Die marokkanische Regierung sieht eine strategische Chance, Casablanca zu einem regionalen Zentrum für hochwertige CO₂-Zertifikate zu entwickeln – mit wirtschaftlichem, sozialem und ökologischem Nutzen.
Casablanca – Das nordafrikanische Königreich Marokko sieht sich vor einer strategischen Gelegenheit, eine zentrale Rolle im internationalen Kohlenstoffmarkt zu übernehmen – und zwar im Handel mit hochwertigen Emissionszertifikaten (CO₂ – Verschmutzungsrechte). Das erklärte Leila Benali, Ministerin für Energiewende und nachhaltige Entwicklung, am gestrigen Dienstag, den 8. Juli 2025, in Casablanca im Rahmen der Konferenz „Ausweitung des Kohlenstoffmarkts in Afrika: Gestaltung fairer und effektiver Märkte“. Die Veranstaltung wurde von der Casablanca Finance City Authority (CFCA) und der CDG-Gruppe in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) organisiert.
„Wir haben jetzt eine einmalige Gelegenheit, uns zu einem Zentrum für die Schaffung hochwertiger Emissionszertifikate zu entwickeln und so ökologische und soziale Zusatzvorteile zu generieren“, sagte Ministerin Benali laut der marokkanischen Nachrichtenagentur MAP.
Ethik, Strategie und wirtschaftliche Interessen
Frau Benali betonte, dass Marokkos Engagement nicht aus bloßer internationaler Verpflichtung erwachse, sondern aus einer „zutiefst ethischen, strategischen und wirtschaftlichen Entscheidung“. Für sie ist der Klimaschutz kein Thema, das ausschließlich Industrie- und Schwellenländern überlassen bleiben dürfe. Vielmehr könne Marokko mit seinen strukturellen und geopolitischen Stärken zur globalen Dekarbonisierung beitragen – und dabei selbst wirtschaftlich profitieren.
Voraussetzungen für ein funktionierendes Zertifikatesystem
Für die angestrebte Marktposition müsse laut der Ministerin ein stabiler und transparenter Regulierungsrahmen geschaffen werden. Entscheidend seien außerdem gute Governance, Umweltintegrität und eine gerechte Verteilung der Erlöse aus dem Zertifikatehandel. Auch das Mobilisieren umfangreicher Investitionen sei notwendig.
Marokko verfüge über geeignete Voraussetzungen; ein starkes Potenzial im Bereich erneuerbarer Energien sowie langfristige Investitionen in physische und digitale Infrastruktur. Diese seien wesentliche Bausteine für die Entwicklung eines glaubwürdigen Marktes für CO₂-Zertifikate.
CBAM als Anreiz zur Wettbewerbsstärkung
Besondere Bedeutung misst Ministerin Benali dem europäischen Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) bei, der Importe mit einem CO₂-Preis belegt. Während viele Länder diesen als Belastung empfinden, betrachtet Marokko ihn als Chance. CBAM habe, so Frau Benali, zur Formulierung einer nationalen Energie- und Wettbewerbspolitik beigetragen, die der Industrie langfristig zugutekomme.
Die Zertifizierung von Emissionen wird aus Sicht der Ministerin so zu einem Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, Marktanteile zu sichern und international gefragte, klimafreundliche Wertschöpfungsketten zu stärken.
Casablanca soll Drehscheibe für Klimafinanzierung werden
Die Konferenz selbst stellte die Rolle Casablancas als möglicher Standort für Finanzdienstleistungen rund um den CO₂-Zertifikatehandel in den Vordergrund. In verschiedenen Panels diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Entwicklungspartnern über Voraussetzungen und Perspektiven eines afrikanischen Kohlenstoffmarktes. Auch die Sicht von Investoren und Käufern wurde thematisiert.
Das Ziel: Casablanca soll nicht nur als Finanzplatz, sondern auch als Kompetenzzentrum für klimabezogene Finanzinstrumente wahrgenommen werden.
Marokko positioniert sich strategisch im entstehenden Markt für CO₂-Zertifikate in Afrika. Dabei geht es nicht um einen vollständigen Fokus auf den Kohlenstoffmarkt, sondern um eine gezielte Rolle als Anbieter und Drehscheibe für hochwertige Emissionszertifikate aus ganz Afrika und vielleicht darüber hinaus. Die Regierung sieht darin ein Instrument, um gleichzeitig Klimaziele, wirtschaftliche Entwicklung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden – unter der Voraussetzung klarer Regeln und internationaler Anerkennung.
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