Moderate Entspannung, aber keine Entlastung im Alltag – Lebensmittelpreise bleiben hoch – Preisrückgänge bei Speiseölen mildern die Teuerung nur geringfügig
Tunis – Die Inflationsrate in Tunesien ist im Oktober 2025 leicht auf 4,9 Prozent gesunken – nach 5 Prozent im September. Das teilte das Nationale Institut für Statistik (INS) am Mittwoch in seiner Mitteilung zum Verbraucherpreisindex mit. Trotz des Rückgangs bleibt die wirtschaftliche Belastung für Haushalte spürbar, da die Preise in zentralen Lebensbereichen weiter steigen.
Laut INS beruht der leichte Rückgang vor allem auf einer verlangsamten Preisentwicklung bei Lebensmitteln und Dienstleistungen im Gastgewerbe. Die Inflationsdynamik hat sich hier leicht abgeschwächt – von 5,7 auf 5,6 Prozent bei Nahrungsmitteln und von 10,1 auf 7,5 Prozent bei Restaurant-, Café- und Hoteldienstleistungen.
Lebensmittelpreise als Haupttreiber der Inflation
Trotz der insgesamt schwächeren Preissteigerungen bleibt der Lebensmittelbereich der zentrale Inflationstreiber. Im Jahresvergleich legten die Lebensmittelpreise um 5,6 Prozent zu. Besonders stark betroffen sind frisches Gemüse (+21,4 %), Lammfleisch (+18,8 %), frischer Fisch (+9,9 %), Rindfleisch (+9,8 %) und frisches Obst (+9,2 %).
Einen gegenläufigen Effekt hatten die stark gesunkenen Speiseölpreise (-22,2 %), die die Teuerung etwas abfedern. Dennoch ist die Belastung für Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin hoch, da die Grundnahrungsmittel in Tunesien einen überdurchschnittlich großen Anteil an den Haushaltsausgaben ausmachen.
Dienstleistungen und Alltagsprodukte teurer
Neben Nahrungsmitteln stiegen auch die Preise für Fertigwaren um 5 Prozent. Besonders deutlich waren die Anstiege bei Bekleidung und Schuhen (+9,2 %) sowie bei Haushaltsreinigungsmitteln (+5 %).
Im Dienstleistungssektor wurde ein durchschnittlicher Preisanstieg von 4,2 Prozent verzeichnet, getrieben durch höhere Kosten in Restaurants, Cafés und Hotels (+7,5 %).
Die Kerninflation, also die Teuerungsrate ohne Energie- und Lebensmittelpreise, sank leicht von 5,2 auf 5,1 Prozent. Nach Angaben des INS stiegen die Preise für nicht regulierte Güter um 6 Prozent, während regulierte Produkte nur um 1,1 Prozent teurer wurden.
Monatliche Preisbewegungen zeigen strukturelle Schwächen
Auf Monatsbasis stieg der Verbraucherpreisindex im Oktober um 0,7 Prozent. Verantwortlich dafür waren vor allem höhere Bekleidungspreise (+6,4 %) nach dem Ende des Sommerschlussverkaufs sowie ein leichter Anstieg bei Lebensmitteln (+0,1 %). Besonders frisches Gemüse (+1,3 %), Speiseöl (+0,7 %) und Rindfleisch (+0,3 %) verteuerten sich gegenüber dem Vormonat.
Dem standen sinkende Preise bei Schaffleisch (-1,3 %) und Geflügel (-0,4 %) gegenüber. Die Gruppen „Fertigprodukte“ und „Dienstleistungen“ trugen laut INS mit 1,9 bzw. 1,4 Prozentpunkten am stärksten zur Gesamtinflation bei.
Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Der aktuelle Rückgang der Inflation deutet zwar auf eine verlangsamte Teuerungsdynamik hin, doch von einer spürbaren Entlastung für Verbraucherinnen und Verbraucher kann kaum die Rede sein. Preissteigerungen in Bereichen des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel und Dienstleistungen sorgen dafür, dass der Druck auf die Kaufkraft bestehen bleibt.
Wirtschaftsanalysten betonen, dass eine nachhaltige Stabilisierung der Preise von strukturellen Reformen und einer verbesserten Angebotslage abhängt – insbesondere bei importabhängigen Gütern und Grundnahrungsmitteln. Ohne entsprechende wirtschaftspolitische Maßnahmen dürfte die Preisentwicklung auch in den kommenden Monaten ein zentrales Thema bleiben.

