Ein Sektor am Rand der Zahlungsunfähigkeit – Apothekerverbände werfen der Regierung gebrochene Zusagen vor und kündigen landesweite Protestaktionen an. Streitpunkt sind verschleppte Reformen und ein stagnierender Dialog mit dem Gesundheitsministerium.
Nach Medienberichten könnten rund 4.000 Apotheken in Marokko kurz vor dem Bankrott stehen – etwa ein Drittel aller Betriebe im Land. Fachverbände warnen vor einer ernsthaften Gefährdung der Versorgungssicherheit, sollte keine Entlastung erfolgen. Viele Inhaber seien hoch verschuldet und fürchten nicht nur das wirtschaftliche Aus, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen bei Zahlungsunfähigkeit.
Mohamed Lahbabi, Präsident des Verbandes der Apothekergewerkschaften, machte das Gesundheitsministerium für die aktuelle Lage verantwortlich. Die zugesagten Reformen blieben seit Jahren auf der Strecke, der Dialog mit den Berufsverbänden sei weitgehend „formaler Natur“, so Lahbabi laut der Tageszeitung Assabah.
Angekündigte Protestwelle
Die Standesvertretungen haben als Reaktion eine abgestufte Protestaktion beschlossen. Die Maghreb-Post berichtete, begann die Mobilisierung am 18. August 2025 mit dem Tragen schwarzer Armbinden in den Apotheken. Am 9. September 2025 fand eine Demonstration vor dem Gesundheits- und Sozialschutzministerium in Rabat statt, verbunden mit einer landesweiten Schließung vieler Betriebe.
Der Verband sieht in dieser Eskalation den letzten Ausweg, nachdem frühere Verhandlungen ergebnislos verlaufen seien. „Die Umsetzung vereinbarter Maßnahmen wurde in eine Übung des Abwartens und Zögerns verwandelt“.
Kritik an einseitigen Entscheidungen
Ein weiterer Streitpunkt ist die fehlende Mitbestimmung innerhalb des Sektors. So bemängeln Apotheker, dass seit acht Jahren keine Wahlen für ihre Berufsverbände durchgeführt wurden. Zudem wachse der illegale Handel mit Medikamenten, was die Lage zusätzlich verschärfe.
Das Gesundheitsministerium selbst hat bislang nicht öffentlich Stellung zu den Vorwürfen genommen. Damit bleibt offen, ob eine Wiederaufnahme ernsthafter Gespräche noch gelingt.
Folgen für Patienten und Wirtschaft
Die Apothekerschaft betont die strategische Rolle des Sektors für die Stabilität des marokkanischen Gesundheitssystems. Ein massives Sterben von Apotheken könnte nicht nur die Versorgung mit Medikamenten gefährden, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze kosten und die Verschuldungslage verschärfen.
Ob die Regierung auf die Forderungen der Apotheker eingeht, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden müssen. Klar ist: Der Konflikt entwickelt sich zum Prüfstein für die Glaubwürdigkeit gesundheitspolitischer Reformen in Marokko.

