Menschenrechtsorganisationen warnen vor einem Eingriff in die Meinungsfreiheit, während die Justiz blasphemische Inhalte verfolgt.
Rabat – Am 10. August 2025 wurde die Aktivistin Ibtissame „Betty“ Lachgar in Rabat festgenommen, nachdem ein Foto von ihr in den sozialen Medien kursierte. Auf dem T-Shirt, das sie trug, befanden sich Aufschriften, die laut Staatsanwaltschaft „gottesbeleidigend“ seien. Die 49-Jährige, die für ihr Engagement für Frauenrechte, individuelle Freiheiten und die Rechte von Homosexuellen bekannt ist, befindet sich seither in Untersuchungshaft. Ihr Prozessauftakt vor dem Gericht erster Instanz in Rabat ist für den 27. August angesetzt.
Reaktionen von Menschenrechtsorganisationen
Die marokkanische Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) äußerte ihre „tiefe Besorgnis“ über die Festnahme. In einer Stellungnahme der Rabater Sektion, die aus der das marokkanische Nachrichtenmagazin Telquel zitiert, bezeichnete die Organisation den Schritt als „ungerechtfertigt und willkürlich“ und als „Verstoß gegen Marokkos internationale Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte“.
Darüber hinaus warf die AMDH politischen Akteuren vor, Druck auf die Justiz ausgeübt zu haben. Insbesondere wurde der ehemalige Justizminister Mustapha El Ramid genannt, der öffentlich die Verhaftung Lachgars gefordert habe. Laut AMDH sei dies ein „Eingriff in die Vorrechte der Staatsanwaltschaft“ und stärke jene Kräfte, die „Hass und Feindseligkeit gegen das Menschenrechtssystem verbreiten“.
Souad Brahma, Präsidentin der AMDH, hat sich dem Verteidigungsteam von Lachgar angeschlossen. Die Organisation fordert ihre sofortige Freilassung und erinnert die Behörden an den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, den Marokko unterzeichnet hat.
Politische und gesellschaftliche Brisanz
Der Fall berührt grundlegende Fragen nach der Auslegung von Meinungsfreiheit in Marokko. Während staatliche Stellen mit dem Verweis auf den Schutz religiöser Werte argumentieren, warnen zivilgesellschaftliche Organisationen vor einem Rückschritt in der Wahrung individueller Rechte.
Die Auseinandersetzung verdeutlicht eine wachsende Spannung zwischen konservativen Kräften, die auf den Schutz religiöser Normen pochen, und progressiven Stimmen, die die Verankerung universeller Menschenrechte einfordern. Für internationale Beobachter wird der Prozess gegen Lachgar ein Prüfstein dafür sein, wie weit die Meinungsfreiheit in Marokko tatsächlich reicht.
Marokko – Gericht ordnet Untersuchungshaft für Aktivistin Ibtissame Lachgar an

