Trotz der diplomatischen Formel „alles ist möglich“ hält Algier am Primat der palästinensischen Eigenstaatlichkeit, als Voraussetzung für diplomatische Beziehungen zu Israel, fest.
Washington D.C. – Die Beziehungen zwischen Algerien und Israel gehören traditionell zu den spannungsgeladensten im Nahen Osten und Nordafrika. Anders als einige seiner regionalen Nachbarn (wie Marokko im Zuge der Abraham-Abkommen) hat Algier eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen bislang kategorisch abgelehnt. Jüngste Äußerungen des algerischen Botschafters in Washington D.C. haben jedoch die Aufmerksamkeit der internationalen Beobachter auf sich gezogen, da sie die offizielle Position mutmaßlich schwächen würden, aber eigentlich eine bekannte und klare, wenn auch anspruchsvolle, Bedingung für einen Kurswechsel nennen.
Botschafter Boukadoum: „Alles ist möglich“ unter einer Bedingung
Der algerische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Sabri Boukadoum, erklärte in einem Interview mit dem Think Tank Stimson Center mit dem Titel „A Conversation with H.E. Sabri Boukadoum, Ambassador of Algeria to the United States“ am 18. November 2025, dass „alles möglich“ sei, was eine potenzielle Normalisierung der Beziehungen zu Israel betreffe.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Diese Aussage, führte zu einiger Aufmerksamkeit in der arabischen Presse, stellt jedoch keine Kehrtwende in der algerischen Außenpolitik dar, sondern wiederholt eine bereits bekannte Haltung der Regierung. Botschafter Boukadoum knüpfte die Möglichkeit eines solchen Schrittes an eine unmissverständliche Bedingung, indem erklärte: Die Normalisierung sei denkbar, „sobald es die Anerkennung des palästinensischen Staates, das Recht auf Eigenstaatlichkeit für die Palästinenser gibt, wie es der Präsident im Gaza-Plan gesagt hat, ist alles möglich.“
Damit bestätigte der Botschafter die von Präsident Abdelmadjid Tebboune zuvor kommunizierte Linie, dass eine offizielle Annäherung nur nach der Verwirklichung einer unabhängigen palästinensischen Eigenstaatlichkeit in den Grenzen von vor 1967 in Betracht kommt. Algerien positioniert sich somit weiterhin als Verfechter der palästinensischen Sache und nutzt diese Haltung als außenpolitisches Grundprinzip.
Geopolitischer Kontext und regionale Rivalitäten
Algeriens strenge Ablehnung der Normalisierung muss im regionalen Kontext des Maghreb betrachtet werden. Seitdem das Nachbarland Marokko im Dezember 2020 im Rahmen der von den USA vermittelten Abraham-Abkommen seine diplomatischen Beziehungen zu Israel wieder aufnahm, hat sich die Rivalität zwischen Algier und Rabat verschärft. Algerien kritisiert die Normalisierung Marokkos scharf und hat sie wiederholt als Verrat an der arabischen Solidarität bezeichnet.
Interessanterweise deuten Berichte über algerische Lobbyarbeit in Washington auf einen gewissen pragmatismus hin. So wurde bekannt, dass die algerische Regierung eine US-Lobbyfirma beauftragte, die in der Vergangenheit auch in die Vermittlung der Abraham-Abkommen involviert war und Verbindungen zu Israel unterhält. Dies wird von Analysten als ein Zeichen gewertet, dass Algeriens Position, obwohl in der Rhetorik unnachgiebig, in der Realpolitik gewissen geopolitischen und wirtschaftlichen Abwägungen unterliegen könnte.
Keine unmittelbare Änderung in Sicht
Trotz der Klarstellung des Botschafters, dass eine Normalisierung nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist, signalisiert die algerische Regierung keine unmittelbare Abkehr von ihrer langjährigen Politik. Die Forderung nach der Etablierung eines souveränen palästinensischen Staates als Voraussetzung gilt als ein hochgestecktes und derzeit kaum erfüllbares Ziel.
Damit dient die Formulierung „alles ist möglich“ primär dazu, die Tür für eine diplomatische Zukunft offen zu halten, ohne die historische Position des Landes aufzugeben. Für die Leserschaft in Wirtschaft, Politik und Finanzen bleibt festzuhalten, dass sich die fundamentalen Rahmenbedingungen für die Handels- und diplomatischen Beziehungen Algeriens in Nahost kurzfristig nicht geändert haben.

