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Marokko – Regierung kündigt Strategie gegen Fake News an

Überwachungseinheit als zentrales Element der Strategie

Maßnahmen gegen Desinformation sollen das internationale Image des Landes schützen – Minister Mehdi Bensaïd stellt umfassenden Plan zur Medienüberwachung und Förderung verifizierter Information vor

Rabat – Die marokkanische Regierung hat eine neue Strategie vorgestellt, um gezielt gegen die Verbreitung von vermeintlicher Desinformation und sogenannten Fake News über das Königreich vorzugehen. Im Zentrum steht dabei das Anliegen, das internationale Ansehen Marokkos zu schützen – insbesondere gegenüber tendenziöser Berichterstattung in ausländischen Medien. Der Plan wurde von Mohamed Mehdi Bensaïd, Minister für Jugend, Kultur und Kommunikation, in einer schriftlichen Antwort an das Parlament erläutert und am 29. Juli 2025 in der Tageszeitung Al Ahdath Al Maghribia veröffentlicht.

Überwachungseinheit als zentrales Element der Strategie

Kernstück der angekündigten Maßnahmen ist die Einrichtung einer spezialisierten Einheit zur Medienüberwachung und Analyse. Diese soll laut Minister Bensaïd „Mechanismen zur Überprüfung falscher Informationen entwickeln, die im Bereich der öffentlichen und staatlichen Kommunikation kursieren“, zitiert die arabischsprachige Tageszeitung Al Ahdath Al Maghribia. Die Aufgabe der Einheit sei es, regelmäßig Berichte über das Image Marokkos in ausländischen Medien zu erstellen und Maßnahmen zur Bekämpfung der Desinformation einzuleiten.

Die geplante systematische Medienbeobachtung soll es ermöglichen, auf mutmaßlich gezielt und falsche Darstellungen zu reagieren und gleichzeitig präventiv aufzuklären. Dies betrifft vor allem Inhalte, die laut Ministerium das Bild Marokkos im Ausland verzerren oder politischen und wirtschaftlichen Schaden verursachen könnten.

Kooperation mit internationalen Medien vor Ort

Ein weiterer Baustein der Strategie ist die intensivere Zusammenarbeit mit akkreditierten internationalen Medien im Land. Laut Bensaïd wurden allein im laufenden Jahr „108 Korrespondenten zugelassen, die 63 ausländische Medieninstitutionen vertreten“, wie Al Ahdath Al Maghribia berichtet. Diese Öffnung soll dazu beitragen, die Vielfalt der Informationsquellen zu erhöhen und eine ausgewogenere Berichterstattung über Marokko zu fördern.

Darüber hinaus strebt das Ministerium an, audiovisuelle Produktionen internationaler Medien in Marokko zu unterstützen – unter der Voraussetzung, dass diese auf verifizierten Quellen basieren.

Förderung digitaler Medienkompetenz im Inland

Neben der externen Kommunikation richtet sich die Strategie auch an die digitale Medienlandschaft innerhalb Marokkos. Ziel ist es, ein nationales Programm zur digitalen Aufklärung zu etablieren. Dieses soll die digitale Medienkompetenz der Bevölkerung stärken, den Zugang zu überprüften Informationen erleichtern und die Verbreitung von Falschinformationen eindämmen.

Im Einzelnen umfasst das Programm laut dem Minister:

  • Entwicklung digitaler Tools für den Zugang zu geprüften Informationen
  • Unterstützung professioneller Medienakteure
  • Durchführung von Schulungen in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen

Kritik und offene Fragen

Auch wenn die Strategie in erster Linie als Schutzmaßnahme gegen Desinformation dargestellt wird, bleibt die genaue Umsetzung bislang vage. Kritische Stimmen könnten künftig fragen, wie unabhängig die geplante Überwachungseinheit arbeitet, und ob durch die neuen Mechanismen möglicherweise auch kritische Berichterstattung eingeschränkt wird. Ein transparenter Umgang mit diesen Fragen dürfte entscheidend dafür sein, ob die Maßnahmen Vertrauen innerhalb der Zivilgesellschaft und der internationalen Öffentlichkeit gewinnen können.

Balance zwischen Schutz des Images und Pressefreiheit entscheidend

Mit der vorgestellten Strategie verfolgt Marokko das Ziel, Desinformationskampagnen gezielter zu begegnen und die mediale Darstellung des Landes im Ausland aktiv zu beeinflussen. Dabei wird ein integrierter Ansatz gewählt, der sowohl auf Überwachung, Kooperation mit Medien als auch auf Bildung setzt. Entscheidend für den Erfolg wird sein, wie transparent und verhältnismäßig die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden – insbesondere im Spannungsfeld zwischen Informationssicherheit und Pressefreiheit.

Marokko – Zwischen Imagepflege und Informationsfreiheit – Kommentar zur Medienüberwachung

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