Mehr als 20 neue Abkommen mit Italien unterzeichnet – Gespräche mit Papst Leo XIV. zu Dialog, Frieden und möglichem Papstbesuch in Algerien
Rom – Mit dem Staatsbesuch von Präsident Abdelmadjid Tebboune in Italien hat Algerien die historische Partnerschaft mit dem Mittelmeeranrainer deutlich vertieft. Im Mittelpunkt stand die fünfte Sitzung des algerisch-italienischen Regierungsgipfels, die Tebboune gemeinsam mit der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni leitete. Beide Seiten unterzeichneten laut der algerischen Nachrichtenagentur APS über zwanzig neue bilaterale Abkommen in den Bereichen Energie, Industrie, Bildung, Telekommunikation, Gesundheit, Kultur und Sicherheit.
Tebboune bezeichnete seinen Besuch in Rom als „wichtigen Meilenstein“ auf dem Weg zu einer „strategischen und vorbildlichen Partnerschaft“ zwischen Algerien und Italien. Premierministerin Meloni lobte die Kompetenzen des algerischen Präsidenten und sprach von einer sich „weiterhin vertiefenden Zusammenarbeit“.
Breit gefächerte Wirtschaftsabkommen
Zentraler Bestandteil des Treffens war der Abschluss zahlreicher Wirtschaftsverträge. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, unterzeichneten beide Länder unter anderem:
- Eine neue Energiepartnerschaft zwischen Sonatrach und ENI, die neue Gasinvestitionen und Vertragsverlängerungen umfasst
- Ein italienisch-algerisches Ausbildungszentrum für den Marmor- und Ziersteinsektor in Cristel bei Oran, finanziert von Italien
- Ein Projekt für digitale Infrastruktur, einschließlich eines neuen Unterseekabels zwischen Algerien und Italien (Telecom Italia Sparkle & Algérie Télécom)
Weitere Vereinbarungen betreffen den Aufbau industrieller Kapazitäten (z. B. Kunststoffteile für den Automobilsektor), Kreislaufwirtschaft, Biogasproduktion, Lebensmittelverarbeitung sowie innovative Arzneimittel in der Onkologie. Besonders hervorgehoben wurde die Vereinbarung zur Errichtung eines Enrico-Mattei-Zentrums für landwirtschaftliche Ausbildung.
Politische Kooperation und Sicherheit
Neben der wirtschaftlichen Komponente wurden auch zahlreiche Abkommen zur sicherheitspolitischen Zusammenarbeit geschlossen. Dazu zählen:
- Eine Absichtserklärung zur Terrorismusbekämpfung
- Ein Einsatzplan zur maritimen Rettungskoordination
- Ein Abkommen zur Zusammenarbeit in Zivilschutz und Katastrophenhilfe
- Eine Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung von Führerscheinen
- Ein neues Verteidigungsprotokoll auf Basis des Abkommens von 2003
Diese Vielzahl an politischen und praktischen Kooperationen unterstreicht die strategische Bedeutung Algeriens für Italien – sowohl im Energiesektor als auch als sicherheitspolitischer Partner im südlichen Mittelmeerraum.
Tebboune beim Papst: Dialog und Annäherung
Präsident Tebboune besuchte auchden Vatikan, wo er von Papst Leo XIV. in Audienz empfangen wurde. Begleitet wurde das Treffen von Gesprächen mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.
Zentrale Themen der Unterredung waren laut offiziellen Verlautbarungen der interreligiöse Dialog, die Förderung von Frieden und Geschwisterlichkeit sowie die Bedeutung kultureller Zusammenarbeit. Beide Seiten betonten die Qualität ihrer diplomatischen Beziehungen.
Nach Einschätzung des deutschen Domradios könnte Tebboune bei dieser Gelegenheit eine offizielle Einladung für einen Papstbesuch in Algerien ausgesprochen haben – ein symbolischer Schritt. Papst Leo XIV., der dem Augustinerorden angehört, hatte laut algerischem Außenministerium bereits 2025 öffentlich Interesse an einer Algerienreise geäußert. Algerien ist das Geburtsland des Kirchenvaters Augustinus von Hippo (354–430), eines zentralen Theologen der Spätantike.
Ein außenpolitisches Signal mit innenpolitischem Unterton
Der Besuch in Italien und im Vatikan war mehr als reine Diplomatie. Präsident Tebboune positioniert Algerien als wirtschaftlich verlässlichen Partner und politisch stabilen Akteur im Maghreb. In den letzten Jahren hatte er durch eine wirtschaftspolitische Öffnung und gezielte Reformprojekte das Land neu ausgerichtet, dabei aber auch außenpolitisch markante Entscheidungen getroffen – darunter der Abbruch diplomatischer Beziehungen zu Marokko und eine Phase gespannter Beziehungen zu Spanien und jetzt vor allem Frankreich.
Mit den neuen Vereinbarungen setzt Präsident Tebboune nun auf langfristige Zusammenarbeit mit Italien als Brückenpartner nach Europa, auch um die oft wahrgenommene Isolation des Landes, nach zahlreichen diplomatischen Erfolgen des Nachbarn Marokko, vor allem in der Frage der Westsahara / marokkanischen Sahara und bei Handelsbeziehungen zur EU und den USA, entgegen zu wirken. Die geplanten Energie- und Industrienetzwerke, die Ausbildungsinitiativen und digitalen Infrastrukturen könnten Algeriens Abhängigkeit von traditionellen Exportmärkten verringern und den wirtschaftlichen Umbau des Landes beschleunigen.
Der Staatsbesuch in Italien und im Vatikan markiert einen außenpolitisch bedeutenden Schritt für Algerien. Mit über 20 neuen Abkommen und dem Ausbau diplomatischer Beziehungen sendet Präsident Tebboune ein Signal: Algerien will sich als moderner Partner im Mittelmeerraum positionieren – ökonomisch, politisch und kulturell.
Algerien – Strategische Partnerschaft mit Italien gewinnt an Tiefe

