StartMarokkoMarokko – Schweiz bewertet Autonomieplan für Westsahara als „pragmatische Grundlage“

Marokko – Schweiz bewertet Autonomieplan für Westsahara als „pragmatische Grundlage“

Westsahara / marokkanische Sahara bleibt Gegenstand internationaler Verhandlungen

Außenminister Nasser Bourita wirbt in Bern für internationale Unterstützung – Gespräche mit Bundesräten Cassis und Jans über Migration und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Bern – Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita hat im Rahmen seiner aktuellen Europareise in Bern hochrangige Gespräche mit Vertretern der Schweizer Regierung geführt. Im Mittelpunkt der Begegnungen stand die Westsahara-Frage / marokkanische Sahara, die derzeit im Zuge neuer Entwicklungen bei den Vereinten Nationen verstärkt in den Fokus rückt.

Schweiz signalisiert Unterstützung für marokkanischen Autonomieansatz

Nach einem Treffen mit Außenminister Ignazio Cassis am 24. April 2026 hielten beide Seiten in einer gemeinsamen Mitteilung fest, dass die Schweiz die von Marokko vorgeschlagene Autonomieinitiative als „ernsthafte, glaubwürdige und pragmatische Grundlage“ für eine Lösung des langjährigen Konflikts betrachte. Bern begrüßte in diesem Zusammenhang die Annahme der UN-Resolution 2797 und unterstrich die zentrale Rolle der Vereinten Nationen im politischen Prozess.

Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur MAP erklärte die Schweiz weiter, dass eine „echte Autonomie unter marokkanischer Souveränität“ eine der praktikabelsten Lösungen darstellen könne. Mit dieser Positionierung reiht sich die Schweiz in eine Gruppe westlicher Staaten ein, darunter die USA, Spanien, Deutschland, Großbritannien, Belgien, Niederlande oder Frankreich, die den marokkanischen Vorschlag ebenfalls als realistische Grundlage für Verhandlungen bezeichnet haben.

https://twitter.com/ignaziocassis/status/2047664321597952388?s=20

Intensivierung der wirtschaftlichen Partnerschaft und Klimaziele

Über die Territorialfrage hinaus nutzten beide Delegationen den Arbeitsbesuch, um die bilateralen Beziehungen weiter auszubauen. Beide Seiten verwiesen auf Fortschritte seit der gemeinsamen Erklärung von 2021. Ein zentraler Baustein ist ein vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) finanziertes Programm, das seit Anfang 2025 Projekte in Marokko unterstützt.

Dabei stehen insbesondere Investitionen in den Bereichen Klima und erneuerbare Energien im Fokus. Marokko hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Partner für europäische Staaten entwickelt, insbesondere im Kontext der Energiewende.

Strukturierter Dialog in Fragen der Migration

Bei einem separaten Treffen mit Justizminister Beat Jans stand die Migrationspolitik im Vordergrund. Beide Länder verwiesen auf die seit September 2023 bestehende gemeinsame Migrationsgruppe, die einen strukturierten Austausch über verschiedene Aspekte der Migration ermöglicht. Für das Jahr 2026 ist zudem eine gemeinsame Veranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des sogenannten Rabat-Prozesses geplant, den die Schweiz zu diesem Zeitpunkt präsidieren wird.

Westsahara / marokkanische Sahara bleibt Gegenstand internationaler Verhandlungen

Die diplomatischen Aktivitäten Marokkos finden vor einem komplexen politischen Hintergrund statt. Während Rabat eine Autonomielösung unter eigener Souveränität anstrebt, fordert die Polisario-Front – unterstützt von Algerien – weiterhin ein Referendum über die Zukunft der Region.

Die Vereinten Nationen bemühen sich, den politischen Prozess zwischen den Konfliktparteien wiederzubeleben. Vor dem Hintergrund der UN-Resolution 2797 und der anstehenden strategischen Überprüfung der Mission MINURSO gewinnen die aktuellen Gespräche in europäischen Hauptstädten zusätzlich an Bedeutung.

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