Anlässlich des 26. Thronjubiläums gewährt Mohammed VI. außergewöhnlich viele Begnadigungen – darunter Hunderte Umwandlungen von Todes- und lebenslangen Strafen.
Rabat – Zum 26. Jahrestag seiner Thronbesteigung hat König Mohammed VI. eine außergewöhnlich weitreichende Begnadigungsaktion veranlasst. Wie das marokkanische Justizministerium am 29. Juli 2025 über die staatliche Nachrichtenagentur MAP mitteilte, wurden insgesamt 19.673 Personen durch königlichen Gnadenerlass begünstigt – darunter sowohl Inhaftierte als auch Personen in Freiheit, die von marokkanischen Gerichten verurteilt worden waren.
Die königliche Begnadigung ist eine jährlich wiederkehrende Geste anlässlich des Throntags (Fête du Trône). In diesem Jahr jedoch erreichte die Zahl der Begnadigten ein bislang seltenes Ausmaß – und betont damit nach Angaben der Behörden den humanitären Charakter der Maßnahme.
Zwei Gruppen: reguläre und ausnahmsweise Begnadigungen
Laut Pressemitteilung des Justizministeriums ist die Begnadigung in zwei Hauptkategorien unterteilt:
- 2.415 Personen wurden im Rahmen der üblichen jährlichen Gnadenpraxis begnadigt.
- 17.258 Personen wurden zusätzlich „ausnahmsweise“ berücksichtigt, wie es in der offiziellen Erklärung heißt.
Die regulär Begnadigten umfassen 2.239 Inhaftierte sowie 176 Personen, die sich bereits in Freiheit befinden. Innerhalb dieser Gruppe wurden unter anderem:
- 2.218 Haft- oder Untersuchungshaftstrafen vollständig erlassen,
- fünf lebenslange Freiheitsstrafen in zeitlich befristete Haftstrafen umgewandelt,
- sowie Geld- und Freiheitsstrafen in Dutzenden weiteren Fällen reduziert oder erlassen.
Ausnahmeregelung mit besonderem humanitären Charakter
Von besonderer Bedeutung ist in diesem Jahr die außergewöhnliche Erweiterung der Begnadigung auf 17.258 zusätzliche Personen, die laut Justizministerium „nach festgelegten Standards und Kriterien ausgewählt“ wurden. Diese Maßnahme soll ausdrücklich „die hohe königliche Fürsorge für diese Kategorie“ unterstreichen und als humanistische Initiative verstanden werden.
Innerhalb dieser Gruppe wurden folgende Maßnahmen getroffen:
- 17.121 Häftlingen wurde der Rest ihrer Freiheits- und Geldstrafen erlassen,
- bei 114 Gefangenen wurde eine lebenslange Haftstrafe in eine bereits verbüßte Strafe umgewandelt,
- bei 23 Personen wurde eine Todesstrafe in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt.
Die Entscheidung zur Umwandlung von Todesstrafen dürfte international Aufmerksamkeit hervorrufen, zumal Marokko die Todesstrafe rechtlich beibehält, aber seit 1993 kein Todesurteil mehr vollstreckt hat.
Traditionelle Begnadigungen zu hohen religiösen und politischen Anlässen.
Die Begnadigungsaktionen zum Throntag haben in Marokko eine lange Tradition, sind aber nicht automatisch garantiert. Die jeweiligen Kriterien für eine Begnadigung werden nicht öffentlich gemacht, beruhen jedoch laut Behördenangaben auf Faktoren wie Reue, Verhalten während der Haftzeit, familiären und gesundheitlichen Umständen.
Mit der Ausweitung der Begnadigungen in diesem Jahr signalisiert der Monarch nicht nur Gnade im klassischen Sinn, sondern setzt auch ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und die moralische Autorität des Königs als oberstem Hüter von Recht und Barmherzigkeit im Königreich.
Die in der Erklärung des Justizministeriums verwendete Sprache („Quelle der Gnade und Barmherzigkeit“, „hohe königliche Fürsorge“) reflektiert dabei das religiös fundierte Verständnis des Königs als „Amir al-Mouminin“ (Befehlshaber der Gläubigen).
Marokko – König hält Rede anlässlich des Thronjubiläums 2025 (vollständiger Text)

