Das Königreich bündelt seine administrativen Kräfte in einer zentralen Online-Plattform, um Import- und Exportprozesse radikal zu beschleunigen und die kontinentale Drehkreuzfunktion zu festigen.
Casablanca – Am 18. Mai 2026 haben das Staatssekretariat für Außenhandel, die nationale Hafenagentur ANP, die Hafenbehörde Tanger Med sowie die Zoll- und Steuerverwaltung ADII in Casablanca das neue nationale Außenhandelsportal offiziell in Betrieb genommen. Unter dem Namen „Portail Marocain des Procédures du Commerce Extérieur“ ist die Plattform ab sofort für die Wirtschaft freigeschaltet und direkt über die offizielle Webadresse www.portnet.ma erreichbar. Diese zentrale Schnittstelle soll administrative Hürden abbauen, indem sie bestehende Informationssysteme schrittweise integriert. Damit reagiert das Königreich auf die Notwendigkeit, bürokratische Reibungsverluste in handfeste ökonomische Standortvorteile umzumünzen.
Ein einziges digitales Fenster bündelt den Staatsapparat
Das neue System fungiert nicht als zusätzliche bürokratische Ebene, sondern als koordinierende Online-Plattform unter der Federführung von PortNet SA. Laut Omar Hejira, dem Staatssekretär für Außenhandel, hänge die globale Wettbewerbsfähigkeit moderner Volkswirtschaften längst nicht mehr allein von Produktionskapazitäten ab. Vielmehr entscheide die Geschwindigkeit der Verwaltungsprozesse über den Markterfolg. Das Portal verknüpfe fortan mehr als 100.000 Akteure – darunter Exporteure, Logistiker und Banken. Die Bearbeitungszeiten für Kernprozesse sollen dadurch um 20 bis 50 Prozent sinken.
Für exportorientierte Schlüsselbranchen wie die Seefischerei, die rund 85 Prozent ihrer Produktion auf internationalen Märkten absetzt, bedeutet diese Zentralisierung eine erhebliche Entlastung. Zakia Driouich, Staatssekretärin für Seefischerei, wies darauf hin, dass allein in ihrem Ressort jährlich über 38.000 Fangzertifikate digital verarbeitet würden. Die Bündelung mit anderen Kontrollinstanzen, wie dem Amt für Lebensmittelsicherheit (ONSSA), reduziere Informationslücken und vereinfache die Sendungsverfolgung über alle Verkehrsträger hinweg.
Die institutionelle Allianz stärkt Marokkos Position im globalen Wertschöpfungsnetz
Um die technische Interoperabilität zu sichern, zeichneten die beteiligten Institutionen in Casablanca mehrere Abkommen. Besonders die formelle Integration der Tanger Med Group in die Trägergesellschaft PortNet SA unterstreicht den strategischen Charakter der Reform. Marokko hat in den vergangenen Jahren massiv in die maritime und terrestrische Infrastruktur investiert. Das neue Digitalportal stellt nun das logische Software-Update zu dieser Hardware dar. Es soll sicherstellen, dass die physischen Transportkapazitäten nicht durch papierlastige Zollverfahren ausgebremst werden.
Langfristig zielt diese Modernisierung darauf ab, Marokkos Rolle als kontinentale Drehscheibe zwischen Afrika und Europa strukturell abzusichern. Angesichts einer jungen, nachdrängenden Erwerbsbevölkerung ist das Land darauf angewiesen, verlässliche Arbeitsplätze in exportstarken Sektoren zu schaffen. Ein transparenter und effizienter Außenhandel gilt hierbei als zentraler Katalysator, um ausländische Direktinvestitionen anzuziehen und die Sozialsysteme zukunftsfest zu machen.

