StartAlgerienBeständigkeit im Wandel: Mein persönlicher Rückblick auf das Maghreb-Jahr 2025

Beständigkeit im Wandel: Mein persönlicher Rückblick auf das Maghreb-Jahr 2025

Die Maghreb-Post wünscht ein frohes neues Jahr.

Über sportliche Rekorde, diplomatische Wendepunkte und die unbequemen Fragen zwischen Heimat und Diaspora. Die Maghreb-Post wünscht ein frohes neues Jahr.

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2025 liegt hinter uns, und mit dem Anbruch des neuen Jahres 2026 bietet es sich oft an, kurz innezuhalten. Für mich ist dieser Rückblick immer auch ein Moment der Dankbarkeit. Seit vielen Jahren betreibe ich die Maghreb-Post als Einzelprojekt. Das Engagement, ein größeres Verständnis für die Region des Maghreb im deutschsprachigen Raum zu schaffen, treibt mich jeden Tag aufs Neue an – auch wenn mich nicht selten E-Mails, Kommentare oder gar Anrufe erreichen, die von berechtigter Kritik, vor allem aber von Hass, Beleidigungen und auch mal Drohungen erfüllt sind. Ich gehe jedoch stets davon aus, dass dies Einzelfälle sind und nichts mit der generellen Bewertung des Angebots und meiner Arbeit zu tun haben. Dass Sie, die absolut überwiegende Mehrheit, diese Arbeit durch Ihr Interesse und Ihr Vertrauen unterstützen, ist für mich das wertvollste Fundament.

Das vergangene Jahr war von einer beeindruckenden Dynamik geprägt, allen voran im Tourismus. Marokko hat sich als Gastgeber des Afrika-Cups 2025 glanzvoll präsentiert und tut dies noch immer. Die Bilder der jubelnden Fans und die Rekordzahlen an den Flughäfen von Casablanca und Marrakesch haben gezeigt, welche Anziehungskraft die Region ausübt. Doch als Chronist der Ereignisse war es mir wichtig, auch hinter die Kulissen zu blicken.

In den Beziehungen zu Deutschland herrscht derzeit ein komplexes Bild aus Hoffnung und Ernüchterung. Ob in Marokko, Algerien oder Tunesien – man spürt die Freude darüber, dass Berlin die Region endlich stärker als strategischen Partner wahrnimmt. Doch die Diaspora und die Menschen vor Ort blicken mit wachsender Skepsis auf die Form dieses Interesses. Während Frankreich oder China oft direkt investieren, scheint sich Deutschland häufig auf die Vergabe von Krediten zu beschränken. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn die dringend benötigte industrielle Entwicklung ausbleibt und stattdessen Schuldenlasten wachsen. Diesen „Finger in die Wunde“ zu legen, sehe ich als Teil meines Auftrags.

Diplomatisch markierte das Jahr 2025 einen historischen Wendepunkt. Die UN-Resolution 2797 hat die internationale Debatte um die Westsahara neu geordnet, indem sie den marokkanischen Autonomieplan als praktikabelste Lösung hervorhob. Dieser Erfolg der marokkanischen Diplomatie steht jedoch im Kontrast zu den innergesellschaftlichen Spannungen.

Nichts hat dies deutlicher gemacht als die Proteste der „Gen212“ im September. Eine junge Generation fordert lautstark Mitsprache und soziale Gerechtigkeit ein, statt zuzusehen, wie Gelder in Prestigeobjekte fließen, während Schulen und Krankenhäuser vernachlässigt werden. In diesem Kontext steht auch mein Kommentar zum „MRE als Goldenem Kalb“. Die Diaspora darf nicht nur als Finanzquelle in Zeiten der Not gesehen werden; sie ist ein politischer und gesellschaftlicher Akteur, dessen Stimme Gewicht haben muss.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass die gesamte Region zunehmend vom Klimawandel betroffen ist, den noch immer einige wenige Menschen unverständlicherweise leugnen. Auch dieses Jahr waren die Länder des Maghreb von massiver Wasserknappheit und Dürre betroffen. Ohne Meerwasserentsalzung kann die Versorgung der Menschen nicht mehr gesichert werden, sei es als Trinkwasser oder für die Landwirtschaft.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Treue und die oft lebhaften und teils auch schwierigen Diskussionen bei Facebook, X, LinkedIn oder Xing im vergangenen Jahr. Ein solches Informationsangebot allein aufrechtzuerhalten, ist nicht immer einfach, aber Ihre Resonanz zeigt mir, dass ein unabhängiger, kritischer Blick auf den Maghreb heute wichtiger ist denn je.

Ich wünsche Ihnen ein gesundes, friedliches und gesegnetes neues Jahr 2026.

Herzlichst, Ihr Herausgeber der Maghreb-Post

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