Nach Jahren der extremen Dürre verzeichnen die marokkanischen Stauseen eine signifikante Erholung und überschreiten erstmals wieder die kritische 50-Prozent-Marke.
Rabat – Die langanhaltende Trockenheit, die das Königreich Marokko über Jahre hinweg vor enorme Herausforderungen in der Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung stellte, scheint vorerst gemildert. Dank intensiver Niederschläge und Schneefälle in den Wintermonaten hat sich die hydrologische Lage landesweit spürbar entspannt. Wie offizielle Daten des Ministeriums für Ausrüstung und Wasser mit Stand vom 24. Januar 2026 belegen, liegt der Gesamtfüllstand der nationalen Stauseen nun bei rund 50,1 Prozent.
Ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr
Der aktuelle Füllstand entspricht einem gespeicherten Wasservolumen von etwa 8,41 Mrd. Kubikmetern. Die Relevanz dieser Entwicklung wird besonders im direkten Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum deutlich: Am selben Tag im Jahr 2025 lag das Volumen bei lediglich 4,69 Mrd. Kubikmetern. Dies entspricht einer Steigerung der Reserven um circa 79,2 Prozent. Diese Stabilisierung der Bestände gilt als wichtiger Puffer für die kommenden Sommermonate und als Entlastung für Regionen, die zuvor unter massivem Wasserdruck standen.
Regionale Unterschiede und voll ausgelastete Becken
Trotz der allgemeinen Erholung zeigt sich ein differenziertes Bild in den verschiedenen Einzugsgebieten. Während das Loukkos-Becken im Norden einen Füllstand von 66,7 Prozent erreicht und Staudämme wie Oued El Makhazine bereits vollständig gefüllt sind, bleibt die Lage in anderen Teilen des Landes angespannter. Das Bouregreg-Becken, welches für die Versorgung großer Ballungszentren essenziell ist, verzeichnet einen außergewöhnlich hohen Wert von 95,6 Prozent. Im Gegensatz dazu weist das Oum-Er-Rbia-Becken trotz Verbesserungen lediglich einen Füllstand von 26,3 Prozent auf, was die Notwendigkeit eines gezielten Wassermanagements unterstreicht.
Wassersicherheit als strategische Priorität
Die aktuelle Datenlage des Portals „Maa Dialna“ verdeutlicht einen qualitativen Wandel in der marokkanischen Wasserwirtschaft. Neben der direkten positiven Auswirkung auf die Landwirtschaft stärken die gestiegenen Reserven die strategische Position des Landes im Umgang mit klimatischen Schwankungen. Experten werten die vollständige Befüllung zahlreicher kleinerer und mittlerer Dämme als Bestätigung für die Effektivität der bestehenden Speicherinfrastruktur. Dennoch bleibt die nachhaltige Bewirtschaftung und die weitere Investition in die Wasserinfrastruktur ein zentrales Thema der nationalen Politik, um langfristig die Versorgungssicherheit in städtischen und ländlichen Räumen zu gewährleisten und die Abhängigkeit von wechselhaften Niederschlagsperioden zu verringern.

