Nach dem Tod des 42-jährigen Abderrahim Fakir bei einer Festnahme im norditalienischen Bologna haben die Justizbehörden Ermittlungen aufgenommen. Die marokkanische Diplomatie fordert Transparenz, wie Medien berichten.
Rom – Nach dem Tod des marokkanischen Staatsbürgers Abderrahim Fakir bei einem Polizeieinsatz in Bologna hat die italienische Justiz Ermittlungen gegen sechs Personen eingeleitet. Wie marokkanische und italienische Medien unter Berufung auf Behörden- und Agenturangaben berichten, richte sich das Verfahren gegen zwei beteiligte Polizeibeamte sowie vier Rettungssanitäter. Der 42-jährige Mann, der legal in Italien lebte und arbeitete, sei am Sonntag bei einer Festnahme am Boden fixiert worden und im Verlauf des Einsatzes verstorben.
Tödlicher Einsatz und Ermittlungen
Den Berichten zufolge war die Polizei von Anwohnern wegen einer aufgebrachten Person gerufen worden. Die Beamten hätten Tränengas eingesetzt und den Mann zu Boden gedrückt. Ein von Anwohnern gefilmtes und in italienischen Medien verbreitetes Video zeige, wie der Mann mehrere Minuten lang mit dem Gesicht nach unten festgehalten wurde und um Hilfe rief. Wie die Polizeipräfektur Bologna in einer von Medien zitierten Erklärung mitteilte, seien die Aufnahmen der Dienstkameras der Beamten der Justiz übergeben worden. Zudem sei eine Autopsie angeordnet worden. Der leitende Staatsanwalt Paolo Guido wird in Medienberichten mit der Aussage zitiert, dass die Ermittlungen den gesamten Hergang des Geschehens umfassen würden.
Reaktionen von Angehörigen und Diplomatie
Der Vorfall löste in Bologna Proteste aus. Es versammelten sich Hunderte Menschen zu Kundgebungen und Protesten gegen Polizeigewalt, die vereinzelt nicht friedlich blieben. Der Bürgermeister von Bologna, Matteo Lepore, habe volle Transparenz gefordert. Angehörige des Verstorbenen erhoben schwere Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte und verlangten eine vollständige Aufklärung.
In einer von marokkanischen Medien zitierten Erklärung teilte die marokkanische Botschaft in Italien mit, den Fall mit großer Aufmerksamkeit und Besorgnis zu verfolgen. Das zuständige Generalkonsulat sei angewiesen worden, der Familie konsularische Hilfe zu leisten und Kontakt zu den italienischen Ermittlungsbehörden zu halten. Der marokkanische Botschafter sprach den Angehörigen sein Beileid aus und betonte, eine gründliche und unparteiische Aufklärung liege im Interesse aller Beteiligten. Dabei sprach er der italienischen Justiz sein Vertrauen aus.
Gesundheitliche Hintergründe und Ausblick
Abderrahim Fakir stammte aus Marokko und lebte seit seiner Kindheit in Italien. Wie Medien unter Berufung auf Äußerungen seiner Anwältin Barbara Spinelli gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa sowie Berichte des Senders Sky TG24 meldeten, habe das Opfer unter gesundheitlichen Problemen gelitten und zum Zeitpunkt des Einsatzes eine emotionale Krise durchlebt. In Italien erinnert der Vorfall an frühere Fälle mutmaßlicher Polizeigewalt in Ausnahmesituationen. Die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die Ergebnisse der Autopsie sollen die genauen Todesumstände klären.

