Während die Kraftstoffpreise an den Tankstellen des Königreichs infolge internationaler Spannungen erneut ansteigen, plant die nationale Regulierungsbehörde eine grundlegende Reform der bisherigen Preisgestaltungspraktiken.
Rabat – In Marokko hat sich die Kostenspirale an den Zapfsäulen erneut gedreht. Wie aus Berichten des Portals Le360 hervorgeht, bereiteten die Mineralölunternehmen zum 16. April eine Preiserhöhung vor, die insbesondere den Dieselkraftstoff betrifft. Im wirtschaftlichen Zentrum Casablanca stieg der Preis für einen Liter Diesel um etwa einen Dirham von 14,50 auf 15,50 Dirham (MAD). Damit hat der Dieselpreis die psychologisch wichtige Marke von 15 Dirham durchbrochen und liegt nun gleichauf mit dem Benzinpreis, der unverändert bei rund 15,50 Dirham verharrt.
Weltpolitische Spannungen belasten die lokale Kaufkraft
Die jüngsten Preissteigerungen sind eng mit der Volatilität auf den internationalen Energiemärkten verknüpft, die insbesondere durch die Konflikte im Nahen Osten befeuert wird. Seit Ausbruch dieser Spannungen verzeichnete Diesel einen Zuwachs von mehr als 4,70 MAD pro Liter, während Benzin um etwa 3 MAD teurer wurde. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Belastung für die Kaufkraft marokkanischer Haushalte dar.
Um die Auswirkungen abzufedern, hält die Regierung an ihrem Unterstützungsmechanismus für Fachkräfte im Transportwesen fest. Nach einer ersten Phase, die Mitte April endete, deutet sich laut Quellen von Le360 eine Fortsetzung der Direkthilfen an. Dennoch fordern politische Akteure und Gewerkschaften weitergehende Schritte, wie etwa eine Senkung der Mehrwertsteuer oder eine Deckelung der Gewinnmargen im Handel.
Wettbewerbsrat kritisiert starre Preiszyklen als Marktanomalie
Parallel zur Preisentwicklung rückt die Methodik der Preisfestsetzung in den Fokus der Behörden. Ahmed Rahhou, Präsident des marokkanischen Wettbewerbsrats, bezeichnete die aktuelle Praxis der synchronisierten Preisanpassungen alle 15 Tage gegenüber Le360 als „Anomalie“. Obwohl die Preise seit der Liberalisierung des Marktes offiziell frei sind, ändern fast alle Anbieter ihre Preise zeitgleich am 1. und 15. eines jeden Monats.
Laut Rahhou stellt dies zwar zum jetzigen Zeitpunkt keine illegale Preisabsprache dar, doch entspreche dieser zweimonatliche Rhythmus eher einem Relikt aus der Zeit vor der Marktöffnung. Der Rat fordert die Unternehmen nun auf, von dieser festen Periodizität abzurücken und stattdessen individuelle Preisstrategien zu verfolgen, die sich an den eigenen Lagerbeständen und Kostenstrukturen orientieren.
Mehr Dynamik soll Preisvorteile für Verbraucher schaffen
Der Sinn dieses Vorstoßes liegt in einer stärkeren Belebung des Wettbewerbs. Die Regulierungsbehörde geht davon aus, dass eine völlige Freiheit bei der Preisfestsetzung tendenziell zu verzögerten Steigerungen und beschleunigten Senkungen führen würde. „Völlige Freiheit führt tendenziell zu verzögerten Steigerungen und beschleunigten Rückgängen“, wird Ahmed Rahhou zitiert. Die Logik dahinter: In einem dynamischen Markt zögern Anbieter bei Erhöhungen, um keine Kunden zu verlieren, während Senkungen sofort als Wettbewerbsvorteil genutzt werden.
Der Wettbewerbsrat setzt derzeit noch auf einen kooperativen Übergang und hat die Marktteilnehmer aufgefordert, eigene Vorschläge für neue Preismechanismen einzureichen. Sollte die Branche jedoch kollektiv an dem starren 15-Tage-Modell festhalten, behält sich die Behörde ausdrücklich vor, andere regulatorische Mittel einzusetzen, um einen echten Wettbewerb im Sinne der Verbraucher zu erzwingen.
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