StartMarokkoMarokko – Teilnahme am Notfallgipfel in Doha nach israelischen Angriffen

Marokko – Teilnahme am Notfallgipfel in Doha nach israelischen Angriffen

Marokkos Position zwischen Dialog und Solidarität

Marokkanische Delegation um Prinz Moulay Rachid bei arabisch-islamischem Gipfel – Katar wirft Israel Sabotage der Gaza-Verhandlungen vor

Doha – Am heutigen Montag, den 15. September 2025, ist in Doha der sog. arabisch-islamische Notfallgipfel eröffnet worden. Marokko wird durch Prinz Moulay Rachid vertreten, der im Auftrag seines Bruders, König Mohammed VI., an den Beratungen teilnimmt. Begleitet wird er von Außenminister Nasser Bourita sowie den Botschaftern Mohamed Aït Ouali (Ägypten, Ständiger Vertreter bei der Arabischen Liga) und Mohamed Setri (marokkanischer Botschafter in Katar).

Bereits am Sonntag hatten sich die Außenminister der teilnehmenden Staaten getroffen, um den Gipfel vorzubereiten. Auf der Tagesordnung stand die Erarbeitung einer gemeinsamen Erklärung, die sich mit den israelischen Luftangriffen auf Doha und deren politischen Folgen befasst.

Katar erhebt schwere Vorwürfe

In seiner Eröffnungsrede erhob Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani deutliche Anschuldigungen. Die israelischen Angriffe auf Hamas-Mitglieder in Doha am 10. September 2025 hätten nicht nur Menschenleben gefordert – fünf Hamas-Mitglieder und ein katarischer Sicherheitsbeamter kamen ums Leben –, sondern auch das Ziel verfolgt, die laufenden Gaza-Verhandlungen zu sabotieren.

„Wer beharrlich und methodisch daran arbeitet, die Partei zu ermorden, mit der er verhandelt, beabsichtigt, die Verhandlungen scheitern zu lassen“, sagte der Emir laut AFP. Er warnte zudem vor der „gefährlichen Illusion“ des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, die arabische Region könne zu einer israelischen Einflusssphäre werden.

Breite internationale und regionale Reaktionen

Die Angriffe riefen weltweit Kritik hervor. Neben arabischen und islamischen Staaten äußerten auch die USA ungewöhnlich scharfe Worte. US-Außenminister Marco Rubio betonte in Jerusalem, sein Land werde Katars „konstruktive Rolle“ in den Gaza-Verhandlungen weiterhin unterstützen und kündigte einen Besuch in Doha an.

Innerhalb des Gipfels verschärfte auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Ton und warf Israel vor, „Massaker und Völkermord in Palästina fortsetzen“ zu wollen. Der iranische Präsident Massoud Pezeshkian forderte die muslimischen Länder auf, ihre Beziehungen zu Israel abzubrechen.

Der Entwurf der Abschlusserklärung, der in Teilen bereits durchgesickert ist, sieht eine gemeinsame Verurteilung des Angriffs vor. Zudem wird betont, dass das Vorgehen Israels die bisherigen Bemühungen um eine Normalisierung der Beziehungen gefährde – auch im Rahmen der Abraham-Abkommen, denen Marokko 2020 beigetreten war.

Marokkos Position zwischen Dialog und Solidarität

Für Marokko bedeutet die Teilnahme am Gipfel eine sensible diplomatische Balance. Rabat hatte sich in den vergangenen Jahren sowohl an regionalen Vermittlungsinitiativen beteiligt als auch im Rahmen der Abraham-Abkommen offizielle Beziehungen zu Israel aufgenommen.

Die Teilnahme am Notfallgipfel in Doha verdeutlicht, dass Marokko die Angriffe nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext regionaler Stabilität und multilateraler Zusammenarbeit. Das Königreich positioniert sich damit klar in der arabisch-islamischen Staatengemeinschaft, ohne seine bisherigen außenpolitischen Verpflichtungen aus den Augen zu verlieren.

Der Gipfel in Doha könnte zum Prüfstein für die Handlungsfähigkeit arabisch-islamischer Kooperation werden. Die katarische Regierung drängt auf ein starkes politisches Signal, während viele Staaten zugleich ihre komplexen Beziehungen zu Israel und westlichen Partnern berücksichtigen müssen.

Für Marokko bleibt die Herausforderung, seine Rolle als Partner in multilateralen Formaten zu festigen und zugleich seine eigene außenpolitische Linie zwischen Dialog und Solidarität mit der arabischen Welt zu behaupten.

Marokko – Scharfe Verurteilung israelischer Angriffe in Katar

 

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