Studie zeigt, dass die Förderung der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen in ländlichen Regionen 23,5 Mrd. MAD zum BIP beitragen könnte.
Rabat – Die verstärkte Integration von Frauen in ländlichen Gebieten in die Wirtschaft könnte Marokkos Bruttoinlandsprodukt (BIP) erheblich steigern. Eine aktuelle Studie, die im Rahmen einer Konferenz in Rabat vom neuen Leiter des Hohen Kommissariats für Planung HCP und ehemaligen Bildungsminister, Herr Chakib Benmoussa, vorgestellt wurde, beziffert das ungenutzte wirtschaftliche Potenzial auf 23,5 Milliarden marokkanische Dirham MAD, was etwa 2,2 Milliarden Euro entspricht.
Wirtschaftliche Chancen durch mehr Teilhabe
Die Studie, die von mehreren Institutionen in Zusammenarbeit mit der marokkanischen Regierung erstellt wurde, hebe hervor, dass Frauen in ländlichen Regionen aufgrund struktureller Hürden und gesellschaftlicher Normen oft nur eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Dies führe dazu, dass ein beträchtlicher Teil des wirtschaftlichen Potenzials des Landes ungenutzt bleibe.
Laut den Autoren der Studie könnte die Überwindung dieser Hürden nicht nur die Lebensbedingungen vieler Frauen verbessern, sondern auch das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft vorantreiben. Die Berechnungen würden zeigen, dass eine stärkere Integration der ländlichen Frauen in wirtschaftliche Aktivitäten langfristig zu einer höheren Produktivität und mehr Wohlstand führen könnte.
Herausforderungen und Reformbedarf
Trotz der positiven wirtschaftlichen Perspektiven gebe es zahlreiche Herausforderungen, die bewältigt werden müssten. Dazu zählen begrenzter Zugang zu Finanzdienstleistungen, mangelnde Infrastruktur sowie unzureichende Bildung und berufliche Qualifikation. Zudem spielen gesellschaftliche Normen eine zentrale Rolle. Viele Frauen in ländlichen Gebieten sind traditionell in der informellen Wirtschaft tätig oder übernehmen unbezahlte Arbeit in der Landwirtschaft und im Haushalt.
Die marokkanische Regierung habe nach Angaben von Herr Chakib Benmoussa bereits Initiativen ins Leben gerufen, um diese Hürden abzubauen. Dazu gehören Programme zur Förderung von Unternehmertum unter Frauen, der Ausbau von Mikrokrediten sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.
Politische Maßnahmen zur Förderung der Teilhabe von Frauen dringend benötigt.
Auf der Konferenz in Rabat wurden mehrere Lösungsansätze diskutiert. Experten forderten gezielte politische Maßnahmen, darunter die Schaffung von Anreizen für Unternehmen, um Frauen in ländlichen Regionen stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch Investitionen in digitale Technologien und Infrastruktur könnten eine wichtige Rolle spielen, um Frauen den Zugang zu wirtschaftlichen Aktivitäten zu erleichtern.
Zudem wurde betont, dass der rechtliche Rahmen weiterentwickelt werden müsse, um Gleichstellung in der Arbeitswelt zu fördern. Dies schließt den Schutz vor Diskriminierung und den Abbau bürokratischer Hürden für Gründerinnen mit ein.
Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Nutzen
Die Studie zeige, dass eine stärkere wirtschaftliche Teilhabe von Frauen in ländlichen Gebieten nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit ist, sondern auch ein bedeutendes wirtschaftliches Potenzial birgt. Die marokkanische Wirtschaft könnte erheblich profitieren, wenn bestehende Barrieren abgebaut werden.
Die Umsetzung entsprechender Reformen erfordert jedoch ein koordiniertes Vorgehen von Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft. Ob Marokko dieses Potenzial in den kommenden Jahren nutzen kann, wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit die vorgeschlagenen Maßnahmen in die Praxis umgesetzt werden. Ein wichtiger Meilenstein wird dabei sicherlich die erwartete Reform des Familienrechts sein, der Moudewana, auf deren genaue Ausgestaltung das Land derzeit wartet.

