Nach einer Autobahnblockade während der GenZ212-Demonstrationen verhängt die Justiz Haft- und Bewährungsstrafen. Dreizehn Verurteilte kamen nach dem Urteil frei.
Casablanca – Das Berufungsgericht in Casablanca hat 18 junge Menschen im Zusammenhang mit den GenZ212-Protesten zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Die Angeklagten waren wegen der Blockade einer Stadtautobahn während einer Demonstration im September 2025 vor Gericht gestellt worden. Dreizehn von ihnen wurden nach der Urteilsverkündung freigelassen, da sie ihre Strafen bereits in Untersuchungshaft verbüßt hatten.
Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Verteidigung berichtete, fällte die Strafkammer des Berufungsgerichts am Donnerstagabend letzter Woche ihr Urteil. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die Demonstranten den Verkehr auf einer Stadtautobahn in Casablanca blockiert und dadurch einen vollständigen Stillstand des Verkehrs verursacht.
Haft- und Bewährungsstrafen verhängt
Nach Angaben der Verteidigung wurden 13 Angeklagte zu acht Monaten Haft verurteilt. Da sie sich bereits seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft befunden hatten, kamen sie unmittelbar nach dem Urteil frei.
Zwei weitere Angeklagte erhielten Freiheitsstrafen von einem Jahr, von denen zehn Monate zwingend zu verbüßen sind. Drei Demonstranten, die sich nicht in Haft befanden, wurden zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
Die Verurteilungen betreffen einen Vorfall während der Proteste der Bewegung GenZ212, die Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie ein entschlosseneres Vorgehen gegen Korruption gefordert hatte.
Tausende Verfahren im Zusammenhang mit den Protesten anhängig
Die Generalstaatsanwaltschaft hatte bereits im Oktober 2025 mitgeteilt, dass gegen mehr als 2.400 Personen Anklage erhoben werden solle, darunter rund 1.400 bereits Inhaftierte. Die Verfahren standen den Behörden zufolge überwiegend im Zusammenhang mit Gewalttaten und Vandalismus, die sich im Umfeld der Demonstrationen ereignet haben sollen.
Die GenZ212-Proteste hatten über mehrere Wochen hinweg für Aufmerksamkeit gesorgt. Nach Medienberichten verloren sie jedoch später an Dynamik. Als mögliche Gründe wurden eine Ansprache von König Mohammed VI., in der er eine Beschleunigung sozialer Reformen forderte, sowie die Ankündigung zusätzlicher Haushaltsmittel für Gesundheit und Bildung im Jahr 2026 genannt.
Parallel zu den Protesten war es in einzelnen Städten zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen gekommen. Medienberichten zufolge kamen bei Unruhen in der Region Agadir zudem drei Menschen ums Leben.
Verfahren gegen Minderjährige noch ausstehend
Die juristische Aufarbeitung der Ereignisse ist noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben der Verteidigung sollen am 19. Juni sechs Minderjährige im Zusammenhang mit demselben Fall vor Gericht erscheinen. Vier von ihnen befinden sich demnach derzeit in Untersuchungshaft.
Mit den anstehenden Verfahren dürfte die Justiz ihre Aufarbeitung der GenZ212-Proteste fortsetzen.
Marokko – Zivilgesellschaftliche Bewegung GenZ212 setzt Proteste fort

