Die Vorbereitungen für die jährliche Rückreise hunderttausender Auslandsmarokkaner zeigen, wie eng Migration, Infrastruktur und bilaterale Sicherheitskoordination inzwischen miteinander verflochten sind – und wie verwundbar die Verbindung zwischen Spanien und Marokko bleibt.
Tanger – Mit der Sitzung der marokkanisch-spanischen Transitkommission in Tanger hat Rabat die politische Bedeutung der „Operation Marhaba 2026“ frühzeitig unterstrichen. Das jährliche Großprojekt zur Rückkehr der im Ausland lebenden Marokkaner, die sog. MRE, gilt nicht nur als logistische Herausforderung, sondern zunehmend auch als strategischer Gradmesser der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten.
Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MAP standen bei dem Treffen Sicherheitskoordination, Verkehrsfluss sowie die Modernisierung von Häfen und Flughäfen im Mittelpunkt. Geplant seien zusätzliche Kapazitäten für Passagiere und Fahrzeuge sowie Investitionen in Millionenhöhe in die Infrastruktur. Parallel dazu sollen marokkanische Konsulate in Spanien täglich – auch an Wochenenden – geöffnet bleiben.
Die politische Botschaft dahinter ist eindeutig: Rabat betrachtet die Diaspora weiterhin als wirtschaftliche und gesellschaftliche Schlüsselressource. Gerade in Zeiten schwächerer europäischer Konjunktur bleiben die Überweisungen der Auslandsmarokkaner ein zentraler Stabilitätsfaktor für Konsum, Immobilienmarkt und Deviseneinnahmen.
Spaniens Verkehrsprobleme könnten die Rückreise tausender Familien belasten
Doch die operative Realität auf spanischer Seite deutet auf erhebliche Risiken hin. Der Bürgermeister von Algeciras, José Ignacio Landaluce, warnte vor einem möglichen Verkehrskollaps während der „Operation Paso del Estrecho“ (OPE), dem spanischen Pendant zur Operation Marhaba.
Auslöser seien die seit rund anderthalb Jahren unterbrochenen Bahnverbindungen sowie die Überlastung der Autobahn A-7 und der Küstenstraße N-340 Richtung Tarifa. Der Güterverkehr werde zunehmend auf die Straße verlagert, wodurch sich Staus und Unfallrisiken verschärfen könnten. Besonders kritisch sei dies während der Sommermonate, wenn zusätzlich der touristische Reiseverkehr ansteige.
Damit wird sichtbar, wie abhängig die Mobilität zwischen Europa und Marokko weiterhin von wenigen infrastrukturellen Korridoren bleibt. Die jährliche Transitbewegung von Millionen Reisenden entwickelt sich dadurch zunehmend zu einem geopolitischen Belastungstest für Grenzmanagement, Verkehrspolitik und bilaterale Krisenkoordination.

