Durch neue Kreditvereinbarungen über 450 Millionen Euro baut Deutschland seine Rolle als einer der wichtigsten staatlichen Geldgeber Marokkos aus. Die Mittel fließen primär in die Klimaresilienz, soziale Sicherungssysteme und den Ausbau der regionalen Schieneninfrastruktur.
Rabat – In der marokkanischen Hauptstadt wurden am vergangenen Dienstag, den 16. Dezember 2025, drei neue Finanzierungsabkommen zwischen dem Königreich Marokko und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet. Der für den Haushalt zuständige Staatssekretär Fouzi Lekjaa und die Generaldirektorin für Nordafrika der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Daniela Beckmann, besiegelten ein Paket im Gesamtwert von 450 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus Darlehen zusammen, die gezielt zur Unterstützung staatlicher marokkanischer Programme eingesetzt werden sollen.
Finanzierung von Klimaanpassung und Dekarbonisierung
Ein bedeutender Teilbetrag von 100 Millionen Euro ist für die zweite Phase des Programms zur Unterstützung der Klimapolitik vorgesehen. Hierbei handelt es sich um eine zweckgebundene Finanzierung, die Marokko dabei helfen soll, den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu bewältigen. Minister Lekjaa betonte laut der Nachrichtenagentur MAP, dass diese Mittel die marokkanischen Ambitionen im Bereich der Energiewende stützen, insbesondere nachdem das Land 2025 seine aktualisierten Klimaziele offiziell eingereicht hat.
Unterstützung des Sozialsystems und Arbeitsmarktförderung
Für die Konsolidierung des Sozialschutzsystems stellt die KfW weitere 150 Millionen Euro bereit. Diese Mittel fließen in die zweite Phase eines Reformprogramms, das unter anderem direkte Sozialhilfen finanziert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Integration von sogenannten NEETs – jungen Menschen, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind. Ziel ist es, die Beschäftigungsquote durch aktive Förderprogramme zu erhöhen und das soziale Sicherheitsnetz des Landes strukturell zu festigen.
Ausbau der Schieneninfrastruktur im Wirtschaftsknotenpunkt Casablanca
Das volumenmäßig größte Einzelabkommen umfasst 200 Millionen Euro und ist für die Mobilitäts- und Logistikplattform der Region Casablanca-Settat bestimmt. Diese Mittel werden der nationalen Eisenbahngesellschaft ONCF zur Verfügung gestellt, um Bahnhöfe zu modernisieren und das Schienennetz auszubauen. Die Finanzierung soll dazu beitragen, die logistische Kapazität in Marokkos wirtschaftlichem Herzstück zu erhöhen und die Landnutzungsplanung effizienter zu gestalten.
Einordnung der deutsch-marokkanischen Finanzbeziehungen
Obwohl das aktuelle Paket 450 Millionen Euro umfasst, verdeutlichten die offiziellen Statements die weitreichende Dimension der bilateralen Zusammenarbeit. Minister Lekjaa wies darauf hin, dass sich die kumulierten Finanzverträge zwischen beiden Ländern – inklusive der neuen Abkommen – inzwischen auf rund 7 Milliarden Euro belaufen. Hinzu kommen technische Hilfeleistungen im Umfang von etwa 500 Millionen Euro.
Daniela Beckmann von der KfW erklärte zudem, dass die Zusagen für das laufende Jahr insgesamt bereits über 600 Millionen Euro liegen. Der deutsche Botschafter Robert Dölger ergänzte, dass man perspektivisch anstrebe, über die staatliche Kreditvergabe hinaus auch verstärkt privates Kapital für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien zu mobilisieren. Die aktuellen Abkommen fungieren somit als staatliche Basis für die langfristigen Entwicklungsziele des Königreichs.

