Verbraucherumfrage zeigt verbesserte Stimmungslage der Haushalte, aber anhaltende Sorgen über Lebensstandard, Arbeitsmarkt und Lebensmittelpreise
Rabat – Das Hochkommissariat für Planung (HCP) Marokkos hat die Ergebnisse seiner vierteljährlichen Haushaltsbefragung für das zweite Quartal 2025 veröffentlicht. Der Haushaltsvertrauensindex (Indice de Confiance des Ménages, ICM) verzeichnet einen deutlichen Anstieg und liegt nun bei 54,6 Punkten – ein spürbarer Zuwachs gegenüber den 46,6 Punkten im ersten Quartal und 46,1 Punkten im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Diese Verbesserung signalisiert eine vorsichtige Rückkehr des Vertrauens, bleibt jedoch unter dem Niveau vor den letzten Krisenjahren und der COVID-19 Pandemie.
Wahrnehmung des Lebensstandards – Besserung erhofft
Trotz der Aufhellung des ICM bewerten 76 % der Haushalte ihren Lebensstandard der vergangenen zwölf Monate als verschlechtert. Lediglich 6,8 % berichten von einer Verbesserung. Für die kommenden zwölf Monate erwartet knapp die Hälfte (44,9 %) eine weitere Verschlechterung, während 9,7 % mit einer Verbesserung rechnen.
Die Einschätzungen fallen somit zwar weiterhin überwiegend negativ aus, zeigen aber im langfristigen Vergleich eine moderat verbesserte Erwartungshaltung. Der Saldo der Zukunftserwartung zum Lebensstandard stieg von -46,3 auf -35,2 Punkte.
Anhaltende Sorgen um den Arbeitsmarkt
Ein besonders sensibles Thema bleibt der Arbeitsmarkt. 71,8 % der befragten Haushalte gehen von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in den kommenden zwölf Monaten aus. Zwar liegt der entsprechende Saldo mit -57,5 Punkten unter dem Wert des Vorquartals (-73,4), doch bleibt die Skepsis hoch.
Konsumzurückhaltung trotz leicht verbesserter Finanzlage
Die Bereitschaft, langlebige Konsumgüter zu kaufen, bleibt auf niedrigem Niveau: 72,7 % der Haushalte halten den Zeitpunkt für solche Anschaffungen für ungünstig. Auch hier zeigt sich jedoch ein Lichtblick – der Negativsaldo verbesserte sich leicht auf -62,8 Punkte.
Was die aktuelle finanzielle Situation betrifft, gaben 57,6 % der Haushalte an, mit ihrem Einkommen die laufenden Ausgaben decken zu können. 40,6 % greifen auf Ersparnisse zurück oder verschulden sich. Nur 1,8 % können derzeit Geld zurücklegen. Die finanzielle Erwartung für das kommende Jahr fällt etwas weniger negativ aus als zuvor: 15,1 % hoffen auf eine Verbesserung, 23,6 % fürchten eine Verschlechterung.
Inflation bleibt das dominierende Problem
Besonders auffällig ist die einhellige Wahrnehmung der Haushalte bezüglich steigender Lebensmittelpreise: 94,2 % berichten von gestiegenen Preisen in den vergangenen zwölf Monaten. Für die Zukunft erwarten 78,9 % einen weiteren Anstieg, während nur 2,3 % mit sinkenden Preisen rechnen. Die Preisentwicklung bleibt somit ein zentrales Thema der öffentlichen Wahrnehmung.
Vertrauensaufschwung mit Vorsicht zu genießen
Die Haushaltsbefragung des HCP offenbart einen vorsichtigen Optimismus, der sich vor allem im Anstieg des ICM widerspiegelt. Dennoch zeigen viele Einzelindikatoren – insbesondere zur finanziellen Lage, zur Konsumneigung und zur Inflation – dass die Lebensrealität vieler marokkanischer Haushalte weiterhin von ökonomischem Druck geprägt ist.
Ob der positive Trend anhält, hängt maßgeblich von strukturellen Maßnahmen und makroökonomischer Stabilisierung ab. Die kommenden Monate bleiben eine Bewährungsprobe für Wirtschaftspolitik und soziale Sicherung gleichermaßen.

