück sind neue Metropolitan Local Trains (TMP). Ab 2030 sollen auf drei Linien Züge im 7,5-Minuten-Takt verkehren. Laut MAP verbinden sie Casablanca mit dem Stadion in Benslimane und dem Flughafen Mohammed V. Die Streckenlänge beträgt 92 Kilometer, täglich sollen bis zu 150.000 Menschen befördert werden.
Dazu entstehen zehn neue Bahnhöfe, etwa in Mohammedia, Zenata, Hay Mohammadi und Nouaceur. Bestehende Stationen wie L’Oasis oder Ain Sebaâ werden modernisiert. Nach offiziellen Angaben sollen so jährlich 35 Millionen Passagiere befördert und 100.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Industriepolitische Akzente durch Zugproduktion
Für den Betrieb werden 48 neue Züge angeschafft. Hersteller ist der südkoreanische Konzern Hyundai Rotem, der gleichzeitig ein Werk in Marokko errichten soll. Mit dieser Investition von rund sieben Milliarden Dirham will das Land nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern mittelfristig auch Exportkapazitäten im Schienenfahrzeugbau entwickeln.
Ambitionen treffen auf enge Zeitpläne
Die Vision des Königs und der Regierung will nachhaltige Mobilität mit wirtschaftlicher Entwicklung verbinden. Doch die angestrebte Fertigstellung zentraler Bahnhöfe innerhalb von zwei Jahren sowie der komplette Netzbetrieb ab 2030 wirken ambitioniert.
Hinzu kommt, dass Marokko derzeit zahlreiche weitere Großprojekte gleichzeitig verfolgt: der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Kenitra–Marrakech, neue Stadien und Infrastruktur für die FIFA-Weltmeisterschaft 2030, darunter auch in Casablanca, sowie der Ausbau mehrerer Flughäfen, unter anderem ein neues Terminal am Flughafen Mohammed V.
Die parallele Umsetzung dieser milliardenschweren Projekte wirft Fragen nach der Finanzierbarkeit, der Koordination und möglichen Verzögerungen auf. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass große Infrastrukturprojekte häufig länger dauern und teurer werden als geplant.
Fortschritt mit Prüfsteinen
Das Eisenbahnprogramm von Casablanca könnte den öffentlichen Verkehr in Marokko grundlegend verändern. Moderne Bahnhöfe, dichte Zugtakte und eine lokale Produktion von Zügen sind ambitionierte Bausteine einer umfassenden Infrastrukturstrategie.
Gleichzeitig stellen die Vielzahl laufender Großvorhaben, enge Zeitpläne und hohe Kosten für das Land erhebliche Herausforderungen dar. Für Bürger, Wirtschaft und internationale Beobachter bleibt daher entscheidend, ob Anspruch und Realität in den kommenden Jahren in Einklang gebracht werden können.
Marokko – König Mohammed VI. weiht milliardenschwere Hafenprojekte in Casablanca ein
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