StartMarokkoMarokko – Deutsches Industrieprojekt in Ouezzane frustriert abgebrochen.

Marokko – Deutsches Industrieprojekt in Ouezzane frustriert abgebrochen.

MRE überzeugt seinen Arbeitgeber und erlebt marokkanische Realität. - Auswirkungen auf Investitionsklima und Image des Standorts Marokko

Abbruch eines bedeutenden Vorhabens. Politische und administrative Blockaden verhindern deutsche Investition von 12 Mio. Euro und 300 geplante Arbeitsplätze. MRE überzeugt seinen Arbeitgeber und erlebt marokkanische Realität.

Ein deutsches Industrieprojekt im Wert von 12 Millionen Euro, das in der nordmarokkanischen Stadt Ouezzane, süd-östlich der Hafenstadt Larache, entstehen sollte, ist nach Angaben der Tageszeitung Al Akhbar (Printausgabe vom 25. August 2025) gescheitert.

Geplant war die Errichtung einer Fabrik zur Herstellung von Elektromotoren, die rund 300 direkte Arbeitsplätze hätte schaffen können. Das Vorhaben galt als bedeutender Beitrag zur regionalen Entwicklung und sollte zugleich einen Technologietransfer ermöglichen. Ein im Unternehmen des deutschen Investors tätiger Marokkaner (MRE) hatte seinen Arbeitgeber auf die Möglichkeiten hingewiesen und sich für die Investition engagiert.

Wie die Tagezeitung berichtet, hatte der Investor – ein deutscher Industrieller mit Fabriken in China, Deutschland und Osteuropa – im Jahr 2023 ein knapp drei Hektar großes Grundstück erworben. Grundlage war die Zusicherung, dass das Areal die Anforderungen für die Ansiedlung einer Industrieanlage erfülle. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen war ein Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro in Aussicht gestellt worden, mit Perspektiven für eine Ausweitung der Aktivitäten auf weitere Regionen Marokkos.

Gründe für das Scheitern

Nach Recherchen der Tageszeitung spielte bei der Blockade des Projekts die Stadtplanungsbehörde Ouezzane-Larache eine zentrale Rolle. Diese verweigerte die Genehmigung mit dem Hinweis auf fehlende Abwasser- und Trinkwassernetze. Die Projektträger hielten diese Argumentation für nicht stichhaltig, da sie sich laut Artikel 47 des marokkanischen Städteplanungsgesetzes verpflichtet hatten, die erforderlichen Infrastrukturarbeiten selbst zu übernehmen.

Weitere Einwände betrafen die geplante Gebäudehöhe von 8,5 Metern, die von einem Vertreter der Präfektur als „übertrieben“ eingestuft worden sei. Fachleute bezeichneten dieses Kriterium jedoch als willkürlich und nicht im Einklang mit der üblichen Praxis in Industriegebieten.

Darüber hinaus wird laut Al Akhbar vermutet, dass ein einflussreicher Politiker mit engen Verbindungen zu einem Regierungsmitglied die Blockade gezielt vorangetrieben habe. Demnach sei die Verabschiedung des Bebauungsplans hinausgezögert worden, um eine Umwidmung des Grundstücks in ein Industriegebiet zu verhindern.

Auswirkungen auf Investitionsklima

Nach mehr als einem Jahr Verhandlungen und Schriftverkehr zog sich der deutsche Investor zurück. Für ihn bedeutet dies nicht nur einen erheblichen Zeit- und Geldverlust, sondern auch eine strategische Belastung seiner internationalen Industriepläne.

Über den Einzelfall hinaus werfen die Vorgänge in Ouezzane Fragen zum Investitionsklima in Marokko auf. Al Akhbar warnt, dass die Affäre das Ansehen des Königreichs bei internationalen Kapitalgebern, insbesondere aus Deutschland, beeinträchtigen könnte. Deutschland gehört zu den führenden europäischen Technologie- und Automobilstandorten, und mehrere Unternehmen aus der Bundesrepublik prüfen derzeit den Einstieg in den marokkanischen Markt.

Das Königreich wiederum bemüht sich seit Jahren, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Berlin zu vertiefen und von der hohen technologischen Kompetenz deutscher Industriebetriebe zu profitieren. Ein Scheitern solcher Projekte könnte daher das Vertrauen künftiger Investoren schwächen.

Marokko – Die MRE – Das neue „Goldene Kalb“

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