Zehn Festnahmen in mehreren Städten – Ermittler entdecken präpariertes Fahrzeug und Komponenten für Sprengsätze
Rabat – Marokkanische Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben eine mutmaßliche Terrorzelle zerschlagen, die mit dem Ableger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bzw. Daech in der Sahelzone in Verbindung gestanden haben soll. Wie das Zentrale Büro für gerichtliche Ermittlungen (BCIJ) am heutigen Montag (6. Juli 2026) mitteilte, seien bei zeitgleichen Einsätzen in sieben Städten zehn Verdächtige festgenommen worden.
Die landesweiten Razzien erfolgten auf Grundlage von Informationen der marokkanischen Inlandsaufklärung DGST unter anderem in Casablanca, Agadir, Taroudant und Tetouan. Unter den Festgenommenen befinden sich laut Behördenangaben ein wegen Terrorismusdelikten vorbestrafter Mann sowie ein 17-jähriger Minderjähriger.
Präpariertes Fahrzeug und mutmaßliches Sprengmaterial in Inezgane
Besondere Aufmerksamkeit richteten die Behörden auf ein Lagerhaus in Inezgane nahe Agadir. Dort entdeckten Ermittler einen Geländewagen, dessen Kraftstoffsystem laut BCIJ so umgebaut worden sei, dass das Fahrzeug mit Butangas betrieben werden konnte. Nach Einschätzung der Behörden sollte der Wagen mutmaßlich für einen Anschlag oder einen gezielten Rammangriff auf sensible Einrichtungen genutzt werden.
Wegen möglicher Explosionsgefahr sperrten Sicherheitskräfte das Gebiet ab und evakuierten Anwohner. Spezialisten der nationalen Polizei (DGSN) untersuchten das Fahrzeug anschließend mit Robotern und technischen Sensoren.
In dem Lagerhaus und bei Wohnungsdurchsuchungen fanden die Ermittler zudem Butangasflaschen, Schnellkochtöpfe, Nägel, elektrische Kabel sowie chemische Substanzen, deren genaue Zusammensetzung nun analysiert wird. Außerdem beschlagnahmten die Behörden Messer, militärische Kleidung, elektronische Geräte sowie Dokumente mit Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen.
Ermittlungen zu möglichen Netzwerken in der Sahelzone
Nach Darstellung der Behörden war die Gruppe arbeitsteilig organisiert. Einzelne Mitglieder sollen mögliche Ziele ausgespäht haben, andere seien für Informationsbeschaffung und Überwachung zuständig gewesen, während weitere Verdächtige Material und Ausrüstung beschafft hätten.
Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass Mitglieder der Zelle Kontakte zum IS-Ableger in der Sahel-Sahara-Region unterhielten. Nach Angaben des BCIJ sollen sie angewiesen worden sein, geplante Aktivitäten innerhalb Marokkos umzusetzen, anstatt in Konfliktgebiete außerhalb des Landes auszureisen. Bei den Razzien wurden laut Behörden zudem Videoaufnahmen mit Treuebekenntnissen zum IS und Drohungen gegen Ziele im Königreich sichergestellt.
Die Ermittlungen der für Terrorismusfälle zuständigen Staatsanwaltschaft dauern an. Im Mittelpunkt stehen dabei mögliche Verbindungen zu weiteren Netzwerken in der Sahelzone sowie die Auswertung beschlagnahmter Datenträger.
Marokko gilt in Nordafrika als ein Land mit stark ausgebautem Sicherheitsapparat. Die Behörden melden regelmäßig die Zerschlagung extremistischer Zellen mit mutmaßlichen Verbindungen zu jihadistischen Gruppen in der Sahelregion.

