Neues Gesundheitsbündnis soll Diagnose, Versorgung und Ausbildung im Bereich seltener Erkrankungen verbessern
Rabat – In der marokkanischen Hauptstadt Rabat haben die Mohammed VI. Foundation for Science and Health (FM6SS) und der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca am vergangenen Mittwoch eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung von Kompetenzzentren für seltene Krankheiten unterzeichnet. Die Vereinbarung zielt darauf ab, das marokkanische Gesundheitswesen gezielt zu stärken, indem die Früherkennung verbessert, genetische Diagnostik ausgebaut und Fachkräfte umfassend geschult werden.
Seltene Krankheiten betreffen laut Weltgesundheitsorganisation jeweils weniger als fünf von 10.000 Menschen. Sie bleiben oft jahrelang unentdeckt oder falsch diagnostiziert – mit gravierenden Folgen für Betroffene und Familien. Die neue Partnerschaft setzt genau hier an: mit einem integrierten Versorgungsansatz, der medizinische Praxis, Technologie und Forschung verzahnt.
Fünf Säulen der Kooperation
Wie Rami Scandar, AstraZenecas Regionalpräsident für den Nahen Osten und den Maghreb, gegenüber der Nachrichtenagentur MAP erklärte, ruht die Initiative auf fünf strategischen Säulen:
- Schnellere Diagnosen: Die bisher durchschnittlich bis zu fünf Jahre dauernde Diagnosezeit soll deutlich verkürzt werden.
- Genetische Testplattformen: Laborkapazitäten für moderne genetische Diagnostik werden gemeinsam mit der Stiftung aufgebaut.
- Fachkräftefortbildung: Ärztinnen, Pflegepersonal und medizinische Dienste erhalten gezielte Schulungen zu seltenen Erkrankungen.
- Zugang zu Medikamenten: Neue Therapien sollen zu sozialverträglichen Preisen bereitgestellt werden – abgestimmt mit dem marokkanischen Gesundheitsministerium.
- Forschung und Daten: Die epidemiologische Erfassung seltener Krankheiten soll systematisch verbessert werden.
„Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten nicht mehr allein zu lassen – mit einem Modell, das Diagnose, Versorgung und Innovation vereint“, so Herr Scandar laut MAP.
Zwei starke Akteure mit regionaler Perspektive
AstraZeneca zählt zu den weltweit führenden biopharmazeutischen Unternehmen mit Fokus auf innovative Therapien in Onkologie, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Auch wenn das Unternehmen während der COVID-19-Pandemie als Impfstofflieferant bekannt wurde, setzt es heute verstärkt auf langfristige Gesundheitskooperationen – vor allem in Schwellen- und Transformationsländern.
Die marokkanische Mohammed VI Foundation for Science and Health betreibt unter anderem das moderne Universitätsklinikum in Casablanca und engagiert sich in Forschung, digitaler Gesundheitsversorgung und medizinischer Ausbildung. Die Stiftung gilt als eine der treibenden Kräfte hinter den aktuellen Reformen im marokkanischen Gesundheitssektor.
Mit dem Aufbau der Zentren für seltene Krankheiten setzen beide Partner ein Zeichen über Marokko hinaus: Auch andere Länder der Maghreb-Region könnten langfristig von einem solchen Modell profitieren.

