Durch die enge Kooperation mit China festigt das nordafrikanische Land seine technologische Souveränität und erweitert seine Kapazitäten für die zivile sowie sicherheitspolitische Erdbeobachtung per Satellite.
Algier / Peking – Am 31. Januar 2026 erreichte Algerien ein bedeutendes Ziel seines nationalen Raumfahrtprogramms. Vom chinesischen Weltraumbahnhof Jiuquan aus startete ein neuer Fernerkundungssatellit des Typs Alsat-3B erfolgreich in eine sonnensynchrone Umlaufbahn. Das Ereignis markiert den Abschluss einer intensiven Startphase, in der innerhalb von nur zwei Wochen zwei hochmoderne Systeme in den Weltraum befördert wurden. Erst am 15. Januar 2026 war der Zwillingssatellit Alsat-3A ins All geschickt worden.
Hochtechnologie aus Fernost für den Maghreb
Der neue Satellit ist das Ergebnis einer umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen Algier und Peking. Entwickelt wurde das System von der China Academy of Space Technology (CAST), einer Tochtergesellschaft des staatlichen Konzerns CASC. Grundlage für diese Mission ist ein im Juli 2023 unterzeichnetes Abkommen zwischen der algerischen Weltraumagentur (ASAL) und der China Great Wall Industry Corporation.
Laut Berichten der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhuanet und der algerischen Agentur APS unterstreicht dieser Erfolg die „tiefgreifende Freundschaft“ beider Nationen. Präsident Abdelmadjid Tebboune und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping tauschten anlässlich des Starts offizielle Glückwunschbotschaften aus. Für Algerien stellt das Projekt nicht nur einen technischen Gewinn dar, sondern auch einen Akt der digitalen und strategischen Souveränität, um die Abhängigkeit von ausländischen Geodaten zu reduzieren.
Dual-Use: Zwischen Katastrophenschutz und nationaler Sicherheit
Die technische Ausstattung der Alsat-3-Serie ermöglicht hochauflösende optische Aufnahmen der Erdoberfläche. Offiziell liegt der Fokus auf zivilen Anwendungen: Dazu gehören die Landnutzungsplanung, die Überwachung landwirtschaftlicher Flächen, der Umweltschutz sowie die Früherkennung von Naturkatastrophen wie Waldbränden oder Überschwemmungen.
Gleichzeitig weist die Präsenz hochrangiger Militärs bei der Überwachung des Starts auf die strategische Bedeutung hin. Der Chef des Generalstabs der Nationalen Volksarmee, General Saïd Chanegriha, verfolgte die Operation persönlich von der Bodenstation in Algier aus. In Fachkreisen wird das System daher als Dual-Use-Technologie eingestuft. Es dient der staatlichen Aufklärung und der Grenzsicherung – ein entscheidender Faktor für Sicherheitsfragen in der politisch komplexen Maghreb-Region.
Rahmenbedingungen im Kontext internationaler Standards
Die Mission steht im Einklang mit den Bestrebungen der Vereinten Nationen zur friedlichen Nutzung des Weltraums. Algerien orientiert sich dabei an den Leitlinien der UN-Resolutionen zur internationalen Kooperation im Weltraum (wie etwa Resolution 1721), die den technologischen Austausch zwischen Industrie- und Schwellenländern fördern. Der Start wird im UN-Register für in den Weltraum gestartete Objekte geführt, was die Transparenz und die völkerrechtliche Einbindung des Programms sicherstellen sollen.
Mit der Inbetriebnahme von Alsat-3B verfügt Algerien nun über eine aktive Flotte von sieben Satelliten. Damit positioniert sich das Land hinter Ägypten und Südafrika als eine der führenden Raumfahrtnationen auf dem afrikanischen Kontinent. Der Ausbau dieser Infrastruktur gilt als zentraler Baustein für die wirtschaftliche Modernisierung und die geostrategische Positionierung Algiers im 21. Jahrhundert.

