Peking und Rabat wollen Zusammenarbeit intensivieren: Bourita und Wang Yi besprechen zahlreiche Themen, darunter Investitionen, Rohstoffe und diplomatische Rückendeckung im UN-Sicherheitsrat
Peking – Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita hat am 19. September 2025 in Peking seinen chinesischen Amtskollegen Wang Yi getroffen. Der zweitägige Arbeitsbesuch auf Einladung Chinas führte zu mehreren Vereinbarungen, darunter der Einrichtung eines neuen strategischen Dialogs zwischen den Außenministerien beider Länder (Quelle: MAP, 19.09.2025; Xinhua, 17.09.2025).
Dieser institutionalisierte Mechanismus soll die Kommunikation und Koordination auf diplomatischer Ebene vertiefen. Gleichzeitig wurde die Überarbeitung des bilateralen Investitionsschutzabkommens von 1995 vorangetrieben, das Investoren auf beiden Seiten größere Rechtssicherheit bieten soll.
Chinas Rolle in Afrika
China ist seit zwei Jahrzehnten ein zentraler Akteur auf dem afrikanischen Kontinent. Das Land gewährt Staaten mit großen Rohstoffvorkommen Kredite für Infrastrukturprojekte – von Häfen bis Eisenbahnlinien – die häufig von chinesischen Firmen gebaut werden. Diese Investitionen schaffen auf der einen Seite dringend benötigte Modernisierung, auf der anderen Seite sichern sie Peking einen besseren Zugang zu Rohstoffen und erleichtern deren Abtransport.
Marokko ist zwar weniger rohstoffreich als Länder wie Angola oder die Demokratische Republik Kongo, verfügt jedoch über bedeutende Phosphatreserven. Das Land zählt zu den weltweit größten Exporteuren von Phosphat und Düngemitteln. Auch die Fischgründe an der Atlantikküste spielen eine wirtschaftliche Rolle. Für China, das in den kommenden Jahren steigende Nahrungsmittel- und Düngemittelbedarfe erwartet, sind diese Bereiche von Interesse.
Marokkos Ziele: Investitionen und diplomatische Rückendeckung
Für Marokko steht neben dem Ausbau wirtschaftlicher Kooperationen die außenpolitische Dimension im Vordergrund. In wenigen Tagen wird der UN-Sicherheitsrat wie jedes Jahr über die Westsahara-Frage beraten. Rabat beansprucht die Region vollständig und bietet seit 2007 ein Autonomiemodell unter marokkanischer Souveränität an.
Während die USA und Frankreich Marokko traditionell unterstützen und Großbritannien indirekt ähnliche Positionen vertritt, sitzt derzeit Algerien bis Jahresende als nicht ständiges Mitglied im Sicherheitsrat – flankiert von seinem Verbündeten Russland. Algerien ist der wichtigste Unterstützer der Frente Polisario, die für eine unabhängige Westsahara kämpft.
Vor diesem Hintergrund ist für Rabat entscheidend, dass China im Sicherheitsrat zumindest keine Gegnerschaft zeigt. Pekings traditionelles Bekenntnis zu territorialer Integrität und Ablehnung separatistischer Bewegungen deckt sich dabei mit Marokkos Position.
Bilaterale Projekte: Infrastruktur, Bildung und Tourismus
Neben geopolitischen Überlegungen stehen konkrete Kooperationsfelder auf der Agenda. Beide Länder wollen in Infrastruktur, erneuerbaren Energien, digitaler Entwicklung und Industriepartnerschaften enger zusammenarbeiten. Auch der Ausbau von Tourismus und Hochschulkooperationen wurde hervorgehoben.
Besonders betont wurde die Dynamik im Bereich Tourismus, die zunehmend als Brücke für den gesellschaftlichen Austausch dient. Sprach- und Kulturprogramme sollen zudem das gegenseitige Verständnis vertiefen.
Die Gespräche in Peking bringen Marokko und China organisatorisch und wirtschaftlich enger zusammen. Hinter den diplomatischen Formeln stehen klare Interessen: China sucht Zugang zu marokkanischen Ressourcen und Märkten, Marokko wiederum Stabilität bei Investitionen und politische Rückendeckung in der Westsahara-Frage.
Die neue institutionelle Kooperation könnte sich damit als pragmatische Allianz erweisen – eine Verbindung, in der wirtschaftliche Modernisierung und geopolitische Kalkulation eng miteinander verknüpft sind.

