Das hochrangige Treffen in New York widmet sich Frieden, Entwicklung und Klimafragen – wird jedoch von den Ereignissen im Gaza-Krieg überschattet. Marokko bewegt sich dabei zwischen Solidarität mit Palästina und strategischen Partnerschaften.
Rabat – Premierminister Aziz Akhannouch vertritt auch in diesem Jahr König Mohammed VI. bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Er leitet offiziell auf ausdrücklichen Wunsch des Königs die marokkanische Delegation in New York, begleitet von Außenminister Nasser Bourita, wie die staatliche Nachrichtenagentur MAP meldete (Quelle: MAP).
Die Teilnahme des Premierministers ist Teil einer etablierten Praxis: Schon in den Vorjahren übernahm Akhannouch oder seine Vorgänger diese Aufgabe.
Themen der Generalversammlung
Die 80. Sitzung der Generalversammlung steht offiziell unter dem Motto „Gemeinsam besser: 80 Jahre und mehr für Frieden, Entwicklung und Menschenrechte“. Auf der Agenda stehen zentrale globale Fragen wie Klimawandel, nachhaltige Entwicklung, Abrüstung sowie Gesundheits- und Wirtschaftsfragen.
Trotz dieser inhaltlichen Breite wird das Treffen in diesem Jahr von den eskalierenden Kämpfen im Gaza-Streifen überschattet, die die Debatten der internationalen Staatengemeinschaft prägen.
Mehrere G7-Staaten, darunter Großbritannien und Frankreich, haben angekündigt, Palästina als Staat anerkennen zu wollen. Beide Länder sind Vetomächte im Sicherheitsrat und besitzen Atomwaffen. Israel lehnt diese Pläne strikt ab, unterstützt von den USA. Deutschland wiederum will sich seinen europäischen Partnern nicht anschließen und verweist darauf, dass eine Anerkennung Palästinas nur am Ende direkter Verhandlungen stehen könne.
Marokkos schwierige Position in der Frage des Gaza-Krieges
Für Marokko ist der Konflikt im Nahen Osten besonders sensibel. Das Königreich gilt seit Jahrzehnten als Unterstützer der palästinensischen Sache, insbesondere unter Präsident Mahmud Abbas im Westjordanland. König Mohammed VI. ist zudem Vorsitzender des Al-Quds-Komitees der Organisation der Islamischen Zusammenarbeit (OIC), das den Zugang zu den heiligen Stätten Jerusalems für alle drei monotheistischen Religionen sichern soll.
Gleichzeitig hat Marokko seine Beziehungen zu Israel seit 2020 stark vertieft. Die Kooperation umfasst Militärtechnik, Rüstungsgüter, Landwirtschaft, Tourismus und Wassertechnologie. Auch die enge Partnerschaft mit den USA prägt Rabats Position: Washington ist nicht nur ein zentraler Lieferant für Rüstungsgüter, sondern unterstützt Marokkos Anspruch auf die Westsahara – ein entscheidender außenpolitischer Faktor.
Erwartungen im Inland
Während außenpolitisch ein Balanceakt gefordert ist, wächst innenpolitisch der Druck. Teile der marokkanischen Gesellschaft erwarten von der Regierung, die Interessen der Palästinenser deutlicher zu vertreten und den „Normalisierungsprozess“ mit Israel abzubrechen. Zugleich sieht sich die Führung verpflichtet, die strategische Zusammenarbeit mit Israel und den USA nicht zu gefährden, da diese für die eigene Sicherheit im zunehmend von Spannungen geprägten Maghreb entscheidend ist.
Signalwirkung durch Teilnahme
Die Präsenz Akhannouchs in New York verdeutlicht somit weniger einen außergewöhnlichen Schritt, sondern die Kontinuität marokkanischer Diplomatie. Für Rabat bietet die Generalversammlung die Möglichkeit, sich zu aktuellen internationalen Konflikten zu äußern, gleichzeitig aber auch bei Themen wie Klima und nachhaltiger Entwicklung Akzente zu setzen. Die Herausforderung besteht darin, die Rolle als Unterstützer der Palästinenser mit den eigenen sicherheits- und wirtschaftspolitischen Interessen auszubalancieren.

