Die diesjährige Rückkehraktion „Marhaba“ verzeichnet historische Zahlen und zeige für die Regierung die politische wie soziale Bedeutung der MREs für Marokko – es gibt auch deutliche Kritik
Rabat – Die Operation „Marhaba“ feierte 2025 ihr 25-jähriges Bestehen – und das mit einem neuen Rekord: Über 4,06 Millionen im Ausland lebende Marokkaner (MREs) reisten zwischen dem 10. Juni und dem 15. September dieses Jahres in ihre Heimat zurück. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur MAP entspricht dies einem Anstieg von 11 % gegenüber dem Vorjahr. Die Aktion, die unter der Schirmherrschaft von König Mohammed VI. steht, gilt als humanitäres Großprojekt und Ausdruck der engen Bindung zwischen Marokko und seiner Diaspora.
Logistische Meisterleistung oder strukturelle Belastung?
Die Mohammed-V-Stiftung für Solidarität koordinierte auch die diesjährige Marhaba-Aktion mit 26 Aufnahmeeinrichtungen – 20 davon in Marokko, sechs im Ausland. Über 1.000 Fachkräfte, darunter Ärzte, Sozialarbeiter und Pflegepersonal, waren im Einsatz. Besonders während der Spitzenzeiten mit bis zu 86.000 Überfahrten pro Tag wurde laut offizieller Angaben ein „flüssiges Management“ gewährleistet.
Diese Zahlen beeindrucken, werfen aber auch Fragen auf: Wie belastbar ist ein System, das auf temporäre Mobilisierung setzt? Und wie steht es um die langfristige Integration und Betreuung der MREs, die nicht nur als Besucher, sondern auch als wirtschaftliche und soziale Akteure eine Rolle spielen?
Medizinische Hilfe: Ein Zeichen der Fürsorge – und manchmal auch Notwendigkeit
Ein zentraler Bestandteil der Operation war die medizinisch-soziale Unterstützung. Über 88.000 MREs erhielten direkte Hilfe, darunter über 7.500 medizinische Fälle. Besonders dramatisch: Ein vier Monate alter Säugling mit Atemnot wurde im Hafen von Tanger Med stabilisiert und in ein Universitätskrankenhaus verlegt. Auch ein Diabetiker aus der Schweiz musste notfallmäßig behandelt werden.
Politische Symbolik und territoriale Ausweitung
Die Operation Marhaba ist nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern auch ein politisches Statement. Die Eröffnung neuer Standorte in Dakhla und Laayoune – auf Anweisung des Königshauses – soll die territoriale Reichweite und die strategische Bedeutung der südlichen Regionen unterstreichen.
Diese Maßnahme soll als Zeichen der nationalen Einheit gewertet werden.
Zwischen Bilanz und Ausblick
Omar Moussa Abdellah, Projektleiter der Marhaba-Operation, bezeichnete die diesjährige Ausgabe als „beachtlichen Erfolg“. Die Spitzenzeiten seien gut bewältigt worden, die humanitäre Mission erfüllt. Doch bei aller Effizienz bleibt ein kritischer Blick notwendig: Die Operation Marhaba ist ein Symbol der Verbundenheit – aber auch ein Spiegelbild der Herausforderungen, die mit Migration, Rückkehr und staatlicher Fürsorge verbunden sind.
Für viele MREs ist die Rückkehr nach Marokko ein emotionaler Moment. Für den Staat ist sie eine Gelegenheit, Nähe zu demonstrieren. Doch die Frage nach der Tiefe dieser Verbindung bleibt offen: Ist Marhaba ein nachhaltiges Bindeglied – oder ein jährlich wiederkehrendes Ritual mit begrenzter Wirkung oder würden sich zahlreiche Effekte, wie eine Erhöhung der Fährverbindungen oder Flugangebote nicht auch ohne staatliches Zutun ergeben, alleine weil es die Nachfrage gibt.
Die jährliche Rückkehr, vor allem im Sommer, zeigt eindrucksvoll, wie stark die Verbindung zwischen Marokko und seiner Diaspora ist. Die Aktion Marhaba soll für die Fürsorge, Organisation und politische Symbolik stehen. Doch hinter den Rekordzahlen verbergen sich strukturelle Fragen, die über die Sommermonate hinausreichen. Wer sich für die Zukunft des Maghreb interessiert, sollte Marhaba nicht nur als logistische Meisterleistung betrachten – sondern als Spiegelbild gesellschaftlicher und politischer Dynamiken. Weiterhin tut man sich in Marokko schwer, die MRE in die laufenden politischen Prozesse einzubinden, auch enn man sie als Investoren gerne sehen möchte. Doch das eine wird kaum ohne das andere funktionieren und die Führung des nordafrikanischen Königreiches muss dann lernen, die Idee zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die die MRE aus ihren Ländern mitbringen, einzubinden. Dies könnte entscheidend sein, soll die Verbindung zwischen den MRE und Marokko Generationenübergreifen erhalten werden.
Marokko – „Marhaba 2025“ startet mit erweiterten Unterstützungsangeboten für Auslandsmarokkaner

