Sinkende Exportpreise und ein wachsendes strukturelles Handelsdefizit belasten Marokkos Außenhandel.
Rabat – Marokkos Außenhandelsbedingungen haben sich im ersten Quartal 2025 verschlechtert. Die Planungsbehörde Haut Commissariat au Plan (HCP) meldet einen Rückgang der Exportpreise um 0,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Noch deutlicher fielen die Importpreise mit –3,5 %. Die Ursachen liegen vor allem in sinkenden Preisen für „energie et lubrifiants“ (–7,7 %) sowie „produits bruts d’origine animale et végétale“ (–23,3 %).
Auch auf der Importseite führten niedrigere Energiepreise (–10,6 %) und Preisrückgänge bei Investitionsgütern zu einem allgemeinen Preisverfall, der lediglich durch teurere mineralische Rohstoffe (+27,6 %) gedämpft wurde.
Negative Nettoauslandsnachfrage trotz Exportzuwächsen
Trotz eines erwarteten Anstiegs des Exportvolumens von 6,7 % im Jahr 2025 und 7,0 % im Jahr 2026 bleibt der Beitrag der Außenwirtschaft negativ, weil die Importe stärker wachsen (8,5 % bzw. 7,6 %). Entsprechend weitet sich das Handelsbilanzdefizit von 19,1 % (2024) auf 20,1 % des BIP im Jahr 2026 aus. Auch das Leistungsbilanzdefizit steigt auf –1,9 % des BIP.
Binnenwirtschaft bleibt stabiles Rückgrat
Die Inlandsnachfrage bleibt die zentrale Wachstumsstütze. Das HCP prognostiziert ein BIP-Wachstum von 4,4 % (2025) und 4,0 % (2026). Haupttreiber sind erhöhte Konsumausgaben, öffentliche Investitionen und eine Erholung der Landwirtschaft, die nach einem Rückgang von –4,8 % (2024) wieder um 4,7 % (2025) und 3,3 % (2026) wachsen soll.
Die Investitionen werden laut Prognose um 9,8 % (2025) und 7,2 % (2026) steigen – gestützt durch die neue Investitionscharta und Infrastrukturprojekte in Vorbereitung auf internationale Sportereignisse.
Phosphatsektor als Exportstütze
Ein Lichtblick im Exportgeschäft bleibt der Phosphat- und Düngemittelsektor. Marokko verfügt über rund 70 % der weltweiten Reserven und hat seit 2008 konsequent auf lokale Veredelung statt Rohstoffexport gesetzt. Diese Strategie zeigt Wirkung: Die Exporte von Düngemitteln stiegen von 28 Mrd. MAD (2019) auf über 79 Mrd. MAD (2022).
Dieser Strukturwandel verbessert nicht nur die Handelsbilanz, sondern erhöht auch die industrielle Wertschöpfung im Land.
Strukturprobleme bleiben bestehen
Trotz stabiler Gesamtdaten zeigen sich Schwächen bei Effizienz und Beschäftigung. Der ICOR-Wert lag im Zeitraum 2010–2023 bei 11,8, was bedeutet, dass für jedes Prozent Wachstum über 11 % des BIP investiert werden mussten – ein sehr hoher Wert im internationalen Vergleich.
Zudem sank der beschäftigungswirksame Effekt des Wachstums: In den 2000er-Jahren entstanden 30.000 neue Jobs pro 1 % BIP-Wachstum, in den 2010er-Jahren nur noch 20.000. Die Erholung nach der Corona-Krise konnte den Nettoverlust von über 432.000 Arbeitsplätzen im Jahr 2020 bis 2024 nicht vollständig ausgleichen.
Stabilität nach innen, Unsicherheit nach außen
Die Binnenwirtschaft zeigt sich widerstandsfähig, während der Außenhandel unter Druck steht. Die jüngsten Daten zu den Außenhandelspreisen und der mittelfristige Ausblick unterstreichen die Notwendigkeit, Exportstrukturen zu diversifizieren und die Produktivität der Investitionen zu erhöhen. Nur so lässt sich das Wachstum langfristig stabil und sozial wirksam gestalten.
Marokko – Binnenwirtschaft stützt Wachstum trotz schwacher Exportaussichten

